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Winzer Günther Jauch "Wein verkaufen ist weniger glamourös als "Wer wird Millionär?""

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"Kein Hobby"

Warum verstecken Sie Ihren Namen auf den Weinflaschen?
Als das hier losging, kamen ungefragt Dutzende Berater auf mich zu und wollte mir erklären, wie das hier geht. Einer wollte das Weingut in „Jauch“ umbenennen, das Millionärssiegel und mein Foto vorne draufkleben. Klar hätte man das schnell machen können. Aber bei von Othegraven habe ich mich ganz bewusst entschieden, es bei der Tradition zu belassen.

Das Weingut von Othegraven ist seit mehr als 200 Jahren in Familienbesitz. Zuletzt wurde es von Jauchs Tante und Onkel geführt. Als Kind kam Jauch oft hierher, heute bewohnt er mit seiner Frau das Eckzimmer des Anwesens mit Blick auf den parkähnlichen Garten. In diesen Tagen ist er häufiger da als sonst, zumindest wenn keine TV-Sendungen anstehen.

Es ist gerade Mittagszeit, als rund 30 Menschen in den Hof kommen. Die Erntehelfer machen Mittagspause und grüßen ihren Chef. Sechs Leute arbeiten fest auf dem Weingut und kümmern sich um Keller und Weinberge.

Was haben Sie denn in den vergangenen sieben Jahren konkret getan, um das Weingut zukunftsfähig zu machen?
Das Gut hier war in allen Bereichen auf dem Stand der Fünfzigerjahre. Da wussten wir, dass wir die Weichen anders stellen müssen, dass wir zum einen hier sanieren, dann aber auch rausgehen, das Gut öffnen mussten. Trotzdem geht so was in so einem Weingut langsam. Deswegen haben wir uns am Anfang entschlossen, sofort Gas zu geben und nicht alle paar Jahre was zu machen. Und nun sieht es zum Glück gut aus.

Wie teuer ist Ihnen dieses Hobby?
Es ist eben kein Hobby. Wir haben das Glück, dass wir von dem Weingut an sich nicht leben müssen. Es gibt nun Freunde, die sagen: Es ist doch völlig egal, was das hier kostet und ob das funktioniert, Hauptsache, ihr habt es schön und sitzt abends auf der Terrasse und haut eine Spätlese nach der nächsten weg. Nur, so ist es zum Glück in Wirklichkeit nicht. Es würde keine Freude bereiten, einen Betrieb zu haben, von dem Sie wissen, dass er langfristig nicht überlebensfähig ist. Das macht ihn ja auch nicht zukunftsfähig. An wen wollen Sie denn irgendwann einmal einen solchen Betrieb übergeben?

Der Klimawandel verändert den Weinanbau
Bei vier Grad Erwärmung lägen die Bedingungen der Champagne in England.
An der Südküste Australiens würde die Weinqualität leiden.
Auch in den USA würden sich die idealen Anbaugebiete verlagern.
Und in Neuseeland würde es für Weinanbau im Norden zu heiß.

An wen würden Sie das Weingut denn gerne übergeben?
Das ist momentan noch völlig offen. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir am Markt erfolgreich sind.

Haben Sie manchmal Angst, dass Sie etwas zu spät mit dem Wein angefangen haben?
Meine Frau und ich haben mit Mitte 50 sicher spät angefangen. Eigentlich muss man das mit Mitte 30 machen und sagen: Jetzt lege ich den Grundstein für die nächsten 35, 40 Jahre. Aber Rumjammern bringt nichts. Vorher hätte ich es wegen meiner ganzen TV-Verpflichtungen gar nicht machen können. Deswegen empfinde ich das auch als Glück der späten Jahre, dass es noch mal auf mich zugekommen ist und meine Frau und ich die Chance haben, das mit Leben zu füllen.

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