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Klimawandel Warum der Weinbau neue Regionen erobern muss

Klimawandel: Warum der Weinbau neue Regionen erobern muss Quelle: PR

Der Klimawandel beschert vielen Weinregionen mehr Sonne und Wetterphänomene. Heutige Weinbauregionen werden künftig schwer zu bewirtschaften sein. Internationale Konzerne müssen ihre Strategien anpassen.

Anfang Februar ist Weinernte. Peter Gago wird in den Kalender schauen und unter Umständen erneut feststellen: Es wird jedes Jahr früher. Der Chief Winemaker der australischen Marke Penfolds kann auf Nachfrage spontan die letzten Erntetage der Vorjahre runterbeten. Es verschiebt sich was. Langsam, aber kontinuierlich fallen die Wachstumsperioden kürzer aus, je nach Ort fehlen Niederschläge.

Für den seit 1999 bei Penfolds tätigen Gago mit seinem Team von vier weiteren Önologen ist das eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Und die nicht allein von Weinkritikern, sondern auch von Investoren weltweit genau verfolgt wird.

Kein Weingut, sei es noch so groß, verzichtet darauf, in schönen Bildern von Rebzeilen und Holzfässern in Gewölbekellern das Image von Natur, Handwerkskunst und Tradition zu pflegen. Die Wahrheit sieht mit gigantischen Stahltanks und glitzernden Produktionsanlagen, die an Chemie-Unternehmen erinnern, oft prosaischer aus. Wein ist, insbesondere in Deutschland, in der Produktion noch immer in der Hand von Kleinunternehmern oder mittelständischen Unternehmen. Wer sich jedoch in den Supermarkt oder Discounter begibt, erhält meist die industrialisierte Ware des Gewerbes.

Die zehn größten Weinunternehmen der Welt stellten 2016 mehr als zwölf Prozent der Weinproduktion dar. Wer einen Wermuth oder einen Schaumwein von Martini (Bacardi) trinkt, einen Brancaia (Gallo), einen Woodbridge (Constellation) oder einen Wolf Blass aus dem Portfolio der Treasury Wine Estates (TWE), hat Produkte der Giganten im Glas. Penfolds gehört wie Wolf Blass, Beringer oder Rosemount zu TWE und ist die Topmarke der Holding, die aus einer Abspaltung von Australiens Brauereikonzern Foster's hervorging.

Für die teils börsennotierten (Constellation, TWE) oder noch in privaten Händen befindlichen Produzenten (Gallo) geht es um Geschäfte, wenn ein Jahrgang und dann der nächste Probleme machen sollte. Eine Studie von Conservation International, die im Journal der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, sagt bis 2050 gravierende Veränderungen auf der Weltkarte des Weins voraus. In einer Industrie, deren Hauptlieferant erst nach einigen Jahren die ersten verwertbaren Trauben trägt und oft erst nach Jahrzehnten die besten Ergebnisse liefert, ist das nur noch wenig Zeit. Süditalien, Teile Kaliforniens oder auch in Gagos Standort im südlichen Australien werden laut Forschern große Gebiete nicht mehr länger für den Weinbau nutzbar sein.

Gago weiß um die Herausforderungen des sich wandelnden Wetters und der klimatischen Veränderungen. Er war im Oktober auf Roadshow in Paris und London mit der aktuellsten Kollektion der Weine, des gehobenen Segments mit Preisen zwischen zehn und 650 Euro für das Flaggschiff Grange des jüngst vorgestellten Jahrgangs 2014. So virtuos, wie er hunderten Weinhändlern, Sommeliers und Journalisten die Weine erklären kann, pariert er auch Fragen nach den Problemen angesichts fehlender Niederschläge und kürzerer Vegetationsperioden. „Nichts ist schief gegangen“, sagt Gago über den Jahrgang 2018, der in Australien folgerichtig bereits seit Anfang des Jahres in den Kellern liegt. „Aus einem pragmatischen Blickwinkel heraus waren das 20 von 20 Punkten“, sagt Gago.

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