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Aldis Anastacia, Lidls Heidi, Tchibos Helene Die Schlacht um die Billig-Mode

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Und immer wieder Amazon

Und nun noch Amazon. Bislang begnügte sich der Online-Versender damit, Mode selbst zu verkaufen oder Händlern im Marketplace die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Während das Unternehmen unter Jeff Bezos zwar schon länger Eigenmarken für Batterien oder Technikgegenstände verwendet, tastet sich das Unternehmen erst langsam in die Modebranche.

Acht Marken sind in den USA bereits eingeführt, seit Anfang September bewirbt Amazon auf hochwertigen Plakaten seine neue Marke find. „Die klassische Werbung ist ein ungewöhnlicher Schritt“, sagt Dirk Boventer von der Strategieberatung Atreus, aber zeige die Herausforderung für den Online-Versender.

„Amazon muss zunächst mal die Marke einführen“, sagt Boventer. Modisch setzen sie nicht auf althergebrachte Formate und sind auf der Höhe der Zeit mit ihrer Linie, bei der Blusen die Schulter frei legen, dem sogenannten Shoulder Cut.

Den großen Unterschied zum stationären Handel – die fehlende Möglichkeit der Anprobe vor Ort – und das Schaffen einer Shoppingatmosphäre müsse Amazon bewältigen. Ein Teil der Lösung ist in Amerika bereits zu sehen: Amazon wardrobe (Kleiderschrank). Der Kunde bekommt die Ware zur Anprobe nach Hause geschickt und behält lediglich die passenden Stücke. Großzügigkeit mit den Retouren ist jedoch eines der größten Probleme des Modeversenders Zalando. Zudem fehlt bei den meisten bisherigen Mode-Onlinehändlern die Beratung, die viele Menschen wertschätzen.

Tchibo setzt auf Verknüpfung von Online- und Offline-Handel

Deshalb gilt das kuratierte Shopping via Internet zu den größten Hoffnungen von Investoren. Laut Medienberichten prüft das 2011 gegründete Unternehmen Stitch fix einen Börsengang. Stitch fix bietet Kunden in den USA nach einer Abfrage der Vorlieben verschiedene Abos an. Monatlich oder seltener werden dann neue zusammenpassende Kleidungsstücke zugeschickt, die der Kunde anprobieren und notfalls wieder zurücksendet.

Der deutsche Händler Tchibo setzt bei seinen Kleidungslinien auf seine eigene Multichannel-Strategie. Kleidung kann in den Filialen in der Regel anprobiert werden. Nicht nur die, die dort hängt, sondern auch die, die der Kunde sich online bestellt und in die Filiale schicken lässt, wo er vor Ort entscheiden kann, ob er sie mitnimmt oder dort lässt.

Da die Discounter Aktionen nach Themen und nicht permanent ein Vollsortiment anbieten, sind sie nach Ansicht von Boventer anders aufgestellt als Amazon und Stitch fix. Mehr Sorgen müssten sich die H&Ms, Zaras und Esprits der Textilbranche machen: „Das sind die Wettbewerber in dem mittleren Segment, auf die Amazons Marke find zielt“, sagt Boventer. Aldi und Co können da eher beruhigt zuschauen.

So beruhigt, wie am Ende des Konzerts von Anastacia im Admiralspalast der Rezensent war – die Sängerin hatte inzwischen ein schwarzes Spitzenkleid und zu guter Letzt ein Catsuit an. Und die sind gerade wieder in Mode.

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