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Hermès "Die verrückten Zeiten der Luxusbranche sind vorbei"

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Pariser Kreativität und Schweizer Uhrmacherkunst

Was unterscheidet Ihre Uhren von denen klassischer Hersteller?
Wir sind ein Pariser Traditionsunternehmen. Unsere Wurzeln liegen nicht in der Uhrmacherei. Unsere Vorstellung von sehr freier Kreativität wollen wir in die Uhrenbranche einbringen. Das ist unsere Stärke. Die Gewerke, die in unseren Werkstätten pflegen, wollen wir in den Uhren zusammenbringen. Schweizer High-End-Uhrmacherei trifft auf Pariser Ideen. Wir zielen dabei nicht auf bestimmte Kundengruppen ab. Uns ist die Freiheit der Kreativität wichtig, das zeigen wir.

Hermès betont gern die hohe Kunstfertigkeit in den verschiedenen Handwerken von Leder bis Seide. Sie produzieren Gehäuse, Zifferblätter und Armbänder, was für viele Uhrenmarken nur in zweiter Reihe wichtig ist. Wollen sie mit komplizierten Uhren auch da Maßstäbe setzen, die bislang die Spezialisten für sich beanspruchen?
Vertikale Integration pflegen wir seit den 70er Jahren in all unseren Aktivitäten vielleicht mit Ausnahme der Mode. Heute haben wir alleine rund 2900 Mitarbeiter, die mit unseren Lederarbeiten betraut sind. Und das machen wir auch so mit den Uhren. Seit den Anfängen in den 70ern sind alle Uhren 100 Prozent Swiss Made. Für uns ist das zwingend. Wenn es um mechanische Uhrwerke geht, verlassen wir uns hauptsächlich auf die Werke von Vaucher.

Hermès-Vorstand Guillaume de Seynes Quelle: PR

Wie wichtig ist es Ihnen, regelmäßig Innovationen im Uhrenbau zu präsentieren?
Wir arbeiten natürlich an weiteren Werken. Aber auch das tun wir – wie alles bei Hermès – Schritt für Schritt. Wir arbeiten dafür mit zahlreichen unabhängigen Uhrmachern zusammen, wie zum Beispiel Jean-Marc Wiederrecht, die ihre Kreativität mitbringen.

Sind sie gezwungen, besonders aberwitzige Lösungen zu zeigen?
Wir mögen unsere Modelle, die einen eher unkonventionellen Ansatz in der Zeitanzeige pflegen. Aber wir sind auch stolz auf die Uhren mit Quarzwerken in unserer Kollektion. Wir sehen da keinen Widerspruch. Wir haben eine Bandbreite an Produkten. Mein Großvater sagte immer, dass unsere Produkte nicht teuer seien, sondern kostspielig sind. Das heißt: Hinter dem Preis steckt der Aufwand. Und ein Quarzwerk kostet einen Bruchteil eines mechanischen Uhrwerks. Das weiß jeder und unsere Kollektion spiegelt das wider.

Niemand erwartet von Ihnen die aufwändigsten Uhrwerke, viele haben Sympathie für Uhren, die spielerisch mit der Zeitanzeige umgehen. Sie genießen die Position zwischen den Stühlen?
Wir haben uns das Know-how als Uhrenmacher über Jahre hinweg erarbeitet. Als ich vor 15 Jahren diese Strategie begann, war die Idee, dass Hermès in jeder Kategorie die Mischung ist aus dem besten Handwerk und der grenzenlosen Kreativität. Und bei Uhren könnten wir nicht behaupten, das beste Handwerk zu pflegen, wenn wir nur Quarzwerke anböten.

Werden Sie mit Apple auch weiterhin kooperieren und Armbänder für die Apple Watch anbieten?
Apple ist ein eigenes Thema. Wir sind sicher das einzige Luxusunternehmen, dass die Apple Watch nicht abgetan, sondern sich ihr genähert hat. Es ist auch in der Tat in der Geschichte von Hermès das erste Produkt mit Co-Branding. Wir machen das nur sehr selektiv.

Keine Autos oder Boote „by Hermès“?
Nein, das wird niemals passieren. Das passt nicht zu uns. Aber die Apple Watch mit unseren Armbändern ist eben eine besondere, die nur in einigen Applestores und einigen Boutiquen erhältlich ist. Das großartige an dem Projekt war, dass es jeden überrascht hat. Das mögen wir. Vielleicht hat es auch bei dem ein oder anderen dazu geführt, dass er darüber nachdenkt, wofür die Marken stehen.

Warum kooperieren Sie nicht mit anderen Unternehmen und statten Autos mit Lederausstattung aus?
Wir machen das und die Abteilung heißt Hermès Horizons. Nur binden wir uns nicht an einen Hersteller, sondern wenden bei diesen Projekten die Expertise unserer Handwerker an das Auto an, das der Kunde zu uns bringt.

Wenn ich meinen Rolls-Royce mit Ihrer Lederarbeit haben möchte, muss ich ihnen das komplette Auto vorbeibringen?
So ist es. Es ist eine kleine Abteilung, die ausschließlich Maßanfertigung macht.
Für alle Produkte?
Ja, von Autointerieur über Hubschrauber bis zu Yachten. Oder auch nur einen Aufzug.

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