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Design Schön auf dem Teppich

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„Über einen Teppich zu laufen sollte sich gut anfühlen“

Weil der deutsche Kunde im Einrichtungssegment vor allem markenorientiert einkauft, hat Kath sich recht früh mit der eigenen Imagebildung befasst und in eindrucksvolle Fotoshootings investiert, die seine Teppiche stilbildend in Szene setzten – etwa eine Katalogproduktion in der Essener Zeche Zollverein, die seine Teppiche inszeniert wie Mode. „Branding ist dem Konsumenten wichtig“, sagt der 46-jährige Bochumer. Heute werden Kaths Werke von prominenten Kunden aus aller Welt gekauft, etwa vom Fürstenpaar aus Monaco und von Bill Clinton. Sogar der Papst soll einen Teppich von ihm besitzen.

Dabei verkauft Kath noch immer jedes dritte Exemplar nach Deutschland. „Der Markt hierzulande ist traditionell der stärkste für uns“, sagt Kath. Auch der arabische Raum und Russland seien wichtig, wobei seine Teppiche nach dem Einbruch des Rubel in Russland leider doppelt so teuer geworden seien. Dass seine Modelle so viel kosten, sieht Kath pragmatisch. „Viele Menschen haben bei Teppichen zunächst nur einen visuellen Eindruck im Kopf, aber es geht auch um ein Sinneserlebnis“, sagt Kath. „Über einen Teppich zu laufen sollte sich gut anfühlen.“ Wichtig sei deshalb vor allem Qualität. Kath verwendet handgesponnene Garne anstatt maschinengesponnene Wolle. „Natürlich steigt dadurch auch der Preis unserer Produkte, aber was bringt es denn, sich alle vier Jahre neu einzurichten, anstatt einmal hochwertig, aber dafür langfristig?“

Kath will mit seinen Teppichen „Collectibels of Tomorrow“ schaffen, Erbstücke für die nächste Generation. Steuern lässt sich dieser Wunsch aber nur bedingt: Weil sich jede Generation grundsätzlich von der vorigen abgrenzen will und sich das vor allem im Wohnbereich verdeutlichen lässt, werden deutsche Auktionshäuser derzeit von Biedermeiermöbeln geschwemmt, einst der Inbegriff des Bildungsbürgertums. Menschen, die diese Möbel von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben, wollen sie nach Haushaltsauflösungen offensichtlich ganz schnell wieder loswerden. Ob dieses Schicksal eines Tages auch den Teppichen widerfährt? Für solche pessimistischen Gedanken sind die Teppichdesigner, die in den vergangenen Jahren in Deutschland ihre Firmen gegründet haben, derzeit zu beschäftigt.

Teurer Boden: Jan Kath ist der Star der deutschen Teppichdesigner. Sein Kirman Robson Sidekick kostet 2300 Euro - pro Quadratmeter Quelle: PR

Da wäre zum Beispiel Jürgen Dahlmanns, neben Kath der einflussreichste deutsche Teppichdesigner, der am Niederrhein aufgewachsen ist und in Berlin Architektur studierte. 2002 rief er das Berliner Label Rug-Star ins Leben und entwarf als einer der ersten Deutschen für den Möbelriesen Ikea. Einige seiner Teppiche sehen denen Kaths recht ähnlich, preislich unterscheiden sie sich ebenfalls nur marginal. Auch Dahlmanns will klassische Perserteppiche mit modernen Elementen versehen, aber er schafft auch neue und erfrischende Muster – etwa mit Schmetterlingen und bunten Heuschrecken.

Symbol der Behaglichkeit

Eine weitere interessante Gründung in der Szene ist The Knots. Katrin ten Eikelder, 33 Jahre alt und gebürtige Kölnerin, hat früher im Business-Development bei Hugo Boss gearbeitet und verkauft seit 2014 von Berlin aus bunt eingefärbte Vintage-Orientteppiche, die bereits ab 500 Euro zu haben sind – mit zunehmendem Erfolg. Ihre Produzenten kennt sie alle persönlich, sagt ten Eikelder. „Mein Ziel ist es, langlebige Produkte zu schaffen.“ Der Anspruch, nachhaltig zu produzieren und auf faire Arbeitsbedingungen zu achten – auch das scheint in der aktuellen Teppichproduktion eine wichtige Rolle zu spielen. Ein Lebensstil und ein Bewusstsein, das dem aktuellen Zeitgeist entspricht – und das sich der Kunde mit der Einrichtung guten Gewissens in die Wohnung holen will.

Auch international gefragte Gestalter kreierten in den vergangenen Jahren besondere Teppiche: Die spanische Stardesignerin Patricia Urquiola hat 2014 Teppiche in Patchworkoptik für die Möbelmarke Gandia Blasco entworfen, das Label Nanimarquina aus Barcelona lässt regelmäßig prominente Modedesigner Teppiche für die eigene Linie produzieren – und beweist, wie gut Tradition und Stil zusammenpassen.

Vielleicht ist der Grund für die Beliebtheit des Teppichs ja auch dieser: Je düsterer es in der Welt zugeht, desto eher zieht es die Menschen in ihre eigenen vier Wände – und desto gemütlicher wollen sie es dort haben. Der Teppich als Symbol für die eigens geschaffene Behaglichkeit? Denkbar. Oder wie es Jan Kath formuliert: „Wenn ich Ihnen heute einen Teppich in die Wohnung lege und in zwei Tagen unvermittelt wieder wegnehme, wird sich das nicht gut anfühlen.“

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