Weinbau Durch die besten Lagen klicken

Terrassen-Weinbau in Winningen an der Mosel Quelle: PR

Sie heißen Katzenbeißer, Himmelreich oder Goldberg: Lagen spielen im Weinbau eine zunehmend große Rolle. Nun gibt es ein neues Projekt, das potenzielle Kunden virtuell in den Weinberg reisen lässt.

Um zu verstehen, worum es geht, muss man schon zurückschauen in eine Zeit als die Erdplatten sich verschoben und die Welt so langsam zu der wurde, die sie heute ist. Und zum Sprung bis heute noch über Weinbau in der Antike sprechen. Reinhard Löwenstein steht am Fuße des Weinbergs Uhlen Blaufüsser Lay in Winningen an der Mosel. Terrassenmosel heißt das und der Betrachter versteht dank der dem Hang abgerungenen gemauerten Terrassen sofort, warum. Hier erklärt Löwenstein, warum der Wein, der hier entsteht ein anderer ist als der, der in Sichtweite zur linken entsteht.

Mit der Hand zeigt er hinauf: "Sehen Sie da die schräg verlaufende Felsformation.?" Sie ist kaum zu übersehen. Was sich hier trennt, sind unterschiedliche Schiefergeologien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Stärke des Gefälles, Bodenzusammensetzung - alles nun nachzulesen auf der Webseite Weinbergonline des Verband Deutscher Prädikatsweingüter.

Transparenz soll Kunden locken. Verbraucher können sich heutzutage ihren Braten schon als Ferkel aussuchen und aufwachsen sehen. Beim Kaffee informieren Produzenten, welche Kleinbauern-Kooperativen die Bohnen herstellen. Und auch die Winzer erklären zunehmend: Von diesem Hang kommt der Wein, auf diesem Boden stehen die Reben, so viel Sonne scheint dort. „Klarheit über den Herstellungsprozess und die Herkunft der Zutaten“ ist nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung einer der Trends des Jahres 2018.

Der VDP, das sind die selbst ernannten Spitzenwinzer, gibt Weintrinkern künftig genau Auskunft über den geografischen Anbauort. Interessierte sehen in einem Online-Kompendium, in welchen Lagen der Wein wächst. Fotos zeigen die Weinberge, Texte beschreiben zum Beispiel ein „Wechselspiel der Wärme der Südostlage mit den kühlenden Winden“ oder einen „mittel- bis tiefgründigen, humosen Böden aus Muschelkalkmergel“. Die Nachfrage nach solchen Informationen sei sehr hoch gewesen, sagt Katja Apelt vom VDP in Mainz.

Die Basis-Karten mit den einzelnen Lagen hat das Deutsche Weininstitut (DWI) erstellt. „Die Winzer rücken die Lage vermehrt in den Fokus. Dabei geht es ihnen auch um Abgrenzung, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie können ihre Individualität herausarbeiten, können eine Geschichte erzählen und erläutern, warum ein Wein so schmeckt wie er schmeckt“, sagt DWI-Sprecher Ernst Büscher in Bodenheim. Die Lagen seien auch erlebbar, etwa wenn die Kunden mit den Winzern rausfahren, den Boden sehen und das Klima spüren könnten.

Die besten Weine des Jahres unter 15 Euro zum Fest
"Revolution White" Weingut Johannes Zillinger, Niederösterreich, 13 Euro, unter anderem erhältlich bei Fräulein Brösels WeinerwachenDas ist ja kein kleines Versprechen, dass der Name da gibt - Revolution. Es ist ein Wein, der heute als "Naturwein" oder "Natural" bezeichnet wird. Zillinger produziert ihn im sogenannten Solera-System, das ursprünglich aus der Bereitung von Sherry, Malaga oder Brandy eingesetzt wurde. Es bezeichnet die unterste Riege der Weinfässer im Keller. Die Fässer werden nach der Reife teils entleert und wieder aufgefüllt mit jungem Wein. Die Traubensorte des Revolution ist zum einen Teil Chardonnay. Die Trauben werden in 500 Liter fassenden Amphoren vergoren. Dazu kommen 25 Prozent Scheurebe und 25 Prozent Riesling. Der Wein sollte nicht zu kalt getrunken werden und behält auch nach Öffnung einige Tage im Kühlschrank lang seine Eigenschaften. Es bietet eine Spektrum an Gewürzen und zitrischen Aromen. empfohlen von Manu Rosier, Head Sommelier im Schwein Restaurant-Bar in Berlin und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017. Quelle: PR
2016 Chardonnay “S” Weingut Spiess, Rheinhessen, Deutschland 11,30 € direkt ab Weingut Dort finden sich auch weitere Bezugsquellen. Das im rheinhessischen Bechtheim ansässige Weingut Spiess deckt mit Rivaner, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Chardonnay eine Vielfalt an Weißweinen ab. Dieser Chardonnay trägt den Zusatz "S", das für "Selektion" steht. Empfohlen wird, diesen Wein etwas atmen zu lassen und nicht allzu kalt zu servieren, damit er mehr von seiner Fülle zeigen kann. empfohlen von Maximilian Wilm, Restaurantmanager & Head Sommelier im Gourmetrestaurant Seven Seas - Hotel Süllberg in Hamburg und Finalist der Sommelier-Trophy 2017.(Foto © Michael Z ellmer) Quelle: PR
2014 Schelinger Spätburgunder Orstwein Weingut Schätzle, Baden 12,50 €, Bezugsquellen über www.weingutschaetzle.deAm Kaiserstuhl liegen die Weinberge des Weingut Schätzle. Es umschreibt seine Tätigkeit so: "Wir sind keine Weinmacher, sondern Naturassistenten. Geschmeidige Lössböden, steinige Vulkanfelsen, brennende Sonnenstrahlen und leichte Regenfälle machen jeden unserer Weinberge zu einer eigenen Persönlichkeit." Dieser Ortswein hat seinen Ursprung in einer Höhenlage rund um den Ort Vogtsburg-Schelingen. empfohlen von Natalie Lumpp, Sommeliere, Autorin, Moderatorin und Inhaberin der Agentur "Wein erleben!" Quelle: PR
2014 Constable House Shiraz & Cabernet Sauvignon Beaumont Family Wines, Walker Bay, Südafrika 12,80€, Bezugsquellen über beaumont.hamburgAls Begleitung für den Weihnachtsbraten, gern mit reichlich Gewürzen, empfiehlt das Weingut diesen Wein. Es ist eine Cuvée aus den Sorten Shiraz und Cabernet Sauvignon. Benannt nach einem alten Weinberg direkt am Weingut. empfohlen von Maximilian Wilm, Restaurantmanager & Head Sommelier im Gourmetrestaurant Seven Seas - Hotel Süllberg in Hamburg und Finalist der Sommelier-Trophy 2017. Quelle: PR
2015 "Brouilly Reverdon" Château Thivin, Beaujolais, 14,90 Euro, unter anderem erhältlich bei depasquale fine winesDie Rebsorte Gamay hat die Eigenschaften, früh auszutreiben und entsprechend früher geerntet werden zu können. Es ist eine Kreuzung aus Pinot und Gouasi blanc, die bereits im 14. Jahrhundert im Burgund angebaut wurde. Das Château Thivin, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, baut den Brouilly auf sieben Hektar an. Es wird von Hand geerntet und der Wein in Stahltanks ausgebaut. Das Weingut empfiehlt, ihn zwischen 15 und 18 Grad Celsius zu trinken und verweist darauf, dass er die ersten vier bis sechs Jahre nach Abfüllung seine Fruchtigkeit bewahrt. empfohlen von Manu Rosier, Head Sommelier im Schwein Restaurant-Bar in Berlin und Teilnehmer der Endrunde der Sommelier-Trophy 2017. Quelle: PR
"2015 Les Obriers de La Pèira" Weingut La Pèira im Languedoc, 11,80€ unter anderem erhältlich bei Kierdorfwein. Cinsault und Carignan - beim Weinquiz im Freundeskreis lässt sich aus diesen beiden Sorten aus Südfrankreich eine knifflige Frage basteln. Die einst vernachlässigten Sorten sind heute wieder beliebter. Das Weinquiz wird umso spannender, sobald man sich nach den Hintergründen des Weinguts erkundigt. Es gehört dem Komponisten Rob Dougan, der die Musik zu welchem Film geschrieben hat? Richtig: Matrix. Die Weine macht die Straßburger Kellermeisterin Audrey Bonnet-Koenig, die mit dem 2015er Les Obriers ihren ersten Jahrgang dort verantwortete. empfohlen von Frank Kämmer, Master-Sommelier und Berater. Quelle: PR
2015 "vom bunten Mergel" Riesling, trocken Weingut Bernhard Ellwanger, Württemberg, 9,40 Euro, Bezugsquellen über www.weingut-ellwanger.com "Wir ELLWANGERS" - so begrüßt das Weingut die Besucher der Homepage. Und erläutert: "Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht." Und das mit Erfolg. Seit 1975 werden die Trauben selbst verarbeitet - anbauen tut sie die Familie bereits seit 1514. Inzwischen sind neben Bernhard und Ingrid auch die Kinder Sven und Yvonne nach abgeschlossenen Weinbaustudien im Weingut tätig. Das Weingut liegt 20 Kilometer östlich von Stuttgart in Großheppach im Remstal. empfohlen von Natalie Lumpp, Sommeliere, Autorin, Moderatorin und Inhaberin der Agentur "Wein erleben!" Quelle: PR

Zahlreiche Winzer benennen ihre Weine in einer aufsteigenden Qualitätspyramide etwa als Gutsweine, Ortsweine oder Lagenweine. „Es geht darum, den Boden, das Klima, den Einfluss des Mikroklimas schmeckbar zu machen“, sagt Büscher. Die Trendvokabel dazu lautet „Terroir“.

International ist es absolut üblich, nach der Herkunft zu unterteilen. „Auch in Deutschland war das historisch von besonderer Bedeutung, vor 1971 gab es tausende Lagen. Für die Winzer war es extrem wichtig, wo der Wein herkam. 1971 dann wurden größere Einheiten geschaffen, um den Markt zu straffen“, erklärt Otmar Löhnertz, Leiter des Instituts für Bodenkunde und Pflanzenernährung an der Hochschule Geisenheim. Bei der Beurteilung der Qualität stand dann meist der Zuckergehalt des Mostes im Vordergrund, mit Prädikaten wie Kabinett, Spätlese, Auslese oder Beerenauslese.

Nun also die Rückbesinnung auf Bodenbeschaffenheit, Hangneigung, Wasserhaushalt. „Wir haben das Ziel, auch eine App zu entwickeln, mit der Weinliebhaber etwa bei einer Wanderung sehen können: Aha, hier stehe ich in der Lage 'Ungeheuer'“, erklärt Sonja Reinbold vom VDP. Oder man könne einen QR-Code auf den Etiketten der Flaschen integrieren, der zur Lage online führe, vielleicht irgendwann auch mit aktuellen Infos zum Wetter am Hang oder historischen Karten.

Bei dieser Art der Vermarktung gehe es natürlich um die Spitze des deutschen Weins, sagt Professor Löhnertz. Bei einem Cuvée aus deutschen Landen spiele das keine Rolle. Außerdem gibt Löhnertz zu bedenken, dass nicht nur die Lage entscheidend ist, sondern auch der Weinstil. „Wenn die Herkunft in der Zukunft eine größere Rolle spielt, dann dürfen Sensorik und Qualität nicht nachgeordnet werden.“

Für Winzer wie Löwenstein ist es allein hilfreich, dass die Kunden realisieren, dass Weinbau in Lagen wie dem Winninger Uhlen nicht für die gleichen Preise herzustellen sind wie Weine, die in sachten Hanglagen leicht zu beackern sei.

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