WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin Menschen müssen sich Luxus wünschen

Die Exporte der Schweizer Luxusuhrenindustrie leiden. Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin erklärt, wieso der drittgrößte Schmuckproduzent ausgerechnet auf mechanische Uhren setzt.

Bulgaris CEO Jean-Christophe Babin vor dem Londoner Flagshipstore. Quelle: REUTERS

Herr Babin, die Exporte der Schweizer Luxusuhrenindustrie schwächeln. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt präsentiert Bulgari hochwertige mechanische Uhren. Schlechtes Timing?
Schmuck und Juwelen haben einen verlässlichen Markt. Einschneidende Ereignisse wie Verlobung und Hochzeit werden mit Schmuck zelebriert. Und egal, ob es eine ökonomische Blase gibt oder nicht, diese Konstante bleibt. Von dieser Beständigkeit im Leben der Menschen profitiert der Uhrenmarkt weniger. Es wird vielleicht noch eine Uhr zum Abschluss des Studiums verschenkt, aber das ist nicht so tradiert. Und das große Post-Lehman-Wachstum der Uhrenbranche rund um 2011 war hauptsächlich dem chinesischen Markt zu verdanken. Als nun die Antikorruptionsgesetze in China griffen, war der Markt für teure Luxusuhren massiv in Bedrängnis.

Diese Lage hat sich nicht geändert. Was ist nun besser für Bulgari, dass es diese Investitionen rechtfertigt?

Ein weiterer Teil der Antwort auf die Frage nach den Problemen der Luxusuhren-Industrie ist sicher, dass es in der Phase zu viele Marken gab, die sich auf kosmetische Veränderungen beschränkt haben. Sie benötigen aber in der Luxusindustrie Innnovationen. Sie müssen das Begehren ständig neu entfachen. Sie können ein ganzes Leben ohne so ein Produkt leben. Die Kunden müssen sie sich wünschen. Marken wie wir konkurrieren nicht allein mit den anderen Schmuck- und Uhrenherstellern – unsere Kunden entscheiden vielleicht zwischen einer Woche Malediven oder einem Schmuckstück. Wir konkurrieren mit allen Produkten und Dienstleistungen, die sich um verfügbares Einkommen bewerben. Das wird sich noch intensivieren.

Bulgari

Stichwort Innovation - Verschläft die Luxusuhrenindustrie den Trend Smartwatches? Ihre Vorstellung der „Intelligent Watch“ ist schon etwas her, die Uhr aber immer noch nicht erhältlich.

Es ist keine typische Smartwatch, sondern eine klassische mechanische Uhr mit einem NFC-Chip, der ihnen unter anderem in Zusammenarbeit mit unserem Partner WiseKey erlaubt, Passwörter zu speichern. Sie sind nicht auf der Uhr, sondern auf Servern des Unternehmens gespeichert und nur mit der Uhr und dem Chip können sie diese Daten auf der App ihres Telefons abrufen. Wir wollten sie mit einem Bezahlmodul ausstatten und hatten ein Kooperation mit Mastercard. Das Problem ist: Stand heute ist kein Zahlungsmittel global umfassend einsetzbar. Wenn sie sich eine Uhr von Bulgari kaufen, sich auf das Zahlungsmittel per NFC-Chip ihrer Uhr verlassen, dann wollen sie nicht irgendwo in der Welt stehen und feststellen, dass das nicht klappt, die Kunden würden nicht die Banken, sondern Bulgari dafür verantwortlich machen. Dass das klappt müssen wir sicherstellen, bevor wir die Uhr auf den Markt bringen können. Ich rechne damit, dass ein globales Bezahlsystem, das unseren Ansprüchen gerecht wird, noch zwei bis drei Jahre benötigen wird.

Abkehr vom Kerngeschäft?

Mehr denn je ist unser Fokus Schmuck, sowohl bei kreativen wie finanziellen Ressourcen. Da kommen wir her, das ist unsere DNA. Da sehen wir langfristig das größte Potential. Wir sind Nummer drei im Weltmarkt. Wir kommen der Nummer 2 näher und näher. Und neben dem Wettbewerb mit den anderen Marken rechnen wir fest damit, dass der Markt mit Schmuck und Juwelen das größte Potential haben wird.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%