Lettland EZB-Ratsmitglied bestreitet Bestechungsvorwürfe

Lettlands EZB-Ratsmitglied soll eine sechsstellige Summe an Bestechungsgeldern eingestrichen haben. Eine Bank gerät dadurch in Schieflage.

EZB: Lettischer Zentralbankchef unter Korruptionsverdacht Quelle: dpa

RigaDer lettische Zentralbankchef Ilmars Rimsevics ist auf Kaution freigelassen worden. Das Staatsfernsehen zeigte am Montag, wie das EZB-Ratsmitglied im Gespräch mit Journalisten sagte, er streite alle Vorwürfe ab.

Rimsevics war am Samstag nach einer Befragung durch die lettische Antikorruptionsbehörde festgenommen worden. Sie hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen Rimsevics eingeleitet. Er stehe im Verdacht, mindestens 100.000 Euro an Bestechungsgeldern gefordert und erhalten zu haben, teilte die Behörde mit. Eine offizielle Anklage sei noch nicht erhoben worden. Rimsevics ist seit 2001 Zentralbankchef.

Rimsevics Anwalt Saulvedis Varpins sagte laut Staatsfernsehen, dass am Dienstag weitere Informationen zu dem Fall geliefert würden. Zuvor hatte der lettische Ministerpräsident Maris Kucinskis angekündigt, dass Rimsevics verboten werde, im Amt zu bleiben, wie die Nachrichtenagentur BNA berichtete.

Der Mehrheitseigentümer der lettischen Bank Norvik, Grigori Guselnikow sagte der Nachrichtenagentur AP, Rimsevics habe seit 2015 regelmäßig durch einen Mittelsmann Bestechungsgelder gefordert. Im Falle einer Verweigerung habe er mit härteren Vorschriften gedroht. Das, sei ihm gesagt worden, seien die „Spielregeln“ in Lettland.

Die krisengeschüttelte Bank ABLV wurde von der lettischen Finanzaufsicht auf Ersuchen der EZB angewiesen, alle Zahlungen einzustellen. Die drittgrößte Bank Lettlands dürfe finanzielle Verbindlichkeiten bis auf Weiteres nicht mehr bedienen, teilte die Europäische Zentralbank mit. Die finanzielle Lage der ABLV habe sich in den vergangenen Tagen stark verschlechtert. Die lettische Zentralbank teilte indessen mit, sie werde der ABLV 97,5 Millionen Euro leihen, um die Liquidität zu sichern. Die ABLV hatte um 480 Millionen Euro Kredit gebeten.

Vor wenigen Tagen hatte das US-Finanzministerium Banken angewiesen, keine Dollar-Transaktionen mehr mit der ALBV durchzuführen, bei der dem Ministerium zufolge Geldwäsche betrieben wird, um die Sanktionen gegen Nordkorea zum umgehen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%