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LSE Londoner Börsenchef Rolet tritt zurück

Ursprünglich wollte sich Xavier Rolet erst Ende 2018 verabschieden. Doch jetzt geht er mit sofortiger Wirkung. Dabei kann sich seine Bilanz sehen lassen. Zunächst übernimmt der Finanzvorstand die Führung bei der LSE.

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London Der Chef der Londoner Börse LSE, Xavier Rolet, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Bis ein Nachfolger ernannt sei, solle Finanzvorstand David Warren die Aufgaben zusätzlich übernehmen, teilte die LSE mit. Der langjährige Vorstandschef hatte zunächst angekündigt, er werde Ende kommenden Jahres seinen Posten räumen.

Rolet hatte ursprünglich im Zuge der geplanten Fusion mit der Deutschen Börse von Bord gehen wollen. Nachdem dieses Vorhaben jedoch im Frühjahr gescheitert war, blieb er zunächst an Bord.
Der Franzose kam 2009 von Lehman Brothers zur Londoner Börse, nachdem die US-Investmentbank kollabiert war. Mit seinem Gespür für Markttrends und Mut zu großen Deals krempelte Rolet das Unternehmen um. Als Erstes kaufte er eine IT-Firma in Sri Lanka, denn Technologie ist der Schlüssel im modernen Börsenhandel. Durch weitere Zukäufe erschloss er systematisch neue Geschäftsfelder: Heute ist die LSE nicht mehr nur im Aktienhandel aktiv, sondern auch im Datengeschäft und Clearing.

Den größten Deal ließ er jedoch platzen: Die 25-Milliarden-Euro-Fusion mit der Deutschen Börse zu einer europäischen Megabörse scheiterte im März am Nein der Wettbewerbshüter in Brüssel. Rolet hatte sich zuvor geweigert, die Forderungen der Kommission zu erfüllen und die italienische Handelsplattform MTS abzustoßen. Beobachter sahen dies nur als Vorwand, um die ungeliebte Fusion zu beerdigen.

In Wahrheit konnten sich Rolet und sein Widersacher Carsten Kengeter von der Deutschen Börse nicht auf einen neuen Standort einigen: Die Deutschen drängten nach dem Brexit-Entscheid auf Frankfurt, Rolet wollte London nicht aufgeben.

Dennoch kann sich Rolets Bilanz sehen lassen: Die Marktkapitalisierung der LSE stieg unter seiner Führung von 800 Millionen auf 14 Milliarden Pfund. Hätte die Fusion mit der Deutschen Börse geklappt, wäre Rolet schon dieses Jahr gegangen. Nun bleibt er noch bis Ende 2018. Als Nächstes, so wird spekuliert, könnte er in die Politik gehen.

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