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Was Kobe-Beef so besonders macht "Die Kühe hören gerne klassische Musik"

Es ist das teuerste Fleisch der Welt: Kobe-Beef. Um das Rindfleisch der seit 2000 Jahren existierenden Rasse ranken sich Mythen. Nicht alle sind falsch, sagt der Züchter Kyuoko Tanaka.

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Rinderzucht in Japan Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Tanaka, Sie züchten die Rinder von denen das Kobe-Beef stammt. Früher kamen winzige Mengen mit Diplomatengepäck nach Deutschland, seit 2014 exportiert Japan nach Europa und hat dafür extra die Vorgaben der EU bezüglich der Schlachthöfe erfüllt. Warum die Mühe?
Kyuoko Tanaka: Wir möchten mit unserem Fleisch die Menschen glücklich machen. Und die Zahl der Interessenten weltweit hat zugenommen, auch in Deutschland, wo wir mit unserem Importeur Herrn Albers seit Jahren gut zusammenarbeiten.

Waren es nicht vielleicht eher Absatzschwierigkeiten, die es nötig machten, sich für den Export zu interessieren?
Am Ende ist es natürlich ein Wirtschaftsgut, das wir herstellen und verkaufen müssen. Aber wir exportieren gerade mal 25 Prozent unseres Fleischs, der Rest verbleibt in Japan.

Sollte der Exportanteil höher sein?
Dem stehen auch die hohen Zölle entgegen. Unser Fleisch kostet in Europa etwa drei Mal so viel wie in Japan. Wir hoffen aber, dass durch ein Abkommen zwischen Europa und Japan diese Zölle wegfallen, so dass mehr Menschen Kobe-Fleisch genießen können. Die Menge, die in Japan produziert wird, ist aber nicht gestiegen. Im Gegenteil, es sind weniger geworden. Es werden im Jahr etwa 60.000 Tiere zu Kobe-Beef verarbeitet.

Zur Person

Was ist so besonders an Kobe-Beef?
Zunächst muss man einige Begriffe klären. Solange die Kuh lebt, heißt sie Tajima, das ist eine Rasse, die so seit 2000 Jahren in Japan gehalten wird. Sie wurden in dieser Zeit mit keiner anderen Rasse gekreuzt. Nicht von allen Tieren, die gezüchtet werden, wird anschließend auch Kobe-Beef hergestellt. Und von den Tieren, die die Voraussetzungen erfüllen, werden nur die besten Teile genommen und als Kobe-Beef deklariert, die auch aus der Präfektur Hyogo mit dem Verwaltungssitz Kobe stammen müssen. Die Haltungsbedingungen sind sehr aufwändig.

Stimmen die Klischees, die landläufig über japanische Kobe-Rinder berichtet werden, zum Beispiel dass sie massiert werden und Bier trinken?
Einige der Geschichten stimmen, ja. Aber sie werden nicht massiert, sie werden gebürstet. Es geht dabei nicht allein um die mechanische Wirkung, sondern auch die Zuwendung, die das Tier erfährt. Jeder Mitarbeiter hat deswegen einen festen Stamm an Tieren, um die er sich kümmert. Und sie bekommen kein Bier, sondern die Maische, die bei der Produktion von Bier anfällt. Aber wir benebeln die Ställe im Sommer zum Beispiel auch, um die Tiere zu kühlen. Wir halten derzeit 270 Tiere und sind damit einer der größeren Betriebe. Wir würden gerne mehr halten, es ist aber recht schwer, den Betrieb zu vergrößern.

Was sind die Probleme?
Die Tiere haben eine empfindliche Konstitution. Sie müssen sich intensiv um jedes einzelne Tier kümmern – da können sie nicht so einfach expandieren. Das Tajima-Rind ist auch die kleinste Kuh der Welt. Ein Ochse wiegt etwa 700 Kilo, wenn er ausgewachsen ist, eine Kuh etwa 600 Kilo.

Bei uns haben alle Kühe einen Namen. Wir sind inklusive mir sechs Mitarbeiter, die sich täglich um die erwachsenen Tiere kümmern, ein bis zwei Stunden verbringen wir mit einem Tier. Bis sie acht Monate sind, leben sie auf den Weiden, die Schlachtreife erreichen sie im Alter zwischen 30 bis 40 Monaten. Im Stall läuft klassische Musik. Rhythmisch intensive Musik mögen sie nicht. Auch Wiederholungen mögen die Tiere nicht, wir haben einen Dienst, der stets neue Musik anbietet. Ich selber höre allerdings lieber andere Musik.

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