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Design "Deutsch, pur, aber mit sexy Optik"

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"Schönheit ist relativ"

Wir werten das mal positiv.
Esslinger: Dieses Ethikthema hinterlässt mich ratlos. Gesegnet sind, die reinen Herzens sind, das ist ja der deutsche Ansatz. Die meisten Menschen sind dann aber doch in der ständigen Versuchung, sich unter dieser Prämisse selbst zu betrügen. Wenn sie diesen ganzen Ansatz also einfach weglassen, sind sie schon einmal freier. Aber natürlich ist ein Designer ein Multitalent: 30 Prozent sind auf jeden Fall Technik. Ich habe das ja auch studiert, allerdings ohne Erfolg.

So sieht gute Architektur aus
Außenansicht Schmuttertal-Gymnasium Diedorf. Quelle: Stefan Müller-Naumann
Innenhof Schmuttertal-Gymnasium Diedorf. Quelle: Stefan Müller-Naumann
Aula Schmuttertal-Gymnasium Diedorf von der Bühne aus fotografiert. Quelle: Stefan Müller-Naumann
Schmuttertal-Gymnasium Diedorf Innenansicht. Quelle: Stefan Müller-Naumann
Außenansicht des "Bremer Punkts". Quelle: Fotoetage/Nikolai Wolff
Altes Hafenamt Hamburg Quelle: Christian Richter
Bremer Landesbank Quelle: Héléne Binet

Wagener: Trotzdem ist aus dir ja was geworden.

Esslinger: Zu viel Wissen schadet auch. Ich war ja mal Offizier, das hat ebenfalls sehr geholfen. Wenn Sie im Alter von 20 vor einer Gruppe Menschen stehen, merken Sie: Wenn Sie nur brüllen, tut sich nichts. Und Sie brauchen Kunst und vor allem auch ein Geschäftsmodell. Das ist ganz wichtig. Wenn Sie nichts verkaufen, ist alles umsonst. Und so addieren sich viele Halbtalente zu etwas Ganzem.

Wagener: Du saugst als Designer die Summe voller Leben ein. Aus all diesen Eindrücken bekommst du dann das richtige Gefühl für die richtige Entscheidung. Das kannst du nicht bekommen, wenn du glaubst, 1+1 sei 2.

Esslinger: Genau, 1+1 ist 11!

Aber finden Sie es wirklich sinnvoll, wenn etwa Google seinem Auto bewusst ein niedliches Design gibt, damit keiner Angst vor einer unausgereiften Technik hat?
Wagener: Das Google-Auto ist keine Designikone. Das haben die sicher bewusst so gestaltet, damit die Leute keine Angst haben.

Und das ist gut?
Wagener: Nein. Die haben ein Kindchenschema gewählt, damit es niedlich aussieht.

Esslinger: Design ist auch Kommunikation. Die Aufgabe ist schon, Produkte durch das Design auf eine andere Ebene zu kriegen. Ikonen zu schaffen. Die Leute müssen sich mit deinem Produkt glücklich fühlen. Ethik ist Teil davon, kann aber nicht alles sein. Am Ende brauchen Sie auch gesunden Egoismus. Wenn ich mich jedem anpasse, wird es überhaupt nichts.

Herr Esslinger, Sie haben sich schon 1998 über die Zukunft des E-Autos ausgelassen. Sie sagten, dass die ganz anders als herkömmliche Autos aussehen müssen. Und dann entstanden lauter hässliche Elektroautos, die niemand wollte. Haben Sie sich geirrt?
Esslinger: Schönheit ist relativ.

Wagener: Natürlich gab es am Anfang seltsame E-Autos. Eigentlich stehen wir jetzt erst wirklich am Anfang der Elektrooffensive. Da wird es auch Designs geben, die anders aussehen.

Wie sinnlich wird es denn?
Esslinger: Ich glaube, dass das E-Auto wieder in die Urform der Mobilität geht. Vorne Räder, hinten Räder, in der Mitte eine Box. Wir haben im Moment die Limitierung durch den Motor. Fällt der weg, gibt es mehr Freiheit.

Der erste Daimler sah so aus.
Wagener: Es kommt alles wieder.

Esslinger: Das ist das Geheimnis von Designkultur. Zukunft braucht Herkunft. Wir können nicht alles auf einen Schlag ändern, sondern müssen Dinge auch fortentwickeln.

Die nächsten Mercedes sehen also aus wie Kutschen?
Wagener: In gewissem Maße womöglich. Das Prinzip ist, den Raum zwischen den Achsen zu strecken und die Räder weit außen zu platzieren. Aber ohne Pferde.

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