Kühnes „The Fontenay“ eröffnet „Ein Hotel ist keine Cash-Cow“

„The Fontenay“ an der Hamburger Außenalster Quelle: imago

Nach Verzögerungen eröffnet nun das Hotel „The Fontenay“ des Unternehmers Klaus-Michael Kühne an der Außenalster. Es solle ein Hotel für Hamburger sein, sagt Kühne und gleichzeitig die Attraktivität der Stadt erhöhen.

WirtschaftsWoche: Herr Kühne, es hat länger gedauert als geplant, nun eröffnet ihr Hotel „The Fontenay“ an der Hamburger Außenalster. Was bedeutet das Haus für Sie?
Klaus-Michael Kühne: Ich bin Hamburger, aber schon vor über 40 Jahren in die Schweiz gezogen. Wir hatten in Hamburg ein Haus, in dem meine Mutter lebte. Als sie starb, verkauften wir es und ich habe bei meinen Aufenthalten in Hamburg im Hotel Intercontinental gewohnt, weil es einfach die schönste Lage hat. Dort, wo nun das Fontenay steht. Ich habe den Verfall des Hauses miterlebt, sowohl in der Substanz als auch wirtschaftlich.

Und dann haben Sie es einfach gekauft…
Wir waren auf einer Kreuzfahrt im Pazifik, als wir hörten, dass der Pächter insolvent sei. Und haben diskutiert und entschieden, mitzubieten. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, den Zuschlag zu erhalten.

Aber mussten Sie das Hotel denn gleich komplett neu bauen?
Wir hätten den bestehenden Bau auch restaurieren können, haben uns dann aber für einen Neubau entschieden. Zusammen mit dem Architekten, der auch das Bürohaus von Kühne + Nagel in der Hamburger HafenCity entworfen hat. Mir liegt viel an Hamburg und ich wollte ein Hotel für in- und ausländische Gäste wie auch für die Hamburger schaffen.

The Fontenay

Was sich zum Beispiel daran zeigt, dass die höchsten Geschosse mit der besten Aussicht nicht den teuersten Suiten vorbehalten, sondern öffentliche Bereiche sind?
Ja, aber die Suiten haben generell eine gute Aussicht. Und im Winter, wenn das Laub von den Bäumen ist, auch die anderen Zimmer. Bemerkenswert ist auch unser Atrium mit einem prächtigen Kronleuchter – auch das ist nicht so üblich hierzulande. Ebenso wenig wie die medizinische Station. Sie ist für Gäste aus aller Herren Länder vorgesehen, die sich in Hamburg medizinisch behandeln oder operieren lassen und während der Nachsorge bei uns wohnen möchten. Dafür haben wir keinen großen Ballsaal – man kann nicht alle Wünsche erfüllen.

Was waren denn Ihre wichtigsten Wünsche?
Meine Frau und ich fühlen uns nicht so wohl in alten Häusern. Plüsch und dunklere Räume sind nicht unsere Welt. Mir ging es darum, einen Solitär zu schaffen, der von der Architektur und vom Angebot einmalig sein sollte. Deswegen haben wir auch einige Ideen entwickelt, die von dem abweichen, was üblich ist.

Ein Blick ins „The Fontenay“
Das Atrium mit Blick nach oben. Bemerkenswert ist das Atrium mit einem prächtigen Kronleuchter für Hotel-Eigner Klaus-Michael Kühne, wie er im WirtschaftsWoche-Interview verrät. Quelle: PR
The Fontenay Restaurant John's Quelle: PR
The Fontenay Lobby Quelle: PR
The Fontenay Außenansicht Quelle: PR
The Fontenay Suite Quelle: PR

Zum Beispiel?
Zunächst mal hatten wir geplant, das Gebäude höher zu bauen, wofür wir keine Genehmigung bekommen haben. Wohl aber für einen kleinen Turm Dort sind das Spa, Restaurants und die Bar untergebracht. Das ist schon ziemlich originell.

Dietmar Hopp hat sich in der Provence ein Golf-Resort gekauft, Karl Albrechts Öschberghof in Donaueschingen soll im Mai neu eröffnen. Dem Gründer der Asklepios-Kliniken, Bernard große Broermann gehört das Hamburger Atlantic, dem Besitzer der Hit-Supermärkte das Vier Jahreszeiten schräg gegenüber. Sie selbst haben bereits ein Hotel auf Mallorca. Was fasziniert branchenfremde Unternehmer eigentlich so sehr an Hotels?
Die Arbeit an einem Hotel fordert einen persönlich. Und es ist eine Abwechslung zu der eher nüchterneren Arbeit im geschäftsmäßigen Alltag. Ein Hotel bringt immer auch internationales Flair mit sich, das bildet dann ein Gegengewicht. Auf den Geschmack gekommen bin ich auf Mallorca, wo wir ein schlossartiges Gebäude renoviert haben – auch da ist die Lage sehr schön.

Ist ein Hotel ein Unternehmen wie jedes andere?
Wir werden sehen, wie wirtschaftlich sich das gestalten lässt. Wir glauben an den Erfolg, weil Hamburg so ein Hotel braucht. Es erhöht die Attraktivität der Stadt vor allem für internationale Gäste. Dennoch ist es natürlich ein Schritt ins Ungewisse, wie damals das Hotel auf Mallorca, das immerhin im Winter schließen muss und sich dennoch trägt. Aber ein Hotel ist keine Cash-Cow. Ich habe Stiftungen mit starken Förderaktivitäten in Logistik, Medizin und Kultur. Man muss etwas für die Allgemeinheit tun und zwischen Stiftung und Unternehmen liegt dann so ein Hotel wie das The Fontenay.

Haben Sie nie überlegt, das Hotel von einer renommierten Hotelkette wie Four Seasons, Hilton oder Hyatt managen zu lassen?
Es gab Anfragen. Damals auf Mallorca waren wir auch in Gesprächen mit der Althoff-Gruppe. Ich habe mich dann am Ende dafür entschieden, es in Eigenregie zu machen. Wenn sie einen Managementvertrag abschließen, müssen Sie immer investieren, dürfen aber nichts mehr mitentscheiden. Sie sind dann nur Bauherr. Wir haben gute Hoteldirektoren auf Mallorca und hier in Hamburg, die es schaffen, ein großes Hotel persönlich wirken zu lassen und nicht nur Vorgaben aus der Zentrale umsetzen müssen.

So ist es Ihr Risiko und auch Ihr Hotel. Haben Sie denn schon ein Lieblingszimmer?
Nein, und ich werde bei meinen kurzen Besuchen auch immer ein anderes belegen. Das Hotel soll in erster Linie den zahlenden Gästen dienen.

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