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Art Basel Miami Beach: Eric Nado Quelle: Getty Images

Wozu noch Kunst?

Das "Superkunstjahr" 2017 ist vorüber. Und - war was? Die Branche sorgt allenfalls noch für Zerstreuung - und teilt sich ansonsten in Mikro-Märkte. Ihre Akteure haben sich nichts mehr zu sagen.

Dass wir es erst 2027 mit dem nächsten „Superkunstjahr“ zu tun bekommen, hat nur auf den ersten Blick etwas mit dem „kgV“ von drei großen Branchentreffen zu tun - also mit der Tatsache, dass die Biennale in Venedig (alle zwei Jahre), die documenta in Kassel (alle fünf Jahre) und die Skulptur.Projekte in Münster (alle zehn Jahre) nur alle zehn Jahre gleichzeitig stattfinden können.

Der eigentliche Grund für die Rede vom „Superkunstjahr“ ist der beispiellose Triumphzug der Kunst selbst: Es gibt Superkünstler und Supersammler, Supergaleristen, Superausstellungen und Superpreise - kein Zweifel, die Branche hat es in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren tatsächlich geschafft, zu einem öffentlichen Thema von allgemeinem Interesse zu werden. Oder anders gesagt: Wir erleben keine Superkunstjahre für Kenner, Kritiker und Connaisseure mehr, sondern Superkunstjahre der Stehempfangprofis, Distinktionsjäger und Geldeliten. Nie war Kunst so wichtig und bedeutungslos zugleich.

Was muss Kunst heute nicht alles können und tun und leisten und sein! Sie soll Unternehmen dabei helfen, die Kreativpotenziale ihrer Mitarbeiter zu heben. Sie dient als Museum, Ausstellung oder Event der touristischen Vermarktung von Metropolen. Sie reüssiert als Society-Faktor auf dem Boulevard der unterhaltsamen Zeitverbringung in Form von dutzenden Messen und Gallery-Weekends für alle Portemonnaies - und sie schafft es in Form von immer neuen Auktionsrekorden regelmäßig auf die Titelseiten von Tageszeitungen und Online-Portalen.

Aber wer schafft hier eigentlich was und wen? Wenn Kunst nicht mehr, wie der Soziologe Niklas Luhmann mal meinte, ein gesellschaftliches Funktionssystem zur Hervorbringung von Beobachtungen zweiter Ordnung ist, das unsere Vorstellungen des Sichtbaren und Unsichtbaren variiert, wenn sie uns nicht mehr die Möglichkeit verstattet, unsere Weltwahrnehmung produktiv zu stören, weil sie ganz Teil der Welt geworden wäre, von der zu abstrahieren, sich zu distanzieren einmal ihre Grundbedingung war, kurz: wenn ihr als eine Art Subsystem nur noch eine nützliche, unterhaltende, aufsehenerregende Nebenrolle zufiele, ganz so wie auch der Sport sie besitzt - welches Selbstverständnis könnte sie dann eigentlich noch entwickeln (um von der Frage nach ihrem Sinn mal ganz zu schweigen)?

Es ist kein Zufall, dass es eine Antwort auf diese Frage nicht mehr gibt: Die Kunst sorgt nicht nur für Zerstreuung, sondern sie zerstreut sich auch - in Mikro-Märkte, die je ihre eigenen Spielregeln haben und deren Akteure sich nichts mehr zu sagen haben.

Kunstkauf für alle

Vielleicht wird 2017 künftigen Kunsthistorikern mal in Erinnerung bleiben als ein Wendejahr, in dem nicht nur „der Künstler“ als Ideal eines autonomen Subjekts, nicht nur „das Kunstwerk“ als transzendierte Realität mit der Aura überzeitlicher Gültigkeit und nicht nur „das Betrachten“ als affizierende Kommunikation zwischen Künstler, Werk und Zuschauer auf dem Friedhof der Theoriegeschichte landeten - sondern „die Kunst“ schlechthin als soziologische Elementartatsache.

Denn tatsächlich hat man sich den zeitgenössischen Kunstbetrieb als eine Art Mehrspartenkonzern vorzustellen, der keine Bedürfnisse mehr befriedigt, sondern erzeugt, um seine Kunden im Wege eines forcierten Peergroup-Caterings maximal auszubeuten, pardon: perfekt zu bedienen. Mindestens fünf Sparten, die weitgehend hermetisch voneinander abgeriegelt sind, sind dabei zu unterscheiden. Ein kleines Resümee - und ein Überblick.

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