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Leasingfirma Grenke-Gründer greift Leerverkäufer nach Betrugsvorwürfen an

Wolfgang Grenke kritisiert, dass der Shortseller Fraser Perring die Verunsicherung der Anleger ausnutze – und dass sich Hedgefonds bislang zu sicher fühlten.

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Der Grenke-Gründer fordert, dass „Marktmanipulationen“ gesetzlich wirksam unterbunden werden müssten. Quelle: dpa

Wolfgang Grenke, der Gründer der Leasingfirma Grenke, wirft dem Leerverkäufer Fraser Perring nach Betrugsanschuldigungen gegen sein Unternehmen vor, im eigenen Interesse zu handeln und die Verunsicherung von Anlegern auszunutzen. Laut Grenke sollten „Marktmanipulationen“ besser unterbunden werden.

„Perring hat auf 64 Seiten eine Mischung aus Fakten, Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Unterstellungen geliefert“, sagte Grenke gegenüber Bloomberg. „Dass Perring seine Aussagen und Behauptungen als Meinung tituliert, zeigt, dass er dafür keine Verantwortung übernehmen will und dass es ihm offensichtlich um den eigenen Vorteil geht. Er nutzt die Verunsicherung von Anlegern aus.“

Perring hatte Grenke im vergangenen Monat vorgeworfen, Akquisitionen von Franchisefirmen zu nutzen, um zu verschleiern, dass ein Großteil der ausgewiesenen liquiden Mittel nicht existiere. Das Unternehmen wies die Anschuldigungen zurück. Seit Anfang des Jahres ist Wolfgang Grenke, der sein Aufsichtsratsmandat ruhen lässt, nach eigenen Angaben an einer Reihe von Franchisefirmen selbst beteiligt.

Grenke hat Perring bisher nicht getroffen und auch kein Interesse daran. „Ich wüsste auch nicht, was ich mit ihm besprechen sollte“, sagt er.

Grenke ergänzte, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand auf fallende Börsenkurse setze. „Ich habe aber etwas dagegen, wenn die Aktienkurse gesunder Unternehmen durch die Verbreitung gezielter Fehlinformationen beeinflusst werden und die Urheber von einem selbst ausgelösten Kursverfall profitieren“, erklärte Grenke.

Fondsgesellschaft Universal Investment erhöht Stimmrechtsanteil an Grenke

Perrings Firma Viceroy Research Group hatte in ihrem Bericht Short-Positionen zu Grenke offengelegt und gesagt, das Papier spiegele die Meinung der Autoren wider. In einer E-Mail an Bloomberg erklärte Perring am Mittwochabend, er stehe weiter zu seinem Bericht. „Ich bin mehr als offen für ein Treffen mit Wolfgang Grenke. Er kann alle Punkte erklären und beantworten, die wir in unserem Bericht angesprochen haben“, sagte er.

Die Aktien von Grenke haben seit den Anschuldigungen des Shortsellers mehr als ein Viertel an Wert verloren. Wolfgang Grenke geht nach eigenen Worten davon aus, dass sich der Kurs kurzfristig erholen wird, auch wenn er Markteinflüssen wie etwa der Coronakrise ausgesetzt bleibe.

Die Fondsgesellschaft Universal Investment hat derweil ihren Stimmrechtsanteil an Grenke zuletzt auf 3,2 Prozent erhöht, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht. Davor lag er bei 0,73 Prozent.

Die Aufsichtsbehörde BaFin hat derweil mehrere Untersuchungen im Zusammenhang mit Grenke eingeleitet. Das Unternehmen selbst beauftragte Warth & Klein Grant Thornton sowie KPMG LLP mit Prüfungen. Anfang der Woche erklärte Grenke, KPMG habe Bestätigungen von mehr als 98 Prozent der ausgewiesenen Bankguthaben vorliegen.

Vorwürfe, dass sein Unternehmen in der Vergangenheit Franchisefirmen überteuert übernommen habe, wies Wolfgang Grenke zurück. „Die Franchisegesellschaften hatten und haben nach dem Erwerb durch die Grenke AG weiterhin eine starke Performance, da sie auf die Nutzung von profitablem Wachstum ausgerichtet waren“, sagte er.

Wolfgang Grenke hatte angeboten, die von ihm gehaltenen Beteiligungen an Franchisefirmen an die Grenke AG zu verkaufen. „Der Wert müsste zunächst unabhängig ermittelt werden“, sagte er. Als Bezahlung würde er auch Grenke-Aktien akzeptieren. „Es sollte aber ein Preis für die Aktien angesetzt werden, der auf dem Niveau von vor dem Shortseller-Angriff liegt. Damit würde ich deutlich weniger Aktien erhalten als zum gegenwärtigen Preis.“

Grenke forderte, dass „Marktmanipulationen“ gesetzlich wirksam unterbunden werden müssten. „Offenbar fühlen sich international agierende Hedgefonds bisher relativ sicher, von den Strafverfolgungsbehörden entweder gar nicht oder nur mit einem milden Strafmaß belangt zu werden“, sagte er. „Will man deutsche Unternehmen schützen, muss man hier ansetzen.“

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