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Innenarchitektur Die goldenen Wasserhähne kommen zurück

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Gold hat Feuer

Ein Reflexionsphänomen ist Gold nach wie vor: Das Licht bricht sich herrlich an seiner Oberfläche, lässt sie, je nach Blickwinkel und Lichteinfall, schmelzend weich erscheinen oder glänzend, warm schimmernd oder strahlend hell. „Gold hat Feuer“, sagt Ulrich Welter, „eine tiefe, satte, ins Rötliche spielende Farbe“, die das Licht „nicht neutral“, sondern „in der Eigenfarbe des Goldes selbst reflektiert: Es glüht aus sich heraus“ – scheint selig in sich selbst.

Welter, der Hersteller von luxuriösen „Wandunikaten“, arbeitet seit mehr als 30 Jahren mit Edelmetallen, am liebsten mit Gold. In Handarbeit werden in seiner Berliner Manufaktur Paneele und Tapetenbahnen mit Blattgold belegt, dem Bestseller des Hauses, der die Shoppingräume des Kaufhauses Harrods in London ebenso schmückt wie das neobarocke Interieur der Bar und der Lobby des Patrick Hellmann Schlosshotels im Berliner Grunewald. „Erst dachten alle: Jetzt kommen die Russen mit ihrem Oligarchenschick, aber die Wände wirken wie reines Licht.“

Eine Goldtapete, glaubt Welter, könne „nie deplatziert wirken“, weil sie immer einen „harmonischen Kontrast“, einen „warmen Übergang“ zur Umgebung schafft: Über einem blauen Fußboden wirkt sie im Sockelbereich blaustichig, neben einer grauen Betonwand spiegelt sie das Grau – und nobilitiert es. Dass Gold „protzig“ sei, hält Welter für ein Missverständnis: Man müsse es richtig inszenieren und kombinieren. „Das können die Deutschen.“ Im Unterschied zu Chinesen, die Räume oft „wie Märchenschlösser“ mit Gold ausstaffieren. Zu russischen Oligarchen oder dem amerikanischen Präsidenten, der in seinem New Yorker Penthouse, über dem Trump Tower, auf drei Etagen, das Sonnenkönigtum reinszeniert, mit Versatzstücken à la Versailles.

Homestorys zeigen die Präsidentenfamilie auf goldenen Sesseln thronend, vor goldgerahmten Spiegeln und goldenen Stuckaturen. Dass der französische Stil, eine Melange aus Barock und Empire, so beliebt ist bei den Superreichen, sei alles andere als verwunderlich, sagt Farbexperte Venn: Im Barock kommen die „Glanzlichter des Goldes“ zur Geltung. Der reiche Mann spiegelt sich in ihnen, erst recht, wenn er aus dem „Inferno des Nichts“ kommt, wie der Aufsteiger-Despot, der sich goldene Paläste im Dschungel baut, oder der mit Bling-Bling-Ketten behängte Hip-Hop-Held.

Welten entfernt davon die Grandhotel-Kultur, die heute wiederentdeckt wird: Bei Spiegelflächen, die in der Mitte mit goldenen, rosettenförmigen Stiften zusammengehalten werden, bei Speisekarten mit Goldaufdruck, bei einem Eisdessert mit Goldplättchen, „versagen“, so Axel Venn, „Begriffe wie Protz“. Geschmack sei gefragt, wenn bei Luxusautos ein tiefes englisches Rot oder ein kräftiges Braun mit Goldstreifen abgesetzt wird oder in der Bar eines Range Rovers die Flaschen eine Verschlusskappe aus goldglänzendem Messing tragen.

Venn sieht eine Rückkehr der Belle-Époque-Ästhetik mit ihrer „sanften Morbidität“. Michael Sieger, der kreative Kopf von Sieger Design, kennt sie noch aus seiner Jugend in Gestalt der Gustav-Klimt-Reproduktionen, die in seinem Elternhaus hingen, darunter das Paradebild des Meisters, Der Kuss, der die Liebenden in einen schimmernden, mit Blütenornamenten verzierten Goldmantel hüllt. Geprägt indes hat ihn der Anblick einer schlichten Teetasse des Bauhaus-Schülers Wilhelm Wagenfeld für die Marke Fürstenberg: Sie war mit einem bauhaus-untypischen goldenen Rand und einem goldenen Henkel verziert.

Heute kommt Michael Sieger nicht dekoriertes Porzellan „nahezu nackt“ vor: „Gold-Dekor erhöht die Komplexität des Designs“ – und damit die Ansprüche an den Gestalter. Es erlaubt riskante Kombinationen, etwa mit Himmelblau und Weiß, wie sie Sieger, inspiriert durch den italienischen Designer Franco Moschino, beim Service Ciel Bleu vorführt: Schneeweiße Wolken ziehen über die handbemalten Porzellanteller, eingerahmt von Goldrand.

Gewiss, es geht auch ohne Gold, doch Sieger stellt immer wieder fest: „Dann fehlt etwas – eine gewisse Tiefendimension.“ Und, ja, ein Hauch von Luxus. Von Extravaganz. Von schönem Schein. Der Champagner, so Sieger, funkelt im Platin-Porzellanbecher jedenfalls „nicht so schön“ wie im schwarz-goldenen Sip of Gold, dem Bestseller des Hauses Sieger.

„Früher war mehr Lametta“, seufzte Loriot. Vielleicht doch eine voreilige Bemerkung? Ein verfrühter Nachruf auf glamourösere Zeiten? Immerhin, für Ostern hat Sieger Design den eierförmigen Eierbecher Matroschka im Programm, in 24-Karat-Gold. Die italienische Designerin Lorenza Bozzoli, eine Manieristin ihres Fachs, verwandelt Einmachgläser in Marmorgefäße mit Goldverschluss. Und sogar Alessi macht Anleihen bei Goldschmiedetechniken: Die Kollektion Extra Ordinary Metal ist zwar aus Messing – scheint aber selig wie Gold.

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