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Luxus am Handgelenk Was Glashütte so erfolgreich macht

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Ohne Nachwuchs ist die Industrie chancenlos

Er hat seit der Niederlage investiert, in Maschinen und Material. „Die Planinsolvenz war auch eine Art Befreiung“, sagt Mühle. Er ist Unternehmer, kein Manager – anders als die Chefs der beiden großen Marken des Ortes, Lange und Glashütte Original. Sein Ururgroßvater Robert lernte noch bei Moritz Großmann. Großvater Hans gründete nach der Enteignung 1945 sofort ein Unternehmen, Vater Hans-Jürgen konnte als einer von vier Geschäftsführern des VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) die Gelegenheit ergreifen und die Mühle Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik wiederbeleben. Sohn Thilo hat infolge der Insolvenz die Modellpalette von 130 auf jetzt 55 Varianten verringert, die Mitarbeiter konnte er halten, 54 sind es heute. Der Sohn ist optimistisch. Wie soll er auch anders, bei so einem Spruch auf dem Familienwappen: „Weder durch Hoffnung, noch durch Furcht“.

Es sind Geschichten wie diese, die die Zukunft von Glashütte sichern. Denn ohne Nachwuchs wäre die Industrie chancenlos. Doch über allem schwebt die Frage: Wer hat Lust, in Zeiten von Smartphones und -watches noch Uhrmacher zu werden? Wer tut sich das an, die mühsame, einsame, stundenlange Tüftelei?

Uhrmacher-Lehrlinge von Swatch

Ein Teil der Absicherung gegen den Nachwuchsmangel sitzt unter dem Dach der Uhrmacherschule Alfred Helwig. Von 1878 an schulte ihr geistiger Vorgänger den Nachwuchs. Seit 2001 bildet die sächsische Uhrenmanufaktur jedes Jahr Uhrmacher aus, vor wenigen Monaten erhielten 13 junge Nachwuchskräfte ihr Abschlusszeugnis. Anders als im Labor zeigten sie sich eher ungeduldig: Sie schafften die Ausbildung sogar in 3 statt der üblichen 3,5 Jahre.

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Die Marke Glashütte Original ist eine Tochter der Swatch Group. Sie hat das Deutsche Uhrenmuseum in der Ortsmitte finanziert, das seit 2008 an die Geschichte des mechanischen Uhrenbaus im Ort erinnert. Swatch-Erfinder Nicolas Hayek, bekannt und reich geworden durch preiswerte Massenware, begegnet den Besuchern dort rasch. Für die Einwohner kein Problem. Sie wissen, dass es dem Ort ohne die sachliche Expertise und die monetären Investitionen aus der Schweiz nicht so gut ginge.

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    Pointe der Geschichte: Nun lernen die Nachwuchsuhrmacher eben in einem Schweizer Unternehmen die Kunst der Perlage, des Anglierens und der Montage der winzigen Teile. Die Schüler sind tief gebeugt über ihrer Aufgabe an den Uhrmachertischen, die die Tischplatte auf Brusthöhe haben. Selbst auf Fragen antworten sie im verhaltenen Tonfall. Fast so, als wollten sie die allgegenwärtige Stille des Ortes nicht stören.

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