Gartenmöbel Die Aufwertung der Terrasse

Billige Baumarktmöbel gehören endgültig auf den Sperrmüll: Inzwischen geht es auch auf Terrassen und Balkons luxuriös zu.

Draußen ist das neue Drinnen
Wetterfest: Die Sitzfläche des Sessels Neutra (ab 1500 Euro) von Tribù ist aus Kunstleder. Quelle: Presse
Karibik-Flair: Der Stuhl Caribe von Ames (599 Euro), inspiriert von kolumbianischer Webtechnik. Quelle: Presse
Tiefer gelegt: Die Sofainsel Canasta von B&B Italia kostet etwa 3500 Euro. Quelle: Presse
Endlich frei: Die Linie Work is Over von Moroso. Quelle: Presse
Für Sitzenbleiber: Der Shadowy Chair des niederländischen Designers Tord Boontje kostet ab 1547 Euro. Quelle: Presse
Das Korbgeflecht ist eines der ältesten Verfahren, Sitzflächen zu erstellen. Der Hersteller B&B gönnt diesem Modell namens Crinoline eine mehr als ausreichende Rückenlehne. Quelle: Presse
Kubisch, praktisch, wetterfest. Dedon, bekannt für seine wetterfeste Kunststoffe hat mit dem Brixx ein aufs Minimalste reduzierte Loungemöbel gestaltet. Warum jemand allerdings den Blick aufs Wasser schmähen wollen würde, bleibt ein Rätsel der Werbefotografie. Quelle: Presse

Was tun Künstler nicht alles, um auf neue Ideen zu kommen. Sebastian Herkner zum Beispiel flog im Oktober 2015 von seiner Heimat Offenbach nach Kolumbien. Wochenlang reiste er durchs Land, sprach mit Handwerkern und besuchte kleine Betriebe.

Der Hesse, einer der international gefragtesten Produktdesigner, sollte für die deutsche Designmarke Ames eine neue Kollektion entwerfen.

Die Reise lohnte sich – denn dabei entstand unter anderem die Möbelreihe Caribe, für die sich Herkner von kolumbianischer Webtechnik inspirieren ließ. Doch die exquisiten Stühle, Tische und Sitzbänke sollen keine Wohnzimmer verschönern – sondern Gärten und Terrassen.

Früher war die Hierarchie bei der Einrichtung klar. Möbel mit hochwertigen Materialien und ausgeklügelten Formen gehörten in den Innenraum. Der Eames-Lounge-Chair thronte vor dem Bücherregal, den Esstisch umzingelten Arne-Jacobsen-Stühle, vor dem Fernseher stand ein Minotti-Sofa. Dagegen ging es im Garten spartanischer zu.

So wurde ein schlichter Stuhl aus weißem Kunststoff zum weltweiten Massenphänomen – der Monobloc stand in deutschen Schrebergärten, südeuropäischen Cafés oder afrikanischen Straßenrestaurants. Sicher, das Möbel ist günstig und robust, doch mit gestalterischen Qualitäten konnte es nie punkten. Musste es aber auch nicht. „Gartenmöbel wurden früher eher funktional gesehen“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Doch in den vergangenen Jahren hat sich außerhalb der eigenen vier Wände viel getan – und das hat auch architektonische Gründe. Mittlerweile haben 60 Prozent aller deutschen Wohnungen eigene Balkons, ein Höchstwert nach Jahren kontinuierlicher Nachrüstung – Tendenz steigend.

Design vom Feinsten – die besten der Besten
Feuerlöscher Saviore von SPL Design Ob im Falle eines Brandes jeder in diesen bunten Zylindern den möglicherweise lebensrettenden Feuerlöscher erkennt - das sei dahingestellt. Die Jury freute sich über die wohnraumfreundliche Gestaltung und Fixierung per Magnetismus. Quelle: action press
Waschmaschine W4086C.W von Asko Appliance ABDie Maschine drücke einen eleganten Minimalismus aus, der für skandinavisches Design und Denkweise typisch ist, lobt die Jury. Gut ansprechende Tasten und ein exakter Drehknopf geben angenehmes Feedback, schreiben sie weiter. Nur Wäsche aufhängen, das macht sie nicht. Quelle: PR
Spültisch mit Wasserhahn C71 von hansgrohe Die Steuerung rückt für mehr Komfort an den vorderen rechten Spülenrand. Durch Neigen und Drehen stellt man Wassertemperatur und -menge präzise ein. Einmal voreingestellt lässt sich die Armatur dann per Knopfdruck über den Select-Knopf am hohen Auslauf starten und stoppen, Bei beiden Bedienvarianten klappt die Wassersteuerung auch mit dem Handrücken oder Ellenbogen, etwa bei verschmutzten Händen. Quelle: PR
Kochfeld mit Dunstabzug von BoraZur Seite weg statt oben eingesogen - das ist Boras Technik. Das neue Kochfeld wurde unter der Prämisse entwickelt, Einfachheit, Funktionalität und beste Performance in einem elektronisch gesteuerten System zu vereinen. Herzstück der Revolution 2.0 ist das User Interface – die Kochfelder und der Kochfeldabzug kommunizieren miteinander. Quelle: PR
Mikrowellengeschirr MicroPro Series Grill von Tupperware Diese Innovation soll eine Antwort auf die steigende Nachfrage nach einfachem, schnellem und gesundem Kochen sein. Der Edelstahl-Behälter und der Deckel werden durch darin befindliche Heizelemente aufgeheizt, sodass Lebensmittel von oben und unten gleichzeitig gegrillt werden. Die Heizelemente wandeln Mikrowellen in Hitze um, sodass eine gleichmäßige Bräunung der Lebensmittel entsteht. Im Behälter befindet sich eine Rille, die überschüssiges Fett sammelt. Dank der Eterna®-Antihaftbeschichtung im Behälter und der Innenseite des Deckels haften Speisen nicht an und das Produkt lässt sich leicht reinigen. Quelle: PR
Holzkohlegrill HUB von ShriroIn Australien ist Barbecue Teil des täglichen Lebens, von dort stammt dieser Holzkohlegrill. Kohle? Ja, aber - denn mit einem integrierten elektrischen Element können Benutzer ihre Holzkohle bei der richtigen Kochtemperatur in nur 10 Minuten zum Glühen bringen. Dank der patentierten Rotiscope Technology können für große Parties die Nutzer schnell eine authentische kommerzielle Rotisserie zum Kochen in verschiedenen Höhen einrichten. Die Cliplock Forks halten alles, vom Huhn bis zum Spanferkel, während sie sich drehen, angetrieben von einem dezenten Motor, der im Körper des Grills verstaut ist. Quelle: PR
Heimtrainer Yesoul Smart CyclingDer Bike-Kopf integriert einen 19,5-Zoll-Smart-Touchscreen mit der eigenen App. Zu sehen ist das Live-Streaming vom Coach, Kurse on Demand und die Verwaltung von Trainingsdaten. Die Benutzer sind so in der Lage, zu Hause Echtzeit-Anleitungen zu bekommen. Der

Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH) gaben die Deutschen im Jahr 2015 1,3 Milliarden Euro für Garten- und Balkonmöbel aus – ein neuer Rekord. Eingerechnet sind da noch keine Accessoires wie freilufttaugliche Leuchten, Teppiche, Mobilküchen oder Grills: Marktsegmente, die ebenso starke Umsatzzuwächse erlebten wie Gärtnereien.

Im europaweiten Vergleich machen Frankreich und Italien zwar am meisten Umsatz mit Gartenmöbeln. Doch sie haben einen natürlichen Vorteil: Das Wetter in jenen Ländern ist besser, der Sommer länger. Trotzdem bleibt IFH-Consultant Christian Lerch auch für Deutschland optimistisch: „Wir rechnen weiterhin mit steigenden Umsätzen.“ Den Raum im Freien schön einzurichten ist auch hierzulande keine Nische mehr, sondern längst ein Massenphänomen.

Draußen ist das neue Drinnen

Kein Wunder, dass damit auch das Bedürfnis nach Distinktion steigt. Wer möchte schon auf denselben Möbeln Platz nehmen wie der Nachbar? Hinzu kommt: Wie ein Wohnzimmer eingerichtet ist, sehen meistens nur die Bewohner. Was hingegen im Garten oder auf der Terrasse steht, ist oft für Nachbarn und Passanten sichtbar. Der Außenraum wird zur Visitenkarte für den persönlichen Einrichtungsgeschmack.

Besonders deutlich wird die Abkehr vom Monobloc mit Möbelstücken zelebriert, die bislang eher selten draußen standen. Die Hersteller von Sofas und Sesseln haben viel Zeit und Energie in die Entwicklung wasserabweisender Stoffe und Polster gesteckt, die sich genauso angenehm anfühlen wie ihre Pendants für den Innenraum. Diese Entwicklung forcieren nicht nur traditionelle Gartenmöbelanbieter wie Fermob, sondern ebenso etablierte Designmöbelmarken wie B&B Italia, Cassina oder Minotti.

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