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Luxus am Handgelenk Was Glashütte so erfolgreich macht

Der Name Glashütte signalisiert Liebhabern exquisiter Uhren höchste Qualität. Die mechanischen Uhren gehören trotz Smartwatch-Trend zu den erfolgreichsten Exportartikeln Deutschlands. Aber warum?

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Glashütte Quelle: Presse

Angeblich liegt die Kraft vor allem in der Ruhe. Vielleicht ist das schon das ganze Geheimnis. Glashütte ist etwa 30 Kilometer von Dresden entfernt, die Autofahrt dauert eine Dreiviertelstunde und führt über die B 170, vorbei an Bannewitz, Reinholdshain und Niederfrauendorf. „Tal der Ahnungslosen“ nannten Spötter die Gegend früher, weil es hier zu DDR-Zeiten kein Westfernsehen gab. Das Mobilfunknetz ist heute immer noch schwach, der Ort ist weltberühmt.

Trotzdem? Oder gerade deswegen?

Wer einen Parkplatz sucht, muss selbst tagsüber nicht lange suchen – auch wenn er nur höchstens zwei Stunden lang belegt werden darf. So viel Großstadtflair gönnt sich die Gemeinde dann doch.

Marke mit weltweiter Strahlkraft

6800 Einwohner zählt das gesamte Städtchen Glashütte mit seinen acht Ortsteilen, etwa 1700 arbeiten für die Hersteller feinmechanischer Wunderwerke. Das sind fast schon Wolfsburger Verhältnisse: Die Volkswagen-Stadt hat etwa 120.000 Einwohner, Ende 2014 arbeiteten im Werk Wolfsburg 59.000 Menschen. Auch in Glashütte wird diese Dominanz nach Feierabend ziemlich deutlich sichtbar. „Nachmittags, wenn die Uhrmacher fertig sind, bewegt sich eine Karawane raus aus dem Ort“, sagt die Mitarbeiterin einer Manufaktur. Die meisten Angestellten aus dem Management wohnen in Dresden, genauso wie die Uhrenfans aus aller Welt, die die Manufakturen besuchen. Irgendwann hatte mal jemand Pläne für ein Hotel, doch anscheinend scheuten alle potenziellen Betreiber das Risiko. Die Fläche, auf der das Haus hätte entstehen können, ist nun bebaut. Mit einem Parkhaus für Mitarbeiter.

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    Doch der spröde Charme des verschlafenen Städtchens täuscht leicht darüber hinweg, dass Glashütte eine Marke mit weltweiter Strahlkraft ist, von der alle Uhrenhersteller vor Ort profitieren: A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Nomos, die Wempe Chronometerwerke oder die Bruno Söhnle GmbH.

    Deutsche Uhren-Hochburg

    Der Name Glashütte steht in den Augen der Kunden für feinste Uhrmacherei, die es mit den großen Marken aus der Schweiz aufnehmen kann. Im Nachbarland verteilt sich die Industrie auf mehrere Standorte – Biel, Genf, Schaffhausen, Le Brassus oder Le Sentier. In Deutschland hingegen konzentrieren sich die Hersteller der Luxusuhren in Sachsen. Der Name Glashütte signalisiert Liebhabern exquisiter Uhren höchste Qualität – so wie das ebenfalls sächsische Meißen als Synonym für erstklassiges Porzellan gilt und das Erzgebirge bekannt ist für feinste Holzschnitzereien. Offenbar sind die Menschen hier mit Geduld gesegnet sowie mit der Fähigkeit, stundenlang hoch konzentriert an winzigsten Bauteilen zu tüfteln.

    Die 30 deutschen Top-Luxus-Marken
    Rang 30: Escada (15)* Escada erwirtschaftet nach Jahren der Krise wieder einen positiven Cashflow. 2009 hatte Megha Mittal, die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, das Münchner Modehaus aus der Insolvenz herausgekauft. Heute setzen Escadas Designer unter anderem auf kräftige Farben, große Blumenaufdrucke und Metalltöne. Kritiker loben die Stücke als prächtig und stylisch. Das Modehaus konzentriert sich zurzeit vor allem auf die Märkte USA, Deutschland, Spanien, Russland, Japan und China. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 116 (144)* Trend seit 2011: ⇘ ** * in Klammern: 2011 ** Trendanzeige ab 5 Punkten Der Luxusmarkenindex basiert auf einer Befragung von 163 Branchenexperten zu den drei Kriterien relativer Preisabstand des Luxusmarkenanbieters zu einem Mainstream-Markenanbieter, absolute Preishöhe und Anziehungskraft einer MarkeQuelle: Biesalski & Company und Brand Networks Quelle: dpa
    Rang 29: Hotel Adlon (25) 1907 eröffnete das Hotel Adlon am Berliner Boulevard Unter den Linden und beherbergte im Laufe der Jahre viele berühmte Gäste, darunter Thomas Alva Edison, Henry Ford, John D. Rockefeller, Walther Rathenau, Gustav Stresemann und Aristide Briand. Durch die schlechte Finanzlage seines Investors, der Fundus-Gruppe, geriet das Hotel zuletzt oft in die Schlagzeilen. Laut einer Schätzung der Ratingagentur Moody’s sollte das Hotel am Brandenburger Tor im Vorjahr nur noch 182 Millionen Euro wert sein.  Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 117 (121) Trend seit 2011: NEU Quelle: dpa/dpaweb
    Rang 28: Nymphenburg (-)Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg kooperiert schon seit Jahren mit namhaften Künstlern wie dem Niederländer Joep van Lieshout, dem Franzosen Saâdane Afif oder dem deutschen Schmuckdesigner Patrik Muff. Er lässt Schriftsteller Texte zu seinen Porzellanvasen schreiben und gibt der traditionsreichen bayerischen Marke so ein hippes Image. Zählt doch die klassische Sammeltasse nicht zu den angesagtesten Objekten bei der Generation Facebook. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 118 (-) Trend seit 2011: NEU
    Rang 27: Tobias Grau (-) Betriebswirt und Designer Tobias Grau ist bekannt für seine Leuchten in Tropfenform. 1984 entwickelte er seine erste Leuchtenkollektion, 1992 baute er sie zusammen mit seiner Frau Franziska zu einer Leuchtenmarke aus. 150 Mitarbeiter beschäftigt Grau heute. Rund 95 Prozent der Fertigung erfolgt heute in Deutschland, die Endmontage in der Nähe von Hamburg. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 119 (-) Trend seit 2011: NEU Quelle: Screenshot
    Rang 26: Schloss Elmau (-) Dietmar Müller-Elmau, Chef des Hotels Schloss Elmau in Oberbayern, wurde 1954 auf dem Schloss geboren und führt heute das Fünf-Sterne-Hotel. Neben seiner Lage ist es bekannt für seine renommierten klassischen Konzerte. Über 17 Millionen Euro Umsatz machte das Nobelhotel 2010. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 120 (-) Trend seit 2011: NEU
    Rang 25: Wempe (30) Als der gelernte Uhrmacher Gerhard Diedrich Wilhelm Wempe am 5. Mai 1878 mit 21 Jahren und einem Startkapital von 80 Mark den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, ahnt er noch nicht, dass er den Grundstein für ein internationales Uhren- und Juwelen-Imperium schafft. Heute zählt Wempe über 700 Mitarbeiter, unterhält 30 Niederlassungen und ist einer der größten und umsatzstärksten Händler von Luxusuhren und Schmuck in Europa. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 125 (118) Trend seit 2011: ⇗ Quelle: Presse
    Rang 24: Marktex (33) Die Möbelmanufaktur aus Kronberg im Taunus ist das Reich von Ettore Palmiota. Er ist Inhaber und kreativer Kopf von Marktex. Typisch für die Schränke und Sideboards sind grafische Elemente wie gerade Linien, Quadrate und Andreaskreuz. Palmiota bevorzugt Pinienholz, gerne im Kontrast zu Nussbaum, aber auch Kirschholz und Eiche. Bei den Polsterstoffen dominieren Naturmaterialien wie Wolle und Leinen.  Martex-Möbelhäuser gibt es in Berlin, Hamburg, Köln, Kronberg, Mannheim und München. Deutscher Luxusmarkenindex (max. 300): 126 (114) Trend seit 2011: ⇗ Quelle: Screenshot

    Bekannt wurde Glashütte vor allem durch die Firma A. Lange & Söhne. 1845 lockte die königlich-sächsische Regierung den Uhrmachermeister Ferdinand Adolph Lange mit einer Anschubfinanzierung in die Stadt. Er eröffnete seine Manufaktur und setzte sich als Bürgermeister dafür ein, dass Glashütte per Bahn von Dresden aus zu erreichen sein sollte. Zu DDR-Zeiten geht Langes Betrieb wie die anderen Manufakturen in den VEB Glashütter Uhrenbetriebe auf.

    Nach der Wende baut sein Urenkel Walter Lange den Betrieb wieder auf. Doch als die Betriebe verstaatlicht wurden, war der Ruhm des Ortes auf dem Luxusuhrenmarkt zunächst beendet, Lange verließ die DDR 1951. Nach der Wende kam er zurück, kaufte die Namensrechte von der Treuhand und gründete mit 66 Jahren im Dezember 1990 ein zweites Mal. Mit technologischer Hilfe aus der Schweiz und den Uhrmachern vor Ort, die zunächst unsicheren Zeiten entgegenblickten, gelang die Wiederbelebung der Marke – und des ganzen Ortes.

    Dezente Brüche mit der Tradition

    Dessen Anziehungskraft ist derzeit so stark wie selten zuvor. Das lässt sich am jüngsten Zugang im Kreise der Manufakturen ablesen: Seit November 2008 gibt es vor Ort die Grossmann Uhren GmbH, benannt nach dem 1825 in Dresden geborenen Uhrmacher Moritz Grossmann. Er hatte einst sein Atelier in Glashütte, um Taschen- und Pendeluhren anzufertigen. Vor einigen Jahren sicherte sich die Uhrmacherin Christine Hutter die Namensrechte, Schweizer Investoren gaben ihr Geld für die Unternehmensgründung. Heute sind bei Großmann 45 Mitarbeiter tätig, die in einem futuristisch anmutenden, hochwassersicheren Neubau oberhalb der Müglitz an den Uhren arbeiten. Darunter auch ein Seiteneinsteiger mit stillem Gemüt und ruhigen Händen.

    Sebastian Hutkai ist eigentlich ausgebildeter Zahntechniker, doch vor ein paar Jahren verlegte er sein Aufgabengebiet von Zahn-Weiß auf Grossmann-Violett. Die Zeiger der sieben Modelle des Hauses beenden die Glashütter Tradition, Schrauben und oft auch Zeiger in einem kräftigen Blau zu verbauen. Solche dezenten Brüche nimmt Hutter gerne in Kauf. Bevor sie zur Unternehmerin wurde, arbeitete sie unter anderem im Management von A. Lange & Söhne und konnte die Historie der Uhrmacherei am Ort gewissermaßen täglich inhalieren. Daran will sie heute nicht mehr sklavisch festhalten. „Im Geiste Großmanns wollen wir unseren eigenen Weg gehen“, sagt Hutter.

    Die kompliziertesten Uhren der Welt
    Henry Graves SupercomplicationFür 21,3 Millionen Dollar (17,1 Millionen Euro) hat ein anonymer Käufer jetzt dieses Schmuckstück beim Auktionshaus Sotheby's ersteigert. Die Henry Graves Supercomplication gilt als aufwändigste per Hand gefertigte Uhr der Welt. Sie besteht aus 900 Einzelteilen und ist nach dem Banker Henry Graves benannt, der die Uhr 1925 in Auftrag gab. Die Schweizer Manufaktur Patek Philippe benötige acht Jahre, um die Supercomplication zu vollenden – drei zur Forschung und fünf zur Herstellung. Neben der Uhrzeit lassen sich unter anderem die Mondphasen, die Sternzeit und der Zeitpunkt von Sonnenauf- und Sonnenuntergang ablesen. Tim Bourne, Uhrenexperte bei Sotheby's, bezeichnete die goldene, 500 Gramm schwere Taschenuhr als „Ikone des 20. Jahrhunderts“ und „Meisterwerk, das die Uhrmacherei auf die Ebene der Kunst erhob“. Quelle: AP
    Calibre 89Patek Philippe hat auch andere Taschenuhren im Angebot, etwa die Calibre 89: 33 Komplikationen wurden verbaut. Die Tasche dafür sollte allerdings groß sein, denn die Uhr ist näher am Eishockeypuck als an einer großen Münze. Gut vernäht sollte sie auch sein, denn die Uhr wiegt 1,1 Kilogramm dank ihrer 1728 Teile. Dafür kann die Uhr alle erdenklichen Zeitangaben machen, inklusive Darstellung des Sternenhimmels. Auch ein Thermometer ist enthalten. Vorgestellt wurde sie im Jahr 1989 anlässlich des 150. Jubiläums der Marke. Quelle: Presse
    Lange & Söhne GrandComplicationDer sächsische Hersteller A. Lange & Söhne ist trotz seiner langen Historie erst nach dem Mauerfall zu seiner heutigen Blüte erwachsen. Viele Entwicklungen basieren jedoch auf Skizzen des jungen Uhrmachers Walter Lange. 2013 kam die Grand Complication auf den Markt, die einige der schwierigsten Komplikationen in sich vereinigt. Neben einem Schlagwerk für den Klang der vollen Stunde und der Minuten, kann sie auf Wunsch jederzeit die Uhrzeit akustisch mitteilen (Minutenrepetition), mit dem sogenannten Rattrapante- oder auch Schleppzeiger-Chronograph die Zwischenzeiten messen bei Stoppzeiten. Dazu ist ein ewiger Kalender mit Mondphasenanzeige verbaut. Quelle: Presse
    Franck Muller Aeternitas Mega4Diese Uhr gilt dank ihrer 36 verbauten Komplikationen nicht nur als komplizierteste Armbanduhr der Welt, sondern ist sicher auch eine der am kompliziertesten zu lesenden Uhren der Welt – so dicht gedrängt sind die Anzeigen von zweiter Zeitzone, Tag, Wochentag, Monat, Jahr, und so weiter auf dem Ziffernblatt gedrängt. 1483 Teile sind verbaut. Quelle: Presse
    Harry Winston Opus XIIIDas Uhrwerk mag zwar keine der üblichen Komplikationen wie Rattrapante oder ewiger Kalender enthalten – aber die Mechanik ist wie immer in der Reihe der Opus-Uhren des amerikanischen Juweliers, der mittlerweile zur Swatch Group gehört, sehr außergewöhnlich. Für jedes Modell der Opus-Reihe lädt die Marke einen Uhrmacher ein, sich auszutoben. Und für die XIII lässt sich sagen: Gelungen. Aber wie spät ist es? Hier eine Lesehilfe: In der Mitte befindet sich die Stundenanzeige, die Uhrmacher Ludovic Ballouard in Dreiecksform brachte. Die vielen kleinen grauen Stifte, die sich mit den roten abwechseln, sind die Minutenanzeige. Treten sie hervor, zählen sie, liegen sie im Zifferblatt versteckt, kommt ihre Zeit noch. Auf dem Foto zeigt die Uhr also zehn Minuten nach zehn an. Quelle: Presse
    Greubel & Forsey Art PieceDiese Uhr ist in ihrer Funktion eigentlich überhaupt nicht kompliziert. Vor allem gemessen daran, dass diese kleine Schweizer Manufaktur auch Uhrwerke mit vier Tourbillons baut. Das Geheimnis dieser Uhr ist versteckt und nur durch die in der Krone verbaute Lupe zu sehen: Eine Skulptur des britischen Künstlers Willard Wigan, der bekannt wurde, weil er unterm Mikroskop per Hand seine Skulpturen vom unglaublichen Hulk bis zu sieben Kanälen in Nadelöhre verbaute. Welche Skulptur in dieser Uhr entsteht, darf der künftige Besitzer für einen Preis von mehr als einer Million Euro mitbestimmen. Quelle: Presse
    Van Cleef Arpels Midnight PlanetariumDiese Entwicklung hat sich Van Cleef Arpels von einem unabhängigen Uhrmacher eingekauft. Zu sehen sind die Sterne. Sie bewegen sich in Echtzeit umeinander und bilden so die natürliche Bewegung nach. In der Mitte die Sonne. Immerhin: Der kleine Meteorit zeigt grob auch die Uhrzeit auf einer 24-Stunden-Skala an. Quelle: Presse

    Deshalb braucht Hutkai einen präzisen Blick. Denn die Zeiger verfärben sich bei großer Hitze von gelb über rot und hellblau bis grau – in etwa so wie ein Steak, das zunächst blutig rot, dann rosa und am Schluss ungenießbar wird.

    Echtes Handwerk

    Um in dem Bild zu bleiben: Hutkais Zeiger sind gewissermaßen medium rare, das Glashütter Blau medium. Zunächst liegen die winzigen Zeiger in einer Metallschale. Dann erhitzt Hutkai sie über der Flamme einer Lötlampe. Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, bis er die notwendige Fertigkeit besaß. Echtes Hand-Werk eben. Aber seine Chefin legt großen Wert auf penibelsten Aufwand – selbst an Stellen, die für die Augen der Kunden unsichtbar bleiben. Andernfalls könnte sie den Preis nicht rechtfertigen. 200 Stück sollen die Manufaktur dieses Jahr am Ende verlassen haben. Das günstigste Modell kostet 21.400 Euro, das teuerste Exemplar 168.000 Euro. In derselben Preisklasse spielt Platzhirsch A. Lange & Söhne.

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      Die zehn teuersten Uhren der Welt
      Platz 10: Vacheron Constantin New Traditionnelle WeltzeituhrDas Kaliber 2460 WT aus Platin zeigt alle 37 Zeitzonen an und ist somit die erste Weltzeituhr der Schweizer Manufaktur Vacheron Constantin. Über der Weltkarte, die auf einem Metallzifferblatt angebracht ist, liegt eine Saphirscheibe, die Tag und Nacht durch ihre zur Hälfte verdunkelte Fläche anzeigt. Die Referenzstädtenamen sind ebenfalls auf der Scheibe aufgebracht. Preis: ca. 78.000 EuroQuelle: Men's Journal Quelle: PR
      Platz 9: L.U.C Tourbillon Qualité Fleurier FairminedDie L.U.C Tourbillon QF Fairmined ist die erste Uhr der Welt, die aus sogenanntem Fairminded Gold hergestellt ist. Das Gold der Tourbillon-Uhr, die einen Durchmesser vom 43 Millimetern, eine Gangreserve von neun Tagen und teils satinierte, teils polierte Oberflächen hat, stammt aus kleinen, handwerklich betriebenen Minen, die den Anforderungen des Fairminded-Siegels entsprechen. Das heißt, es gelten strenge Vorgaben über soziale Entwicklung, Umweltschutz, Laborbedingungen und die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb einer Bergbaugemeinschaft. Preis: ca. 114.400 Euro Quelle: PR
      Platz 8: Montblanc Villeret 1858 ExoTourbillon ChronographeDer ExoTourbillon Chronographe ist der erste Zeitmesser der Montblanc-Kollektion Villeret, der einen Tourbillon und eine Chronographenfunktion miteinander verbindet. Umhüllt von einem Weißgold-Gehäuse tickt im Inneren ein Handaufzug-Kaliber MBM 16.60. Der Durchmesser des Gehäuses liegt bei 47 Millimetern, die Gehäusehöhe umfasst 16,2 Millimeter. Die Gangreserve der Uhr beträgt 55 Stunden. Preis: ca. 210.000 Euro Quelle: PR
      Platz 7: A. Lange & Söhne Lange 1 Tourbillon Ewiger KalenderDer klassische Mechanismus des ewigen Kalenders wird in diesem Modell neu umgesetzt. Statt auf einem Hilfszifferblatt werden die Monate auf einem außen liegenden Ring angezeigt, sodass sich keine Anzeige mit einer anderen überschneidet. Der Tourbillon ist durch den Saphirglasboden zu erkennen. Preis: ca. 264.000 Euro Quelle: PR
      Platz 6: Hublot MP-05 LaFerrariDie MP-05 LaFerrari wurde von Ingenieuren und Uhrmachern der Manufaktur Hublot zusammen mit dem Autobauer Ferrari als Hommage an den gleichnamigen Sportwagen gestaltet. Die Uhr besteht aus 637 Werkteilen, verfügt über ein Tourbillon und elf in Serie geschaltete Federhäuser, die in der Mitte angeordnet sind. Mit ihrer Gangreserve von 50 Tagen – umgerechnet sind das 1200 Stunden – stellt die Uhr einen neuen Weltrekord auf. Preis: ca. 273.000 Euro Quelle: PR
      Platz 5: Greubel Forsey Double Tourbillon 30° TechniqueIn diese Uhr ist ein um 30 Grad geneigtes Doppel-Tourbillon integriert. Das Metall des Gehäuses besteht aus Platin oder Rotgold 5N, das Uhrwerk aus Schwarzchrom. Präsentiert wird der Double Tourbillon Technique 30° in zwei limitierten Editionen mit 22 Exemplaren mit 385 farblich aufeinander abgestimmten Teilen. Preis: ca. 491.000 Euro Quelle: PR
      Platz 4: Harry Winston Histoire de Tourbillon 5Das fünfte Modell der 2009 gestarteten Serie "Histoire de Tourbillion" ist ein echtes Unikat: In die HW 4303 sind 57 Juwelen integriert, im Inneren sind 381 Einzelteile eingesetzt. Die Minuten und Stunden werden jeweils auf einzelnen Scheiben angezeigt. Die Uhr besteht aus 18-karätigem Roségold und hat eine Gangreserve von 50 Stunden. Preis: ca. 519.000 Euro Quelle: PR

      Die Marke ist weiterhin die bekannteste des Ortes. Im Luxusmarkenranking der WirtschaftsWoche aus dem Jahr 2014 zum Beispiel belegte der Uhrenhersteller den ersten Rang, genauso wie im Vorjahr – noch vor Sportwagenhersteller Porsche oder Nobelküchenfabrikant Poggenpohl. Mit diesem Glanz schmücken sich auch Politiker gerne.

      Die Fehlertoleranz liegt bei Null

      Ende August kam Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Glashütte, um neue Gebäude zu eröffnen. Johann Rupert, Eigner des Luxusgüterkonzerns Richemont – zu dem Lange neben Marken wie Cartier, Jaeger-LeCoultre oder Officine Panerai gehört –, reiste extra aus seiner Heimat Südafrika an.

      Von den neuen Hallen blicken die Uhrmacher nun auf das Grün des gegenüberliegenden Hügels. Es gibt endlich ausreichend Platz – und der ist auch notwendig, etwa für die sogenannten Unruhkloben. Dafür führen die Uhrmacher einen Stichel sachte durchs Metall. Einen Tick zu kräftig, dann würde sich die Schneise durch das Bauteil ziehen – das dann wieder neu aufbereitet werden müsste. Doch der Käufer einer Lange-Uhr mit Glasboden kann den Kloben gut sehen. Deshalb liegt die Fehlertoleranz exakt bei null.

      Arbeits-Eifer und Liebe fürs Detail

      Zwei Gebäudeteile hat die Bundeskanzlerin zusammen mit Walter Lange eröffnet. Das Einzige, was fehlt, ist eine Kantine – weil die Mitarbeiter sie ablehnten. Eine Befragung hatte ergeben, dass die meisten lieber mittags ihr eigenes Essen verzehren und Zeit sparen wollen.

      Diesen Eifer, gepaart mit Liebe fürs Detail und handwerklicher Expertise, wissen auch andere ortsfremde Unternehmer zu schätzen. Roland Schwertner zum Beispiel. Der gebürtige Düsseldorfer, im ersten Berufsleben EDV-Spezialist und Modefotograf, besuchte Glashütte schon als Kind, seine Tante Else und sein Onkel Heini lebten hier. Mit ihm ging er damals regelmäßig in die örtliche Eisdiele. 1990 meldete er die Marke Nomos Glashütte/SA an. Heute gilt die Firma als Marktführer im Segment von Uhren zwischen 1000 und 5000 Euro.

      Die Hälfte der Teile muss aus eigenem Hause sein

      Bei Nomos, mit Sitz am Ferdinand-Adolph-Lange-Platz 2, ist alles ein wenig anders, bunter und lustiger. In der untersten Etage des Entwicklungs- und Fertigungsgebäudes oberhalb des Ortes herrscht mittags in der Kantine Andrang. Schwertner wählt den Möhrenreibekuchen mit Quark genauso vergnüglich, wie er auf der Basler Uhrenmesse Auskünfte erteilt. Seit 25 Jahren ist er nun dabei. Noch immer wirkt er, als nehme er das Gehabe um Kaliber, Kloben und Konstruktionen nicht ganz ernst. Fast so, als sei er sich bewusst, dass die 200 Mitarbeiter Dinge produzieren, die keiner braucht, viele haben wollen – aber sich nur wenige leisten können.

      So edel sind die Luxusuhren der Schweizer Uhrenmesse
      SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie) Uhrenmesse in Genf Quelle: Presse
      Lange und Söhne - Zeitwerk Minutenrepition Quelle: Presse
      Mont Blanc - Timewalker e-Strap Quelle: Presse
      Vacheron Constantin - Split Chronograph Quelle: Presse
      Vacheron Constantin - Split Chronograph Quelle: Presse
      Audemars Piguet - Diamond Punk Quelle: Presse
      Officine Panerai - Mare Nostrum Quelle: Presse

      Umso erstaunlicher ist der weite Weg, den Schwertner und sein geschäftsführender Mitgesellschafter Uwe Ahrendt gegangen sind, um als Uhrenhersteller möglichst autark produzieren zu können. Sie könnten die Uhrwerke mit mehr zugekauften Teilen produzieren, aber Ahrendt und Schwertner wirken, als wollten sie erst Ruhe geben, wenn sie alles in den eigenen Hallen anfertigen.

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        50 Prozent der Teile müssen aus dem eigenen Haus stammen, das besagt die Glashütter Regel. Um das zu klären, treffen sich die Wettbewerber notfalls vor Gericht.

        Streit vor Gericht

        Das war schon 1904 so, als der erste öffentliche Streit um die Regel ausbrach. Und auch 2005, als Nomos Glashütte die Nachbarfirma Mühle verklagte, weil sie mit den verbauten Schweizer Werken zu wenig Wertschöpfung in den Ortsgrenzen schuf. Wo „made in Glashütte“ draufsteht, soll auf keinen Fall „made in Swiss“ drinstecken. Da hört der Spaß dann auf. Thilo Mühle erinnert sich noch gut daran.

        Sein Vater hatte den Familienbetrieb im Jahr 1994 wiedereröffnet. Doch im Jahr 2007 wurde Mühle Glashütte zu einer Vertragsstrafe von 63 Millionen Euro verklagt. Mit einer Planinsolvenz gelang es Mühle, das Unternehmen zu retten. Mühle und Nomos-Chef Ahrendt waren früher in einer Schulklasse. „Wir grüßen uns wieder, wenn wir uns sehen“, sagt Mühle.

        Ohne Nachwuchs ist die Industrie chancenlos

        Er hat seit der Niederlage investiert, in Maschinen und Material. „Die Planinsolvenz war auch eine Art Befreiung“, sagt Mühle. Er ist Unternehmer, kein Manager – anders als die Chefs der beiden großen Marken des Ortes, Lange und Glashütte Original. Sein Ururgroßvater Robert lernte noch bei Moritz Großmann. Großvater Hans gründete nach der Enteignung 1945 sofort ein Unternehmen, Vater Hans-Jürgen konnte als einer von vier Geschäftsführern des VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) die Gelegenheit ergreifen und die Mühle Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik wiederbeleben. Sohn Thilo hat infolge der Insolvenz die Modellpalette von 130 auf jetzt 55 Varianten verringert, die Mitarbeiter konnte er halten, 54 sind es heute. Der Sohn ist optimistisch. Wie soll er auch anders, bei so einem Spruch auf dem Familienwappen: „Weder durch Hoffnung, noch durch Furcht“.

        Es sind Geschichten wie diese, die die Zukunft von Glashütte sichern. Denn ohne Nachwuchs wäre die Industrie chancenlos. Doch über allem schwebt die Frage: Wer hat Lust, in Zeiten von Smartphones und -watches noch Uhrmacher zu werden? Wer tut sich das an, die mühsame, einsame, stundenlange Tüftelei?

        Uhrmacher-Lehrlinge von Swatch

        Ein Teil der Absicherung gegen den Nachwuchsmangel sitzt unter dem Dach der Uhrmacherschule Alfred Helwig. Von 1878 an schulte ihr geistiger Vorgänger den Nachwuchs. Seit 2001 bildet die sächsische Uhrenmanufaktur jedes Jahr Uhrmacher aus, vor wenigen Monaten erhielten 13 junge Nachwuchskräfte ihr Abschlusszeugnis. Anders als im Labor zeigten sie sich eher ungeduldig: Sie schafften die Ausbildung sogar in 3 statt der üblichen 3,5 Jahre.

        Lifestyle



        Die Marke Glashütte Original ist eine Tochter der Swatch Group. Sie hat das Deutsche Uhrenmuseum in der Ortsmitte finanziert, das seit 2008 an die Geschichte des mechanischen Uhrenbaus im Ort erinnert. Swatch-Erfinder Nicolas Hayek, bekannt und reich geworden durch preiswerte Massenware, begegnet den Besuchern dort rasch. Für die Einwohner kein Problem. Sie wissen, dass es dem Ort ohne die sachliche Expertise und die monetären Investitionen aus der Schweiz nicht so gut ginge.

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          Pointe der Geschichte: Nun lernen die Nachwuchsuhrmacher eben in einem Schweizer Unternehmen die Kunst der Perlage, des Anglierens und der Montage der winzigen Teile. Die Schüler sind tief gebeugt über ihrer Aufgabe an den Uhrmachertischen, die die Tischplatte auf Brusthöhe haben. Selbst auf Fragen antworten sie im verhaltenen Tonfall. Fast so, als wollten sie die allgegenwärtige Stille des Ortes nicht stören.

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