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Südafrika Wo Beckenbauer, Schörghuber und Dornier Winzer sind

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Ruhe und Luxus

Die prominenten Hobby-Winzer mögen in Sachen Qualität Nachholbedarf haben, beim Marketing haben sie Vorteile. Selbst der scheue Industriellenenkel Raphael Dornier nutzt seinen Namen zu Werbezwecken. Sein Weingut ist wie geschaffen für Menschen, die ihre Ruhe haben und dabei auf Luxus nicht verzichten wollen. Wer das Haupthaus betritt, fühlt sich wie ein Adeliger. Das Portal aus Eichenholz führt in eine Eingangshalle mit dunklem Terrakotta-Boden, im Saal nebenan hängen Kristallleuchter an der Decke, durch die französischen Flügeltüren sind die majestätischen Helderberge zu sehen. Man hört nichts außer ein paar zwitschernden Vögel.

Verständlich, dass sich Raphael Dornier hier wohlfühlt, denn zu viel Trubel mag der Enkel des Flugzeugfabrikanten Claude Dornier nicht. Am liebsten zieht sich der gebürtige Münchner auf seine Privatfarm zurück, die tiefer im Tal noch abgeschiedener liegt. Das Weingut hingegen heißt auch Besucher willkommen. Zum Glück, denn das Anwesen gehört zu den schönsten der Region rund um Stellenbosch. Das Haupthaus entstand nach dem Stil des britischen Stararchitekten Herbert Baker. Raphaels Vater Christoph Dornier, ein Mäzen und Maler, fügte dem fürstlich anmutenden Besitz noch eine zeitgenössische Note hinzu: Er entwarf einen Weinkeller, dessen Dach Wellen wirft – ein Symbol für fließenden Wein.

Sein Gut hört auf seinen Nachnamen, im noblen Bodega-Restaurant, das sogar Besucher aus dem 60 Kilometer entfernten Kapstadt anzieht, hängen Bilder von den fliegenden Maschinen seines Großvaters, darunter auch Wasserflugzeuge. Eines davon landete vor 90 Jahren am Kap: das erste, das den Kontinent von Nord nach Süd überflog.

Peter Falke taucht mindestens alle sechs Wochen auf seiner Farm in der Nähe von Stellenbosch auf. Zum Dämmerschoppen hat sich der Sauerländer Sockenfabrikant im Garten vor seinem weiß getünchten Gutshaus niedergelassen: Die Helderberge strahlen im Abendrot, es wird ein leichter Chardonnay gereicht.

Die Familie Falke stellt seit mehr als 100 Jahren Socken und andere Textilien her, inzwischen auch in Südafrika. Der 65-jährige Urenkel des Firmengründers fand im Kapland ein zweites Zuhause. Auch Falke taufte seine Farm auf seinen Namen, auch er sucht Besucher mit coolem Jazz und „al fresco“-Häppchen am Wochenende oder an Sommer-Nachmittagen auf sein Gut zu locken.

Trotzdem hält er es für „dummes Zeugs“, dass das südafrikanische Weinland zum „Schickimicki-Wallfahrtsort“ werde: „Dafür ist die Arbeit hier viel zu beschwerlich.“ Zum schnellen Geldverdienen sei die Region ungeeignet, aber darum gehe es auch nicht. „Wenn Sie nur vom Geld und nicht vom Gestaltungswillen getrieben sind, dann klappt es nicht“, sagt Falke. Das gilt für die Sockenfabrik – aber genauso für das Weingut.

Das dürfte inzwischen auch Franz Beckenbauer eingesehen haben. Er war dem Charme der Region während der Fußball-WM 2010 verfallen. Zwei Jahre später begann er mit der Suche nach dem passenden Objekt und wurde zwischen den Städtchen Paarl und Malmesbury fündig.

Der kaiserliche Landsitz am Fuß des Paardebergs wurde vom Boden bis zum Dachgiebel grunderneuert. Große Fenster geben den Blick in eine endlos erscheinende Weite frei, auf der Veranda steht ein vier Meter langer Weinprobentisch aus Holz. Vor dem Haus hat das 40-köpfige Personal einen Garten mit einheimischen Pflanzen angelegt, dahinter steht der mit Holzfässern und Edelstahltanks neu eingerichtete Weinkeller. Opperman produzierte in der vergangenen Saison 140.000 Flaschen. Zum Vergleich: Ein deutsches Prädikatsweingut schafft im Schnitt 171.000. 90 Prozent verkauft Lammershoek auf dem europäischen Markt, die Preise liegen bei bis zu 60 Euro pro Flasche.

Trotzdem ist Opperman noch nicht profitabel. In diesem Geschäft brauche man vor allem Geduld, sagt der Kellermeister. Ein prominenter Name kann auch nicht schaden. Eine Kollektion hat Opperman „Libero No. 5“ getauft, auf dem Etikett ist Beckenbauers Gesicht abgebildet. Und wie bewerten Experten die Weine? „Kaiserlich“, sagt einer, der lieber anonym bleiben will, „ist dann doch was anderes.“

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