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Leveraged Loans Deutscher Bank drohen höhere Kapitalanforderungen der EZB

Die EZB drängt bei der Deutschen Bank zur Vorsicht bei der Kreditvergabe an hochschuldete Kunden. Ansonsten könnten der Bank bald höhere Kapitalanforderungen drohen.

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Das Geschäft mit Krediten für hochverschuldete Kunden ist lukrativ und eine wichtige Säule im Investmentbanking. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank AG könnte sich mit höheren Kapitalanforderungen der Europäischen Zentralbank konfrontiert sehen, wenn sie nicht bald weniger Kredite an hochverschuldete Kunden vergibt. Das dürfte es Vorstandschef Christian Sewing nicht leichter machen, seine Wachstums- und Gewinnziele zu erreichen.

Nach monatelangen Gesprächen hinter den Kulissen hat die EZB der Deutschen Bank mitgeteilt, dass sie aufgrund der inhärenten Risiken dieser „Leveraged Loans“ genannten Kredite bald mehr Eigenkapital vorhalten muss, so mit der Diskussion vertraute Personen. Die Bank kann die strengeren Anforderungen noch umgehen, wenn die entsprechenden Risiken zurückgefahren werden, bevor die EZB Ende dieses Jahres die Kapitalanforderungen für 2022 festsetzt, so die Personen.

Eine Sprecherin der EZB wollte den Sachverhalt nicht kommentieren. Leveraged Loans sind „ein wichtiges Geschäft für die Wirtschaft und für viele Banken, auch für die Deutsche Bank“, so ein Unternehmenssprecher. „Wir haben in diesem Geschäft eine solide Erfolgsbilanz und verfolgen einen vorsichtigen Risikoansatz, wie es die Vorschriften verlangen.“

Das Geschäft, unter Bankern auch als „Leveraged Finance“ bekannt, ist lukrativ und eine wichtige Säule im Investmentbanking. Da die Dynamik im Handelsgeschäft langsam abnimmt, hat es dieses Jahr nochmals an Relevanz gewonnen. Die Deutsche Bank hatte zuletzt ihren Marktanteil ausgebaut, sieht sich jetzt aber größerem Druck der Aufseher ausgesetzt. Diese drängen zur Vorsicht im Bereich Leveraged Finance.

Sewing braucht jedoch die Gewinne aus dem Bereich, um seine Ziele für den Vierjahresplan zu erreichen, der 2022 endet. Der Manager hatte für dieses Jahr stabile Beiträge des Investment Bankings in Aussicht gestellt, obschon der Handel an Dynamik nachlässt. Als Folge müssen andere Bereiche mehr liefern.

Vielzahl neuer Herausforderungen

Mit Leveraged Loans hatte die Deutsche Bank letztes Jahr mehr als 300 Millionen Dollar (252 Millionen Euro) an Erträgen generiert, etwa mit dem 23-Milliarden-Dollar-Kredit an T-Mobile US für den Kauf des Rivalen Sprint. Dieses Jahr kletterte die Deutsche Bank in den USA bislang auf Rang sieben bei Leveraged Loans, nach Platz zehn im letzten Jahr, so von Bloomberg ausgewertete Daten. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika reichte es gar für Rang 3, ein Platz höher als 2020.

Kreditrisiken zu managen gehört zu den Dingen, derer sich die Deutsche Bank rühmt. Nach den pandemiebedingten Rücklagen hat die Bank nun weniger Geld beiseite gelegt für zweifelhafte Kredite. Den Kollaps von Archegos Capital Management überstand die Bank unbeschadet.

Gleichzeitig gilt es, eine Vielzahl neuer Herausforderungen durch die Aufsicht zu meistern. Die Bafin erweiterte im April das Mandat ihrer Geldwäsche-Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank. Die Fed verwarnte die Bank wegen anhaltender Versäumnisse im Bereich Compliance. Eine interne Untersuchung zu Derivaten in Spanien läuft noch und Chief Risk Officer Stuart Lewis sieht sich einer Untersuchung ausgesetzt bezüglich seiner Rolle zum Steuerskandal um das Thema Cum-Ex.

Die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden zu verbessern hat für Sewing Priorität, nachdem sich diese jahrelang verschlechtert hatten. Doch der Fokus der EZB auf Leveraged Loans ist für ihn ein neues Dilemma: Sich fügen und die Risiken senken heißt, einen Bereich zu beschneiden, den er zur Erreichung einiger seiner Ziele braucht. Gegenwehr könnte die Geschäfte für die Bank auch anderswo teurer machen und Sewing auf Konfrontationskurs mit einer wichtigen Institution bringen.

Die EZB hat „klare Erwartungen“ kommuniziert bezüglich der Leveraged Loans an die Banken in ihrem Aufsichtsbereich, sagte letzte Woche Andrea Enria, der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank auf einer Konferenz. Dennoch habe die EZB nicht genügend Reaktionen gesehen, sagte er mit Bezug auf die gesamte Branche.

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