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Uhren-Design Die Architekten der Zeit

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Vom minimalistischen Design bis hin zu High-Fashion-Uhren

Der Bedarf der Industrie, gepaart mit der Nähe zu den großen Marken, hat die führenden Köpfe der Head-Hochschule vor zweieinhalb Jahren dazu motiviert, einen Lehrstuhl für Uhrendesign ins Leben zu rufen. Die Abschlussprojekte der Bachelor-Absolventen verdeutlichen, wie sehr die Dozenten auf Kreativität pochen.

Die einen Studenten haben High-Fashion-Uhren entworfen, die mit Blüten oder langen bunten Federn besetzt sind. Andere setzen auf schlichte Modelle mit rot-weißem Lederarmband, die an den Motorsport angelehnt sind. Wieder andere haben minimalistische, pastellfarbene Designs kreiert, mit integrierter, beweglicher Kugel auf dem Ziffernblatt, an der die Träger zum Stressabbau drehen können.

Jeder Student solle einen anderen Ansatz für seine Uhr verfolgen, sagt Valérie Ursenbacher. Die kleine Frau mit den langen dunkelblonden Locken und blauen Augen leitet seit Anfang 2017 den Lehrstuhl für Uhrendesign. Manchen Studenten gehe es darum, ein Gefühl für die Vergänglichkeit der Zeit zu erzeugen, andere wollten Eleganz und Lebensfreude vermitteln. Diese Vielfalt ist ausdrücklich erwünscht.

Ursenbacher favorisiert unter allen Abschlussprojekten die Arbeit von Sandra Garsaud. Die Bachelor-Absolventin hat Modelle für Kinder verschiedener Altersklassen entworfen, mit heller Buchenholzfassung, Kautschukarmbändern und Aluminiumgehäuse. Für die Jüngsten besteht das Ziffernblatt aus Mond und Sternen oder Messer und Gabel, für die älteren werden die Bilder nach und nach durch Zahlen und verschiedenfarbige Minuten- und Sekundenzeiger ersetzt. Kürzlich zeigte die Studentin ihre Uhren auf einer Ausstellung in Mailand.
Ihre Disziplin sei „vergleichbar mit Architektur“, sagt Ursenbacher. Und tatsächlich wirken die Entwürfe, die auf einem langen Tisch in der Mitte eines hellen Kursraums liegen, wie architektonische Skizzen. Ursenbacher lässt ihre Studenten präzise perspektivische Zeichnungen von Uhren anfertigen, bei denen sie auch den Lichteinfall und die Schatten mitbeachten müssen.

Außerdem sei wichtig, dass die Studenten nicht nur die Ästhetik gestalten, sondern auch die Mechanik des Uhrwerks verstehen. Deshalb umfasst ihr Fach auch Kurse in Zusammenarbeit mit dem Mikromechanik-Lehrstuhl der Genfer Ingenieurhochschule. Ursenbacher will den Studenten klarmachen: Für eine Uhr braucht es nicht nur feingeistige Designer, sondern auch fleißige Ingenieure – und reibungsloses Teamwork. An einem einzigen Modell arbeiten bis zu 25 verschiedene Personen, ob fürs Uhrwerk, für die Zeiger, das Gehäuse oder die Schnalle am Armband. Für jedes Element gibt es eigene Spezialisten.

Eine Uhr ist eben doch mehr als nur Schmuck. Und gerade das finden die Studenten so reizvoll.

Zeitlose Schönheit

Die Neuheiten auf der Baselworld
Rolex: GMT-MasterAls Modell "126710 BLRO" stellt Rolex ein Modell vor, dass dank seines Farbverlaufs auf der Lünette auch den Zusatz "Pepsi" liebevoll von den Fans der Marke angehängt bekommen hat. Einst als Weißgoldversion kommt sie nun in Stahl auf den Markt. Quelle: PR
Hublot Big Bang Unico Red Magic Quelle: PR
Patek Philippe: Reference 5531RHinter dem prosaischen Kürzel verbirgt sich eine Uhr, die dem Weltreisenden die Zeitzonen anzeigt. Und wenn er möchte, schiebt er den Hebel links am Gehäuse und es ertönen per Klangfedern die Stunden und Minuten - der sogenannten Minutenrepetition.
Nomos Glashütte „Autobahn“ Quelle: PR
Schwarz Etienne Roswell 08 Quelle: PR
Chopard Happy Sport Quelle: PR
Ferdinand Berthoud Chronomètr FB-1R.6-1 Quelle: PR

Auch Martin Guillet, der an diesem Apriltag mit roten und gelben Filzstiften an einem Tisch sitzt und drei Kreise auf dem Ziffernblatt seines Chronographen nachzeichnet. „Wer Schmuck entwirft, ist freier und kann mit sämtlichen Formen arbeiten“, sagt er. Bei einer Armbanduhr sei das nicht möglich. „Wir haben Bewegung im Kern, wir müssen die technischen Aspekte beachten. Es gibt beim Design viel mehr Restriktionen. Das macht es so herausfordernd.“

Der 24-Jährige ist im zweiten Bachelor-Studienjahr. Sein Traum ist es, später als Designer für die großen Uhrenlabels zu arbeiten. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich: Viele Head-Absolventen arbeiten für Labels wie Olivier Vaucher, Romain Jérôme oder Harry Winston. Doch bevor es so weit ist, programmieren sie stundenlang 3-D-Modelle und grübeln über Proportionen, Maße und Materialien, ehe sie Prototypen mit 3-D-Drucker oder CNC-Fräse erstellen können.

Uhrendesigner und Dozent Nicolas Mertenat sieht die Hightechkonkurrenz von Apple oder Samsung nicht als Gefahr – weder für sein Kerngeschäft noch für die berufliche Zukunft seiner Studenten. Im Gegenteil: Er glaubt, dass es in Zukunft viel mehr Hybridprodukte aus mechanischen und smarten Uhren geben wird. „Aber die klassischen Uhren wird es daneben trotzdem immer geben“, sagt Mertenat, „sie sind einfach zeitlos schön.“

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