WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Luxus am Handgelenk Was Glashütte so erfolgreich macht

Seite 3/4

Arbeits-Eifer und Liebe fürs Detail

Zwei Gebäudeteile hat die Bundeskanzlerin zusammen mit Walter Lange eröffnet. Das Einzige, was fehlt, ist eine Kantine – weil die Mitarbeiter sie ablehnten. Eine Befragung hatte ergeben, dass die meisten lieber mittags ihr eigenes Essen verzehren und Zeit sparen wollen.

Diesen Eifer, gepaart mit Liebe fürs Detail und handwerklicher Expertise, wissen auch andere ortsfremde Unternehmer zu schätzen. Roland Schwertner zum Beispiel. Der gebürtige Düsseldorfer, im ersten Berufsleben EDV-Spezialist und Modefotograf, besuchte Glashütte schon als Kind, seine Tante Else und sein Onkel Heini lebten hier. Mit ihm ging er damals regelmäßig in die örtliche Eisdiele. 1990 meldete er die Marke Nomos Glashütte/SA an. Heute gilt die Firma als Marktführer im Segment von Uhren zwischen 1000 und 5000 Euro.

Die Hälfte der Teile muss aus eigenem Hause sein

Bei Nomos, mit Sitz am Ferdinand-Adolph-Lange-Platz 2, ist alles ein wenig anders, bunter und lustiger. In der untersten Etage des Entwicklungs- und Fertigungsgebäudes oberhalb des Ortes herrscht mittags in der Kantine Andrang. Schwertner wählt den Möhrenreibekuchen mit Quark genauso vergnüglich, wie er auf der Basler Uhrenmesse Auskünfte erteilt. Seit 25 Jahren ist er nun dabei. Noch immer wirkt er, als nehme er das Gehabe um Kaliber, Kloben und Konstruktionen nicht ganz ernst. Fast so, als sei er sich bewusst, dass die 200 Mitarbeiter Dinge produzieren, die keiner braucht, viele haben wollen – aber sich nur wenige leisten können.

So edel sind die Luxusuhren der Schweizer Uhrenmesse
SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) Uhrenmesse in Genf Quelle: Presse
Lange und Söhne - Zeitwerk Minutenrepition Quelle: Presse
Mont Blanc - Timewalker e-Strap Quelle: Presse
Vacheron Constantin - Split Chronograph Quelle: Presse
Vacheron Constantin - Split Chronograph Quelle: Presse
Audemars Piguet - Diamond Punk Quelle: Presse
Officine Panerai - Mare Nostrum Quelle: Presse

Umso erstaunlicher ist der weite Weg, den Schwertner und sein geschäftsführender Mitgesellschafter Uwe Ahrendt gegangen sind, um als Uhrenhersteller möglichst autark produzieren zu können. Sie könnten die Uhrwerke mit mehr zugekauften Teilen produzieren, aber Ahrendt und Schwertner wirken, als wollten sie erst Ruhe geben, wenn sie alles in den eigenen Hallen anfertigen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    50 Prozent der Teile müssen aus dem eigenen Haus stammen, das besagt die Glashütter Regel. Um das zu klären, treffen sich die Wettbewerber notfalls vor Gericht.

    Streit vor Gericht

    Das war schon 1904 so, als der erste öffentliche Streit um die Regel ausbrach. Und auch 2005, als Nomos Glashütte die Nachbarfirma Mühle verklagte, weil sie mit den verbauten Schweizer Werken zu wenig Wertschöpfung in den Ortsgrenzen schuf. Wo „made in Glashütte“ draufsteht, soll auf keinen Fall „made in Swiss“ drinstecken. Da hört der Spaß dann auf. Thilo Mühle erinnert sich noch gut daran.

    Sein Vater hatte den Familienbetrieb im Jahr 1994 wiedereröffnet. Doch im Jahr 2007 wurde Mühle Glashütte zu einer Vertragsstrafe von 63 Millionen Euro verklagt. Mit einer Planinsolvenz gelang es Mühle, das Unternehmen zu retten. Mühle und Nomos-Chef Ahrendt waren früher in einer Schulklasse. „Wir grüßen uns wieder, wenn wir uns sehen“, sagt Mühle.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%