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Immobilienboom Häuser werden Marken: „Fünf Freunde“ und „Lady Di's love affair“

Schöner wohnen - wenigstens dem Namen nach. Bauherren setzen auf immer mehr Wortgeklingel beim Immobilienverkauf. Quelle: dpa

Nicht nur Beton, auch Inspiration – das brauchen Bauherren, möchten sie Wohnungen in deutschen Städten verkaufen. Häuser bekommen immer ausgefallenere Namen. Manches ist Geschmacksache.

Klar, man könnte auch einfach eine Wohnung inserieren. Wäre aber zu einfach, klingt ja nach nichts. Bauherren in Deutschland kleiden ihrer Objekte in immer ungewöhnlichere Namen - in der Hoffnung, dass die Käufer noch tiefer in die Tasche greifen. Auf einmal heißen Häuser „Ahoj“, „Joli Coeur“ und „Karree Monte Venezia“. Manche klangvoll gemeinten Namen laden mindestens zum Schmunzeln ein. Macht aber auch nichts, im Moment stimmt die Nachfrage trotzdem.

Die Mondänen

Eine neue Art zu leben versprechen die Bauherren des „The Monaco“, einem gläsernen Wohnhaus in München. Das wollen auch andere - und die Namen ihrer Objekte sind Beleg dafür: „Parco Cavallo“ heißen Wohnblöcke an der Straubinger Trabrennbahn, am Potsdamer Filmpark kann man im „Casa Blanca“ wohnen. Es gibt „La Provence“ (Berlin), das „Wings“ (Frankfurt), „Big City Life“ (München) und „One place to be“ (Düsseldorf).

„Mit den Namen soll die Einzigartigkeit und das Besondere unterstrichen werden, teilweise mit Bezug zum Viertel, teilweise aber auch nur so“, erklärt der Immobilienfachmann des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Voigtländer. „Wobei derzeit eigentlich jede Art von Immobilie verkäuflich ist.“ Niedrige Zinsen und Zuzug in die Städte lassen seit Jahren Nachfrage und Preise steigen.

Die Hochgewachsenen

Hochhäuser tun ihre Größe im Namen kund: „ÜBerlin“ - also Über Berlin - nennen die Bauherren einen Behördenturm aus den 1970ern im Südwesten der Hauptstadt, in dem 330 Wohnungen entstehen. Das „Grandaire“ wächst am Alexanderplatz in die Höhe. Ganz oben kostet die Zwei-Zimmer-Wohnung 600 000 Euro. „Von den Kunden wird der Name sehr gut angenommen“, heißt es beim Bauherrn Strategis. Zwei Jahre vor Fertigstellung sei die Hälfte der Wohnungen verkauft.

Wohntürme in Frankfurt heißen „Praedium touch the sky“, oder gleich paradiesisch: „Eden“. Längst denken sich spezielle Agenturen Namen für Häuser aus. Lage, Lage, Lage - bei Häusern ist das für sie nicht mehr alles. „Nicht nur einzigartige Immobilien sind einzigartig“, wirbt etwa die Kölner Agentur Immotional in einem Video. „Alle Immobilien sind einzigartig, wenn man sie emotional präsentiert.“

Die Unkonventionellen

Mit „Friede, Freude, Friedrichshain“, wurde ein Berliner Projekt vermarktet. Im Erdgeschoss bekommen bedürftige Kinder warmes Essen und Hausaufgabenhilfe vom christlichen Kinderhilfswerk Arche, darüber gibt es gehobenes Wohnen mit hohen Decken, Parkett und Bodenheizung.

Doppelhaushälften bei Mönchengladbach bekommen das Etikett „Esprit@Bunter Garten“, Wohnblöcke werden zu „5 Freunden“ (Köln), Berliner leben in „Kiez und Gloria“ oder im „Fuchsbau der Kosmonauten“, benannt nach der Allee vor der Haustür. „Das Zuhause für Menschen, für die weniger mehr ist“, wirbt der Vertrieb für die Wohnungen - denn sie sind recht klein. Quadratmeterpreis: mindestens 4400 Euro.

Die Flippigen

„Lady Di's love affair“, das lässt die „Königin der Herzen“ vor dem inneren Auge erscheinen und ihre Liebhaber vom Reitlehrer bis zum Filmproduzenten aus Ägypten. Gemeint sind: schlichte, fünfgeschossige Wohnriegel in einem Neubaugebiet am Frankfurter Stadtrand. Namenspatin war eine andere Lady Di: die Architektin Dijana Sustelo. „Der Name kam bei den Käufern extrem gut an“, erklärt der Bauherr, die Bien-Ries AG. „Hinter den außergewöhnlichen Namen steht die Idee, Wohnimmobilien als Unikate in bester handwerklicher Qualität zu realisieren.“

Anderswo klingt der Hausname wie ein Lebensgefühl. Entspannt kommen „Easy“ (München) und „Groovin' high“ (Frankfurt) daher. Etwas mehr Tempo macht das „Hurry up, Marc!“, ein Mehrfamilienhaus-Projekt in Frankfurt. Natürlich werden längst auch Gewerbebauten zu Marken, etwa „Brain box“ in Berlin. Die Hirnkiste entsteht am Forschungsstandort Adlershof, da passt der Name des Bürogebäudes hin. Am City Cube stimmt dagegen nur das City - ein Würfel ist die langgestreckte Messehalle nicht.

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