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Lenny Fischer im Gespräch „Bitcoin, das ist wahrer Anarchismus“

Der langjährige Investmentbanker Lenny Fischer hat ein gespaltenes Verhältnis zu Kryptowährungen. Im Handelsblatt Wirtschaftsclub erklärt er, warum er die Idee findet er toll – Bitcoins derzeit aber nicht kaufen würde.

Bitcoin: Lenny Fischer sieht Kryptowährung als wahren Anarchismus Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

FrankfurtZu Beginn seiner Karriere war Fischer immer der Jüngste. Etwa der jüngste deutsche Vorstand der deutschen Bankengeschichte – „und auch der jüngste je gefeuerte Bankvorstand“, wie er selbst am Dienstagabend auf der Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclubs in Frankfurt ergänzte. Mittlerweile ist der Ex-JP-Morgan-Manager und einstige Dresdner-Bank-Vorstand ein Veteran der Finanzwelt, der Zuhörer mit Anekdoten aus 30 Jahren Finanzgeschichte scharfzüngig zu unterhalten weiß.

Doch auch wenn es um neue Phänomene geht, ist er um keine Antworten verlegen. Er sei zwar kein Bitcoin-Fan und würde die Digitalwährung derzeit nicht kaufen, finde die Idee aber toll, erzählte er den anwesenden Handelsblatt-Lesern. „Bitcoin, das ist wahrer Anarchismus. Die Bitcoin-Erfinder wollten uns aus der Abhängigkeit von Banken und Notenbanken befreien“, sagt Fischer. Nun drohe das System aber in einer Spekulationsorgie unterzugehen. „Deshalb kaufe ich keine Bitcoin mehr“, sagt er.

Die Grundidee der Kryptowährungen und die dahinter stehende Blockchain-Technologie seien aber  „zumindest intellektuell hochinteressant“. Fischer ist sich sicher, dass sich einige der Modelle durchsetzen können. „Aber im Moment ist das der Wilde Westen. Und vom Goldrausch weiß man, dass diejenigen das Geld verdient haben, die die Planwagen herstellten – und nicht die, die das Gold schürften.“

Fischer ist ein Mensch, der gerne gegen den Strich bürstet. Die hohen Bonuszahlungen für Investmentbanker etwa hält er nicht für einen der Auslöser der Finanzkrise – auch wenn er die Höhe der Auszahlungen für übertrieben hält. Für problematisch hält er einen anderen Punkt: Ursprünglich  hätten sich die reinen Investmentbanken auf Maklergeschäfte im Wertpapierhandel beschränkt.

Später seien immer mehr Geschäfte, die ursprünglich zum Firmenkundengeschäft zählten, hinzugekommen, etwa der Devisenhandel, am Ende auch Projektfinanzierungen. „Das wurde immer mehr, bis am Ende 70 Prozent der Bilanzsummen, die mit Firmenkundengeschäft zu tun hatten, als Investmentbanking deklariert waren und damit bonusberechtigt“, sagt Fischer. Mit anderen Worten: Firmenkundenbanker deklarierten ihre eher riskanteren Geschäftsfelder zu Investmentbanking-Geschäften um mit dem Ziel, Investmentbanker-Boni zu erhalten.

Fischer war als oberster Investmentbanker der Dresdner Bank selbst viele Jahre Teil dieser Maschinerie. Heute bedauert er die, „die da arbeiten – nicht nur wegen der fehlenden Boni“. Ihm ist die starke Regulierung der Branche ein Dorn im Auge. „Der Staat, der so tut, als habe er mit der Finanzkrise 2009 und mit der Staatsschuldenkrise 2011 nichts zu tun, hat beschlossen zu wissen, wie das Finanzsystem der Zukunft zu organisieren ist“, kritisiert Fischer. „Das ist mir zu überorganisiert und überreguliert.“

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