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Laudatio auf Siegfried Meister „Ein einzigartiges Lebenswerk geschaffen“

Der verstorbene Rational-Gründer Siegfried Meister ist Ehrenmitglied der Hall of Fame der Familienunternehmen. Stefan Heidbreder über den Mann, der mit Dampfgarern die Küchen revolutionierte und Anleger begeisterte.

„Sein Antrieb war stets: der unbedingte Wille, es besser zu machen.“ Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Ich stehe hier im Rampenlicht für einen Mann, der selbst die Bühne scheute. „Ich möchte nicht, dass man vom Herrn Meister spricht. Man soll von Rational reden.“ Zitat-Ende. Aus Sicht unserer Jury verlangt es geradezu die einmalige unternehmerische Leistung von Siegfried Meister, dass wir uns über seine Bescheidenheit hinwegsetzen und ihn heute Abend in die Hall of Fame der Familienunternehmen aufnehmen.

Er hat mit der heutigen Rational AG ein einzigartiges Lebenswerk geschaffen. Vor wenigen Monaten ist er im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein Antrieb war stets: der unbedingte Wille, es besser zu machen. Die bahnbrechende Idee zu seinem Lebenswerk kam dem jungen Elektroingenieur während seiner Anstellung für die Restaurantkette Wienerwald.

Dort klagten nachtschwärmende Gäste oft über zähes Geflügel, wenn sie etwa um zwei Uhr nachts einen Imbiss nehmen wollten. Meisters Idee, mit der er sich später selbstständig machte: Die Speisen sollten so schnell gar werden, dass sie gar nicht zäh werden können. Zusätzlicher heißer Dampf sorgt dafür, dass das Gericht nicht an Feuchtigkeit verliert und saftig bleibt. Diese Technik des sogenannten Dampfgarers war revolutionär und wurde von Siegfried Meister in den Folgejahren konsequent weiterentwickelt.

Heute steht die Rational AG an der Spitze aller Hersteller dieser Produkte. 1900 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von über 700 Millionen Euro. Der Weltmarktanteil liegt aktuell bei mehr als 50 Prozent. Da reden alle vom autonomen Fahren. Mit Rational wird schon lange autonom gekocht – im Buckingham Palace, im Weißen Haus, auf Kreuzfahrtschiffen und U-Booten am Meeresgrund und hoffentlich in den Kantinen Ihrer Unternehmen, die hier im Saal vertreten sind.

Meister war Mitte 30, als er 1973 in Landsberg die Lechmetallwerke gründete, aus denen bald Rational werden sollte. Meister wollte es besser machen – vor allem für den Kunden. Wer die Unternehmenszentrale betritt, kann‘s an der Wand lesen. Da steht nichts von Profitmaximierung. Im Gegenteil. „Wachstum, Stabilität und Gewinn sind nicht unsere Ziele, sondern Ergebnisse. Sie werden aber umso besser, je besser der Kundennutzen ist.“

Er wollte es besser machen, das galt auch für den Umgang mit den Angestellten. Sein Credo: Die Führungskräfte sollen sich wie Gärtner verhalten und für das richtige Klima zur individuellen Entwicklung der Mitarbeiter sorgen. Und: Die Beschäftigten sollten sich so verhalten, als gehöre ihnen Rational. Sie sind Unternehmer im Unternehmen. Meister hat auch die Fließbandproduktion abgeschafft. Bei Rational gibt es Montage-Inseln. Auf jedem Eiland gilt das Prinzip: ein Mann, ein Gerät.

Siegfried Meister ist zudem ein Paradebeispiel dafür, dass es oft Regelbrecher sind, die sich am Ende durchsetzen: Meister nahm im Jahr 1978 Knall auf Fall den Umsatzbringer aus dem Programm: einen dampflosen Konvektionsofen, der nicht weniger als 60 Prozent des Umsatzes brachte. Übrig blieb nur der Dampfgarer. Eine Million gibt es davon heute weltweit.

Im Jahr 2000 machte Siegfried Meister nochmals kräftig Dampf und brachte 30 Prozent von Rational an die Börse. Keineswegs aus einer finanziellen Not heraus. Er sah den Vorteil in der Berichtspflicht, in Transparenz und Disziplin, auch wenn die Banken skeptisch waren: Ihnen schmeckte eher die Infineon-Aktie, die zeitgleich emittiert wurde. Doch während der Kurs von Infineon seitdem nur talwärts zeigt, ist der Kurs von Rational von einst 29 Euro auf heute 540 Euro gestiegen.

Rational wird derzeit mit etwas über 6,3 Mrd. Euro bewertet. Die Ebit-Marge bewegt sich immer in einem Korridor von 26 bis 27 Prozent. Heute ist Rational eines der profitabelsten deutschen Familienunternehmen und laut Forbes eines der 20 weltweit erfolgreichsten Mittelstandsunternehmen. Siegfried Meister wollte es besser machen.

Und er hat es besser gemacht.

Stefan Heidbreder ist Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

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