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Wohlstandsentwicklung Bestimmt Geduld den Wohlstand der Nationen?

Nationaler Wohlstand: Welche Rolle spielt die Geduld? Quelle: Illustration: Martin Haake

Was macht Nationen reich? Neue wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss: Es ist auch die menschliche Geduld, die für Kapitalbildung, Investitionen und Prosperität sorgt.

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Warum sind die Dänen im Schnitt doppelt so reich wie die Spanier und die Spanier fast acht Mal so reich wie die Menschen in Angola? Warum verfügen die Kanadier über ein fünf Mal höheres Pro-Kopf-Einkommen als die Brasilianer?

Es sind solche Grundfragen der Ökonomie, die Armin Falk umtreiben. Der Direktor des Behavior and Inequality Research Institute in Bonn ist einer der forschungsstärksten Ökonomen Deutschlands – und ein interdisziplinärer Grenzgänger zwischen Ökonomie, Psychologie, Geschichte und Neurowissenschaften. Mögen andere Volkswirte mathematische Modelle kalibrieren, in denen sie das Verhalten der Menschen per Annahme festlegen. Falk bohrt tiefer. Der 50-Jährige erforscht die Wurzeln und die Bestimmungsgründe, die das Handeln der Menschen und ihren Wohlstand beeinflussen.

Falk sagt, es seien die fundamentalen Präferenzen, die das Verhalten der Menschen prägen: Geduld, Risikoneigung, Vertrauen, Altruismus, Gegenseitigkeit im sozialen Austausch. Wie diese weltweit unter den Menschen verteilt sind, war bisher weitgehend unbekannt. Um diese Erkenntnislücke zu schließen, hat Falk ein groß angelegtes Forschungsprojekt gestartet, das die Vorlieben und Neigungen der Menschen weltweit vermisst.

Das sind die 10 reichsten Menschen der Welt
Platz 10: Larry Page Quelle: REUTERS
Platz 9: Michael Bloomberg Quelle: REUTERS
Platz 8: Mark Zuckerberg Quelle: AP
Platz 7: Larry Ellison Quelle: AP
Platz 6: Amancio Ortega Quelle: REUTERS
Platz 5: Carlos Slim Helu und Familie Quelle: dpa
Platz 4: Bernard Arnault & Familie Quelle: REUTERS

Herausgekommen ist ein empirisch gestütztes Narrativ über die Wohlstandsentwicklung und -verteilung der Menschheit, das vieles über den Haufen wirft, was bisher zum gesicherten Wissensschatz der Ökonomie zählte. Zentrale Ergebnisse der Untersuchungen erscheinen demnächst im „Quarterly Journal of Economics“, einer der angesehensten ökonomischen Fachzeitschriften der Welt. So interessant Falks Erkenntnisse klingen, sie sind nicht mehr als ein neuer Erklärungsansatz. Schließlich ist er nicht der erste Ökonom, der sich der Frage widmet, warum die Menschen in einigen Ländern reich, in andern hingegen arm sind.

Schon der Urvater der Nationalökonomie, der schottische Moralphilosoph Adam Smith (1723–1790), hatte sich auf die Suche nach den Ursachen des „Wohlstands der Nationen“ begeben. Smith sah vor allem in der Arbeitsteilung und dem menschlichen Eigennutz die Quellen von Prosperität. Knapp 200 Jahre später kam der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow zu dem Schluss, dass Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft von drei Faktoren abhängen: der Menge und Qualität der Arbeitskräfte (Humankapital), den zur Verfügung stehenden Maschinen und Anlagen (Sachkapital) sowie dem technischen Fortschritt (Faktorproduktivität).

Wie Robinson Crusoe

Ungeklärt blieb jedoch die Frage, warum einige Länder über mehr und besser ausgebildete Arbeitskräfte, einen größeren und moderneren Kapitalstock und höhere Produktivität verfügen.

Der Soziologe Max Weber (1864–1920) führte Unterschiede im Wohlstand auf kulturell-religiöse Faktoren, allen voran die „protestantische Ethik“, zurück – eine Erklärung, an die später der US-Wirtschaftshistoriker David Landes (1924–2013) anknüpfte. Der US-Ökonom Jeffrey Sachs hingegen sieht die geografischen Bedingungen als entscheidend dafür an, ob ein Land reich wird oder arm bleibt. Der amerikanisch-türkische Ökonom Daron Acemoglu wiederum weist auf die Bedeutung von Institutionen wie Privateigentum und die Herrschaft des Rechts als Bestimmungsgründe für die Kapitalbildung und den Wohlstand hin.

Auch wenn all diese Faktoren den Wohlstand beeinflussen, so bieten sie dennoch keine Letzterklärung für die Unterschiede zwischen den Ländern. Denn weder die Kultur noch die religiöse Haltung, noch die Institutionen fallen vom Himmel. Menschen haben sie unter bestimmten äußeren Bedingungen entwickelt.

Was also steckt dann hinter den Wohlstandsunterschieden? „Um Wohlstand zu schaffen, muss man in Sach- und Humankapital investieren“, sagt Falk. Das aber erfordere vor allem eines: Geduld. Oder wie Ökonomen es ausdrücken: eine geringe Zeitpräferenz, also eine nur schwache Vorliebe für sofortigen Konsum.

Wo die reichsten Anleger und Sparer wohnen

Jeder nachhaltigen Investition muss eine Phase des Sparens vorausgehen. Wenn Robinson Crusoe auf seiner Insel mehr Fische fangen will, als er mit bloßen Händen aus dem Wasser holen kann, muss er ein Netz bauen. Dazu muss er zuvor einige Fische beiseite legen, von denen er sich ernährt, während er Zeit in den Netzbau investiert. „Je geduldiger die Menschen sind und je mehr sie sparen, desto mehr investieren sie in Sachkapital und Bildung – und umso produktiver und reicher sind sie“, sagt Falk.

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