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Lira-Krise Türkische Zentralbank greift schon wieder in Devisenmarkt ein

Die türkische Währung Lira hält sich weiterhin nahe ihres Rekordtiefs. Die Zentralbank versucht erneut den Wertverfall zu stoppen und verkauft Dollar.

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Trotz der hohen Inflation und der schwachen Währung hat die Zentralbank wiederholt ihren Leitzins gesenkt. Quelle: Reuters

Die anhaltende Schwäche der Landeswährung Lira hat die türkische Zentralbank zum dritten Eingriff am Devisenmarkt binnen zehn Tagen gezwungen. Sie habe am Freitag wegen „ungesunder Preisbildung“ erneut Dollar verkauft, wie die Währungshüter bekanntgaben.

Die Lira stand zuletzt bei 13,88 zum Dollar und damit nahe dem erst vergangene Woche markierten Rekordtief von 14,00. Die türkische Währung hat in diesem Jahr 46 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Das heizt die Inflation an, da das Land stark von Importen abhängig ist, die meist in Dollar bezahlt werden müssen. Die Teuerungsrate liegt aktuell mit 21,3 Prozent so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

Trotz der hohen Inflation und der schwachen Währung hat die Zentralbank wiederholt ihren Leitzins gesenkt – auf aktuell 15 Prozent. Von Reuters beragte Ökonomen gehen davon aus, dass sie ihn in den kommenden Wochen erneut senken wird.

Die Zentralbank hat rapide an Ansehen bei Investoren verloren. Dazu hat Präsident Recep Tayyip Erdogan beigetragen, der drei Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren verschlissen hat, was die Unabhängigkeit der Währungshüter massiv infrage stellt. Vorige Woche hat er zudem Finanzminister Lütfi Elvan nach nur rund einem Jahr Amtszeit gegen dessen bisherigen Stellvertreter Nureddin Nebati ausgetauscht.

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    Dieser verteidigt den umstrittenen geldpolitischen Kurs von Erdogan. „Zinsen sind ein Übel, das die Reichen reicher und die Armen ärmer macht“, hatte der Präsident zuletzt gesagt. Ökonomen sind dagegen der Auffassung, dass die Zinsen angesichts der hohen Inflation steigen müssen. Dann würde die Währung auch wieder attraktiver für Anleger.

    Ökonomen erwarten, dass das Ende der Fahnenstange bei der Inflation auch wegen des Zinskurses der Notenbank noch längst nicht erreicht ist. Im kommenden Jahr könnten demnach die offiziellen Inflationsraten auf etwa 30 Prozent steigen.

    Das wird zum großen Teil auf die starke Währungsabwertung zurückgeführt, da dadurch Importe wie Medikamente, Öl und andere Rohstoffe teurer im Ausland eingekauft werden müssen. Ein Beleg dafür ist die Entwicklung der Importpreise: Diese schnellten um fast 55 Prozent nach oben.

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