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Lunchio und Groupraise Der Metro-Konzern giert nach Start-ups

Zehn Teams der Gründerszene ziehen für drei Monate mit Managern von Großkonzernen wie der Metro in einen Firmen-„Accelerator“. Die Start-ups bringen für die Teilnahme ein großes Opfer: bis zu 12 Prozent Firmenanteile.

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Mit der App „Lunchio“ lässt sich das Essen bereits vom Büro aus ordern und bezahlen.

Berlin Der Anfang ist immer das Schwerste. Das haben auch die Gründer der App „Lunchio“ gespürt. Erst hatten sie eine gute Idee, dann mussten sie noch Kooperationspartner von dem Erfolg ihres Geschäftsmodells überzeugen. Mit ihrer App können Nutzer etwa einen Tisch in einem Restaurant reservieren oder sich das bestellte Mittagessen zur gewünschten Uhrzeit ins Büro liefern lassen. Auch die Rechnung lässt sich im Virtuellen begleichen.

Die Vorteile liegen den Gründern zufolge auf der Hand. Zum einen verkürzt sich die Wartezeit für die Gäste, zum anderen fällt Gastronomen die Planung leichter als zuvor. Ob sich die Geschäftsidee bewährt, zeigt sich erst dann, wenn die Gründer weitere Ladenbetreiber gewinnen, die diesen Service ins Angebot nehmen.

Denn bisher haben nur Anbieter in Kleinstädten Nordrhein-Westfalens Appetit auf „Lunchio“. Doch deren Zahl könnte nun steigen. Der Grund: Ab heute unterstützt unter anderem der Metro-Konzern das Start-up. Mit weiteren zehn Teams sind die Gründer für drei Monate in einen „Accelerator“ nach Berlin gezogen. Mit dabei sind unter anderem auch die Macher von „Groupraise“. Das US-amerikanische Start-up hat eine Möglichkeit entwickelt, wie Gäste im Anschluss an ihren Restaurant-Besuch ihr Wechselgeld an Bedürftige spenden können. Neben zwei weiteren Teams aus den Vereinigten Staaten sind auch zwei Firmen-Macher aus Estland in die Gründer-WG gezogen.

Alle Start-Ups nehmen an dem Förderprogramm teil, bei dem die Jungunternehmer Rat und Kontakte von erfahrenen Kräften aus Großkonzernen erhalten. Stark engagiert sich neben dem im MDax notierte Handelskonzern dessen Geschäftspartner, der US-Accelerator Techstars und die Werbeagentur RGA.

Metros Hunger auf Start-ups scheint noch lange nicht gestillt. Erst von wenigen Wochen kündigte die zur Metro-AG gehörende Media-Saturn-Gruppe die Gründung eines Inkubators an. Darin sollen weitere Start-ups heranreifen. Julian Kawohl, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin, zählt derzeit 25 solcher „Konzern-Gründer-Partnerschaften“. Davon profitieren der Einschätzung des Experten nach im Idealfall beide Seiten: „Die Kleinen von der Erfahrung und dem Kapital der Großen, die Alten von der Innovationsfreude der Jungen.“


Gründer hoffen auf bessere Finanzierungsmodelle für Expansion

„Dank Metro erhalten wir den Zugang zu einem Vertriebsnetzwerk von mehr als 5.500 Mitarbeitern in 26 Ländern“, sagt Deniz Caglayan, einer der vier „Lunchio“-Gründer. Schließlich seien unter den Metro-Kunden Hoteliers, Gastronomen und Catering-Unternehmen. Und zu denen können nun auch die Gründer leicht Kontakt aufnehmen. So hofft Caglayan auf bessere Finanzierungsmodelle, um die geplante Expansion des Unternehmens voranzutreiben. Alle teilnehmenden Start-ups erhalten neben Coaching-Programmen Geld. Für 120.000 Euro haben sich die Gründer allerdings verpflichtet, sechs bis zwölf Prozent ihrer Firmenanteile an die Programmverantwortlichen abzutreten.

Alexander Zumdieck, Managing Director des Accelerator, geht davon aus, dass der Metro-Konzern in weitere Start-ups investieren wird. Doch stünden ihm zufolge nicht „gewinnbringende Beteiligungen“, sondern der Lerneffekt im Mittelpunkt.

Momentan zählt der Metro-Konzern weltweit rund 250.000 Beschäftigte. Weiterhin versucht das Unternehmen, junge Gründer, die sich bewusst für die Unabhängigkeit und gegen ein Dasein als Angestellter entschieden haben, an sich zu binden. Zumdieck begründet diesen Aufwand wie folgt: „Wir wollen für unsere Kunden neue Produkte und Services finden.“

Denn mit Neuheiten tun sich Großkonzerne schwer, seien sie doch auf „ihr Kerngeschäft fixiert“, erklärt Wirtschaftsprofessor Kawohl. Das sei auch ein betriebsinterner Gradmesser für Führungskräfte. Daher hält er die Zusammenarbeit mit jungen Kreativen der Start-up-Branche aus Sicht der etablierten Unternehmen für sinnvoll.

Allerdings ist deren Erfolg keinesfalls garantiert. Denn nur wenn es einen Beweis dafür gebe, dass ein „Accelerator“ Gründer in ihrer Weiterentwicklung fördere, wären jungen Firmen-Macher zu einer Sache bereit: Ihr Start-up langfristig an einen Großkonzern zu binden. Das müssen Metro und Co. nun beweisen. Der Anfang ist immer das Schwerste.

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