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Zucker in Lebensmitteln Lemonaid darf nun doch Limonade heißen

Lemonaid soll wegen zu wenig Zucker nicht Limonade heißen dürfen Quelle: PR

Ein Hamburger Bezirksamt wollte dem Unternehmen Lemonaid verbieten, seine Getränke als Limonade zu verkaufen. Der skurril anmutende Grund: Es ist zu wenig Zucker drin. Jetzt rudert die Behörde wieder zurück.

Die Frage, die Herbert Grönemeyer 1984 stellte, ist bis heute unbeantwortet: „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Wann eine Limonade eine Limonade ist, scheint zumindest geklärt – wenn man der deutschen Bürokratie folgt. Eines der wichtigsten Kennzeichen: Limonade muss mindestens sieben Prozent Zucker enthalten.

Das bekam das Hamburger Unternehmen Lemonaid nun mitgeteilt und zwar vom Bezirksamt Hamburg-Mitte, Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt, wie der „Stern“ berichtete. Die Beamten hatten das Getränk Lemonaid Limette untersuchen lassen und dabei festgestellt, dass dies mit sechs Prozent Zuckeranteil exakt einen Prozentpunkt unter der Mindestmenge für Getränke liegt, die sich Limonade nennen dürfen.

Das ginge aus Leitsätzen für Erfrischungsgetränke des Bundesministeriums für Ernährung hervor. „Sofern die Rezeptur der Probe unverändert bleibt, kann folglich für die Probe ausschließlich eine beschreibende Bezeichnung angegeben werden. Die Bezeichnung als 'Limonade' ist nicht möglich“, zitiert der „Stern“ das Anschreiben.

Was ist dann eigentlich Sprite Zero? Keine Limonade? Sie enthält schließlich keinen Zucker. Ein Blick in die Geschichte der Limonade hilft nur bedingt – in der Antike wurde gar Wasser mit Essig als Erfrischungsgetränk angesehen. Die eigentliche Idee einer Limonade geht auf das 19. Jahrhundert zurück. „Lemon Squash“ bestand aus Zucker, Wasser und Zitronensaft.


Während es dem Verbraucher noch einleuchten mag, warum es für Fruchtsäfte Vorgaben für den Mindestgehalt an Früchten gibt, scheint die Anforderung an den Zuckergehalt kaum nachvollziehbar. Wenn es ihm nicht süß genug ist, wird er das Produkt nicht trinken. Das Produktversprechen einer Limonade liegt schließlich in der Erfrischung, nicht in der Süße.

Die derzeitig gültigen Sätze wurden am 7. Januar 2015 letztmals aktualisiert. Lange bevor in Deutschland die intensive Debatte über zu hohe Zuckeranteile in Nahrungsmitteln begann.

Lemonaid setzt seit Gründung auf einen geringeren als vorgeschriebenen Zuckeranteil, Kunden hätten sich noch nie beschwert, heißt es. Eine Umbenennung der Bio-Limonade Lemonaid Limette in „Erfrischungsgetränk“ ist deshalb für Gründer Paul Bethke keine Alternative. „Wir bieten seit fast zehn Jahren Limonade wie hausgemacht an. Wenn die Verbraucher die nicht süß genug finden würden, wäre dies sicher mittlerweile bei uns angekommen. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Kunden freuen sich darüber, endlich Limonade kaufen zu können, die aus frischen Bio-Direktsäften hergestellt ist – und eben nicht aus Zuckersirup mit Wasser.“

Am Donnerstag gaben dann die Behörden aber wieder Entwarnung: Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte werde die Limonade vorerst nicht beanstanden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Zugleich kündigte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) an, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, „dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden“. Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden, „sondern der Normalfall sein“.

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