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Macrons Rede in Davos Der Kümmerer der Welt

Emmanuel Macron will mit einem Aktionsplan die Globalisierung retten, die Welt gerechter machen, Klimawandel und Steuerdumping bekämpfen und Frauen besser stellen. Europa ist Dreh- und Angelpunkt seiner Ambitionen.

Emmanuel Macron hält Rede in Davos: Der Kümmerer der Welt Quelle: dpa

DavosAlle erwarteten eine Vision, Emmanuel Macron lieferte eine Bedienungsanleitung. In seiner einstündigen Rede vor dem World Economic Forum (WEF) ließ der Franzose kaum ein Problem auf der Welt aus, das dringend auf seine Lösung wartet. Macron will die Globalisierung retten, die Welt gerechter machen, für Gleichheit von Mann und Frau sorgen, den Klimawandel bekämpfen, das internationale Steuerdumping unterbinden, gemeinsame Regeln für die Digitalwirtschaft aufstellen, die Bildung junger Frauen in Afrika fördern, den Terrorismus entgegentreten – und nebenbei auch noch Frankreich modernisieren. „Frankreich ist zurück“, sagte Macron – das klang eher wie seine Ambition als wie „Mission accomplished“.

Vielen Zuhörern im vollbesetzten Kongressaal in Davos brummte nach Macrons tour d’horizon durch die Problemzonen der Welt der Schädel. Wer sich zuvor Illusionen darüber gemacht hatte, die Welt könnte mit einer Vision gerettet werden, der wusste es nach der in Englisch und Französisch gehaltenen Rede des französischen Präsidenten besser: Es wird ein harter und mühsamer Weg. Dass Macron daraus keinen Hehl machte, sondern die vielen kleinen Schrauben nannte, die im Maschinenraum der Weltwirtschaft neu justiert werden müssen, sollte man ihm als Verdienst anrechnen. 

Macron forderte einen Aktionsplan für die Welt, den er in der Runde der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zur Diskussion stellen will und der sich auf zwei Prinzipien gründet: Multilateralismus und Kooperation. Damit war sich der Franzose nicht nur mit Angela Merkel einig, sondern präsentierte auch bewusst einen Gegenentwurf zur nationalistischen „America First“-Politik des US-Präsidenten Donald Trump. 

Sehr konkret beschrieb der Präsident seine Reformpläne für Frankreich. Steuern und Arbeitskosten runter, bessere Ausbildung, mehr Risikobereitschaft – so lässt sich sein Rezept zusammenfassen. „Wir wollen Frankreich wirtschaftlich zurück an die Seite Deutschlands und Nordeuropas führen“, nannte er seine Zielmarke. 

Macron erinnerte an seinen Vorschlag einer „Neugründung Europas“ und forderte, dass jene Länder damit vorangehen sollten, die dafür die Ambition haben. Er sprach von einer „Avantgarde“. 

Auf globaler Ebene will er den Internationalen Währungsfonds (IWF) stärker für die Überwachung des Finanzsystems nutzen. Im Auge hatte er dabei auch die neuen Finanzrisiken, die durch Bitcoins und andere Kryptowährungen entstehen können. Beim Einsatz der künstlichen Intelligenz will der Franzose ebenfalls „eine rote Linie ziehen“, um die Privatsphäre der Bürger besser zu schützen. „Wir haben die internationalen Institutionen, die uns erlauben, globale Lösungen zu finden“, sagte Macron und forderte einen „neuen Gesellschaftsvertrag auf Weltebene“. 

Europa ist für Macron der Dreh- und Angelpunkt seiner Ambitionen. „Ein stärkeres Europa ist der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme“, betonte er. In Berlin wird man nach Ende der Koalitionsverhandlungen wohl noch einige Zeit brauchen, um Macrons Bedienungsanleitung für das 21. Jahrhundert durchzuarbeiten.

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