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Wohlstandsentwicklung Bestimmt Geduld den Wohlstand der Nationen?

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80.000 Menschen befragt

Dieser Zusammenhang gilt für jeden Einzelnen, aber auch für ganze Nationen. Für seine Langfriststudien hat Falk das international tätige Umfrageinstitut Gallup beauftragt, 80.000 Menschen in 76 Ländern nach ihren Präferenzen, darunter auch nach der Zeitpräferenz, zu befragen. Die ausgewählten Länder repräsentieren 90 Prozent der Weltbevölkerung und 90 Prozent des Welteinkommens.

Um geeignete Fragebögen zu entwickeln, hatte Falk zuvor Laborexperimente mit Studenten der Bonner Universität durchgeführt, an der er lehrt. „So konnten wir sicherstellen, dass unsere Fragen die Präferenzen der Menschen richtig erfassen“, sagt der Ökonom.

Seine empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Geduld der Menschen in Skandinavien, Westeuropa und den englischsprachigen Ländern am größten ist, wobei es innerhalb Europas ein Nord-Süd-Gefälle gibt. Geduld und Wohlstand sind dabei eng miteinander verknüpft. „Von allen untersuchten Einflussgrößen hat die Geduld mit weitem Abstand den größten Einfluss auf das Pro-Kopf-Einkommen, sie ist der entscheidende Faktor, warum einige Länder reich, andere hingegen arm sind“, sagt Falk.

Dabei zeigt sich: Geduld ist ein langfristig wirksamer Faktor. Denn sie korreliert nicht nur stark mit den aktuellen Pro-Kopf-Einkommen der Länder, sondern auch mit deren Wachstumsraten in den vergangenen 200 Jahren. Steigt die Geduld um eine Einheit, so geht dies mit einer um 0,5 bis 1,1 Prozentpunkte höheren Wachstumsrate der Pro-Kopf-Einkommen einher. Auch innerhalb der Länder gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Geduld und Einkommen. Regionen mit geduldigeren Menschen verfügen über mehr Wohlstand als andere.

Dabei kann es im Zusammenspiel mit funktionierenden Institutionen zu einem Tugendkreislauf kommen. Ist die Bevölkerung eines Landes geduldig und handelt vorausschauend, so wird sie gute Institutionen, etwa ein unabhängiges Justizwesen, aufbauen. Auch das Privateigentum, die Vertragsfreiheit sowie freier Wettbewerb gehören zu den Institutionen, die Wachstum und Wohlstand fördern. Sie geben den Menschen Planungssicherheit, erhöhen ihre Geduld und damit die Bereitschaft, in Sachkapital und Bildung zu investieren. So könnte das Zusammenspiel der hohen Geduld in Europa mit der Entwicklung funktionierender Institutionen dazu beigetragen haben, dass die industrielle Revolution Ende des 18. Jahrhunderts auf dem alten Kontinent stattfand und der Menschheit einen bis dahin unvorstellbaren Wohlstandszuwachs bescherte.

Umgekehrt besteht die Gefahr eines Teufelskreislaufs, etwa wenn die Lebenserwartung in einem Land aufgrund eines desolaten Gesundheitswesens oder einer schlechten Sicherheitslage gering ist – und die Menschen dies auch wissen. Dann bevorzugen sie den schnellen Konsum, statt in Sachkapital oder in die eigene Bildung und die ihrer Kinder zu investieren. Dieses – mikroökonomisch durchaus rationale – Verhalten bremst nachhaltig die Wohlstandsentwicklung etwa in Entwicklungsländern. „Bessere Institutionen können helfen, eine Abwärtsspirale zu durchbrechen“, sagt Falk. Dazu bedarf es in vielen Ländern grundlegender Änderungen, auch des politischen Systems. Denn wo Diktatoren und und korrupte Eliten herrschen, lassen sich nur schwer funktionierende Institutionen aufbauen, denen Menschen vertrauen.

Jahrtausendelange Prägung

Warum aber ist die Geduld so ungleich über den Globus verteilt? Eine Antwort könnte die Migrationsgeschichte der Menschheit geben, glaubt Ökonom Falk. Als sich unsere Vorfahren vor etwa 50.000 Jahren, ausgehend von Ostafrika, aufmachten, den Globus zu erobern, erfolgten die Wanderungen nach einem Muster.

Menschen wanderten in ein Gebiet, bis der Bevölkerungsdruck dort stieg und eine oder mehrere Untergruppen weiterzogen, um neues Land zu besiedeln. „Wenn Bevölkerungen längere Zeit getrennt voneinander leben, entwickeln sie unterschiedliche Genpools“, schreiben Falk und Co-Autoren in einer gerade veröffentlichten Studie über die Ursprünge der globalen Präferenzunterschiede.

Diese Unterschiede können entweder zufällig auftreten oder durch die örtlichen Lebensumstände, etwa das Klima, ausgelöst werden, denen man sich anpassen muss, um nicht auszusterben. Weil spezifische Verhaltensweisen der Menschen über Generationen weitergegeben werden, könnten sich mit zunehmender Zeit unterschiedliche Zeitpräferenzen in verschiedenen Regionen herausbilden. Zudem könnten unterschiedliche historische Erfahrungen, die ebenfalls mit der Dauer der Trennung zunehmen, Präferenzunterschiede nach sich ziehen.

Wie Sie tote Zeit effektiv nutzen
Tipp 1: In kürzeren Einheiten denkenWer kleiner denkt, schafft oft mehr. Experten raten daher, sich den Tag in 96 kleine 15-Minuten Blöcke aufzuteilen. Das heißt nicht, dass alle Tätigkeiten nur eine Viertelstunde dauern sollen, hilft aber dabei, den Tag besser zu planen. Große Aufgaben, die vorher noch erschlagend wirkten, erscheinen so auf einmal lösbar und weniger aufwendig als noch zuvor. Und plötzlich ergeben sich plötzlich kleine 15-minütige Pausen zwischen zwei Terminen, die dann effektiv genutzt werden können. Quelle: dpa
Erledigte Aufgaben abhakenDieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern. Quelle: Fotolia
Tipp 3: Wartezeit als Pause willkommen heißenAuch locker lassen schadet nicht. Nicht jede 15-minütige Pause muss aktiv genutzt werden. Im Gegenteil: Oft ist es effektiver, 15 Minuten lang einfach mal nichts zu tun, aus dem Fenster zu schauen oder einen Tee zu trinken. Denn genau diese Pausen brauchen wir als notwendige Regenerationsphasen. Quelle: dpa
Tipp 4: ZeitmanagementBevor Sie einen Termin ansetzen, eine Konferenz oder ein Meeting, sollten Sie sich genau überlegen, wie viel Zeit Sie dafür einplanen wollen. Jede Einladung bei Outlook ist für eine Stunde, auch wenn viele Themen oft in 20 Minuten bei einem Kaffee hätten besprochen werden können. Natürlich braucht es Koordination, sobald externe Personen oder mehr als zwei bis drei Personen beteiligt sind. Aber wenn nicht jeder Teilnehmer 80 Prozent seiner Woche mit einstündigen Meetings blockiert hat, finden sich auch einfacher kurze Zeitfenster. Quelle: AP
Tipp 5: Bus- und Bahnfahrten effektiv nutzenSchon auf dem Weg ins Büro lässt sich Zeit sinnvoll nutzen. Viele Leute sind auf dem Bahnsteig, in Bussen oder Bahnen permanent mit ihrem Handy beschäftigt. Der Grund: Wer unterwegs E-Mails und Social-Media Kanäle checkt und kurz beantwortet, muss das im Laufe des Tages nicht mehr machen. Auch im Zug geht das prima, dort gibt es oft sogar Laptop-Arbeitsplätz und Steckdosen. Auch während der Wartezeiten, bis der Zug kommt, können Sie Dinge auf ihrer To-Do Liste abhaken. Quelle: REUTERS
Tipp 6: SelbstbeobachtungAchten Sie auf sich und Ihre Art zu arbeiten. Denn jeder Mensch ist anders. Während der eine ein Morgenmensch ist, der schon nach dem Frühstück viel erledigen kann, dann stehen sie früh auf und reservieren Sie sich eine störungsfreie Zeit, in der Sie in Ruhe arbeiten. Sind Sie ein Morgenmuffel und erst ab mittags so richtig warmgelaufen, dann starten Sie lieber gemütlich in den Tag. Teilen Sie sich Ihren Tag ein, so wie es Ihnen am effektivsten erscheint. Quelle: dpa/dpaweb
Tipp 7: Zeitinseln schaffenWenn Sie Ihren Tag in 15-Minuten-Blöcke aufgeteilt haben und feststellen, dass Sie komplett ausgebucht sind, schaffen Sie sich bewusst kleine Zeitinseln. Regenerationsphasen fördern die Konzentration und ein kleiner Power-Nap oder ein fünfminütiger Spaziergang fördern die Leistungsfähigkeit. Quelle: dpa

Mithilfe von Messwerten zu genetischer Distanz und Migrationsrouten von Afrika in andere Kontinente zeigen Falk und Co., dass Länder in ihren Zeitpräferenzen umso verschiedener sind, je länger der Zeitpunkt der Trennung von Populationen zurückliegt. „Die jahrtausendelange Prägung durch Lebensumstände, Schocks, Krisen und klimatische Anomalien wirkt bis heute nach“, sagt der Bonner Forscher. Die Unterschiede in den Präferenzen seien bei der Risikoscheu und dem Altruismus sogar noch stärker ausgeprägt als bei der Geduld.

Konsumbedürfnisse bremsen

Die These, dass globale Wohlstandsunterschiede im Kern auf die unterschiedliche Geduld der Bevölkerung in den betrachteten Ländern und Regionen zurückzuführen ist, dürfte kontroverse Diskussionen auslösen. Zumal höhere Geduld laut Falk mit höheren kognitiven Fähigkeiten einhergeht.

Kritiker dürften dem entgegnen, dass Geduld Folge von Wohlstand und Rechtssicherheit sei: Wer keine Not leidet und weiß, dass ihm nichts weggenommen wird, kann leichter auf sofortigen Konsum verzichten.

Um anderen Forschern die Möglichkeit zu geben, seine Berechnungen nachzuvollziehen, will Falk seine Daten demnächst der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dabei weiß er durchaus um den Schatz, den diese für die Forschung darstellen. Um ihn zu heben, dürfte Geduld – ausnahmsweise – nicht das probateste Mittel sein. Denn auch unter Forschern gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – und bekommt die wissenschaftliche Anerkennung für seine Studien.

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