Frost und Hagel zerstörten Trauben "Kleinste Weinernte seit dem Jahr 2000"

Für die deutschen Winzer geht ein turbulentes Jahr zu Ende. In den meisten Anbaugebieten ist die Ernte bereits zum größten Teil in den Fässern - ungewöhnlich früh. Da auch europaweit weniger Trauben geerntet wurden, könnten die Preise anziehen.

Durch Hagel und Frost nahmen viele Trauben in den deutschen Weinbaugebieten Schaden. Quelle: dpa

Es waren keine schönen Szenen, die Dirk Würtz Anfang August in Videos zeigte. Zwei Tage nach einem starken Hagelniederschlag filmte der Betriebsleiter des Rheingauer Weinguts Balthasar Ress Trauben. Die eine Seite zeigt gesunde Weintrauben, die zur Hagelseite gewachsene grünbraune, zerstörte Einzeltrauben. Wenn es trocken bliebe, so der Winzer in seinem Video, wäre es noch kein Drama. Bliebe es jedoch feuchtwarm, könnten die Trauben verfaulen - und man stünde kurz vor einem Desaster. Der Weinkritiker Stuart Pigott kommentierte das Filmmaterial so: "Das sieht ziemlich schrecklich aus."

Das Deutsche Weininstitut in Bodenheim bei Mainz fasst die Lage des Jahrgangs für alle Anbaugebiete nüchterner zusammen: Der Weinjahrgang 2017 zeichne sich durch eine geringe Erntemenge und gute bis sehr gute Qualitäten aus. Die Hauptlese sei in vielen Anbaugebieten bereits beendet, sagte Institutssprecher Ernst Büscher. „Das ist sehr außergewöhnlich.“ Noch gelesen wird vor allem an der Mosel und im Rheingau, wo der Riesling dominiert.

Das Wetter hat es 2017 in vielen Anbaugebieten den Weinbauern erneut schwer gemacht. Gleich zu Beginn ließen späte Fröste teilweise die ausgetriebenen Blüten absterben. Der Winzer Matthias Knebel aus Winningen an der Mosel hatte es Ende April mit unerwarteten Minusgraden zu tun. Europaweit war bereits vergangenes Jahr das Frühjahr teils eisig, die Winzer heizten mit Gasfeuern die Weinberge auf. Oft vergeblich.

Was fehlt: Die Menge. Sie wird in allen Weinanbaugebiete in Deutschland vorläufig auf 7,5 Millionen Hektoliter geschätzt. Das wären 18 Prozent weniger als im vergangenen Jahr und auch 18 Prozent weniger als im langjährigen Mittel, erklärte Büscher. Er erwartet, dass sich die Preise wegen des Ernterückgangs „wahrscheinlich etwas nach oben entwickeln“. Da es noch Reserven aus früheren Jahrgängen gebe und der Markt nur eine begrenzte Anpassung zulasse, werde der Anstieg gemäßigt ausfallen.

In Rheinhessen kamen schätzungsweise 1,8 Millionen Hektoliter Wein in die Fässer (minus 20 Prozent), in der Pfalz waren es etwa zwei Millionen Hektoliter (minus 19 Prozent). Höher fiel der Rückgang an der Mosel aus, wo mit einem Verlust von 25 Prozent gerechnet wird - dort hatte sich im September der Nebel sehr lange im Tal gehalten, so dass die Trauben schnell reingeholt werden mussten.

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Im Rheingau gelangten etwa 180.000 Hektoliter aus den Weinbergen ins Fass, 18 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Im kleinsten deutschen Weinanbaugebiet, der Hessischen Bergstraße, gab es ebenfalls ein Minus um 17 Prozent auf 25.000 Hektoliter.

Die Württemberger Winzer mussten wegen großer Frostschäden ebenfalls einen Mengenrückgang von etwa 20 Prozent hinnehmen. Nur im Osten blieben die Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen von schlechtem Wetter verschont und konnten die Erntemenge um 30 Prozent steigern.

„Es war ein sehr turbulentes Jahr für die Winzer“, sagte Büscher. Der September begann vielfach kühl und regnerisch, was die Lese noch einmal beschleunigte: „Die Winzer wollten so gesundes Lesegut wie möglich ernten.“

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Für einen Qualitätsschub sorgten vielfach die letzten Septemberwochen mit viel Sonne. „Durch die frühe Reife sind die Mostgewichte und Qualitäten durchaus gut bis sehr gut“, sagte Bücher. Auch die Rotweine seien gut gelungen.

Die Mitglieder der Winzergenossenschaft Weingebiet in Neustadt an der Weinstraße haben ihre Weinlese auch schon beendet. „So früh waren wir noch nie fertig“, sagte ein Sprecher. „Wozu wir sonst 30 Erntetage brauchten, haben wir diesmal in 20 geschafft.“ Bei etwas geringerer Menge sei die Qualität sehr gut ausgefallen.

Die deutschen Winzer stehen mit dem Ernterückgang nicht allein da. „Europaweit scheint sich in diesem Jahr die kleinste Ernte seit 2000 abzuzeichnen“, sagte Büscher. Mit 146 Millionen Hektolitern werde die europaweite Menge um 14 Prozent schlechter ausfallen als 2016. Der Rückgang in Italien von 11 und in Frankreich von 8,4 Millionen Hektolitern sei jeweils größer als der Gesamtertrag deutscher Winzer.

Auch die Winzer Würtz und Knebel haben die Schrecken des Jahres verdaut. Das, was sie dieser Tage von den Reben ernten, ist vielleicht weniger, aber gesund. Bilder und Videos von reifen, gesunden Trauben, die sie mit Freude zeigen.

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