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Märkte, Einwanderung, Welthandel Die 4 wichtigsten Punkte im Aktionärsbrief von JP-Morgan-Chef Dimon

Der Chef der größten US-Bank erläutert in seinem Brief an die Aktionäre, was sich in der Politik ändern muss und wo er die größten Risiken sieht.

New YorkJamie Dimon kann sich derzeit nicht beklagen. JP Morgan Chase, die von ihm geführte Bank, machte im vergangenen Jahr 24 Milliarden Dollar Gewinn. Und dank der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump werden Amerikas größtem Geldhaus in diesem Jahr weitere Milliarden zur Verfügung stehen, die Dimon dazu nutzen will, um Tausende neuer Stellen zu schaffen, in neue Technologien zu investieren und Aktien zurück zu kaufen.

Doch Dimon, der für seine deutlichen Worte bekannt ist, beobachtet auch die Entwicklungen in Washington genau. In seinem 46 Seiten langen Brief an die Aktionäre beschreibt er nicht nur die Wachstumspläne der Bank, sondern wendet sich mit klaren Forderungen an die Politik. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Keine Angst vor Turbulenzen

„Volatilität und Märkte, die sich schnell bewegen, sollten niemanden überraschen“, stellt Dimon klar. Manchmal könnten schon kleine Veränderungen große Schwankungen auslösen, egal ob bei Aktien, Währungen oder in der Zinspolitik.

Gerade im Bezug auf die Notenbanken warnte Dimon vor Überraschungen. „Ein Szenario, auf das wir vorbereitet sein müssen, ist die Möglichkeit, dass das Ende der Quantitativen Lockerung – in einem neuen regulatorischen Umfeld – anders ausfallen wird als viele denken“, so der JP-Morgan-Chef.

Sollten die Löhne und die Inflation stärker steigen als erwartet, so könnte die Federal Reserve die Zinsen deutlich stärker anheben, glaubt Dimon. Er geht davon aus, dass die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen bei normalem Wachstum und einer Inflation nahe dem Zwei-Prozent-Ziel bei vier Prozent liegen könnte. Das sei „durchaus angemessen“. Derzeit liegt die Rendite jedoch noch bei knapp unter drei Prozent.

Zwar seien die Banken im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise vor zehn Jahren deutlich besser kapitalisiert, Sorgen macht sich Dimon jedoch um den neun Billionen Dollar schweren Markt für Indexfonds. „Man muss sich darüber Gedanken machen, was passieren würde, wenn diese Fonds im großen Stil aufgelöst würden.“

JP Morgan ist auf Expansionskurs

Das Institut hat, ähnlich wie Konkurrent Goldman Sachs, einen ambitionierten Fünf-Jahres-Plan. So will Amerikas größte Bank 400 neue Filialen eröffnen und zwar in rund 20 neuen Märkten. Dafür will Dimon bis zu 4.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Auch in anderen Sparten will JP Morgan die Marktanteile ausbauen. Im Investmentbanking sieht Dimon vor allem Chancen auf den asiatischen Märkten. In der Vermögensverwaltung will die Bank unter anderem weitere Ultra-Reiche für sich gewinnen, die ein Vermögen von mehr als zehn Millionen Dollar haben.

Eines stellt Dimon jedoch klar: Sollte es zu einer neuen Finanzkrise kommen, wird er kein Institut übernehmen. Vor zehn Jahren kaufte JP Morgan etwa die krisengeschüttelte Investmentbank Bear Stearns mit der Unterstützung der Regierung, ebenso wie den kleineren Konkurrenten Washington Mutual.

Dimon galt zunächst als Retter, musste sich jedoch in den Jahren danach mit teuren Rechtsstreitigkeiten herumschlagen, die vor allem auf Fehlverhalten in den übernommenen Instituten zurückzuführen waren.

Die USA brauchen Einwanderung

Dimons zweite dringende Forderung an die Politik: Die USA brauchen dringend eine Reform der Einwanderungsgesetze. „Das ist sowohl moralisch als auch wirtschaftlich wichtig“, stellte Dimon klar. Er sprach sich dafür aus, Kinder von illegalen Einwanderern eine Möglichkeit zu geben, US-Bürger zu werden.

Trump hatte zunächst den Forderungen der demokratischen Partei zugestimmt, um so ein Programm aufzusetzen, sich in den vergangenen Tagen jedoch wieder umentschieden. Wenn es nach Dimon ginge, sollten auch illegale Einwanderer, die sich an die Gesetze halten und eine Arbeit haben, eine Möglichkeit für eine Aufenthaltsgenehmigung oder für den Erwerb der Staatsbürgerschaft bekommen.

Klares Bekenntnis zum Welthandel

Eine deutliche Botschaft hatte Dimon auch für Präsident Trump: In einer komplexen Welt, die sich schnell verändere, sei es zwar nachvollziehbar, dass „man den Fokus nach innen richten und Mauern bauen will“, schrieb Dimon.

Es gebe aber die berechtigte Sorge, „ob wir uns noch erfolgreich den vielen Veränderungen anpassen können.“ Doch sich gerade jetzt in Zeiten großer Unsicherheiten zurückzuziehen, sei der falsche Weg. „Amerikas Engagement in der Welt wird jetzt so stark gebraucht wie nie zuvor“, mahnte Dimon.

In der Diskussion um Handelskriege und um den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko positionierte sich der Bankenchef damit deutlich gegen die Pläne der Regierung: „Amerikas Führungsrolle in der Welt aufzugeben, ist eine schlechte Idee für alle.“

Zudem missfällt ihm der Ton, der derzeit von der Politik vorgegeben werde. „Kritisch zu denken, die Fakten zu analysieren und anschließend die richtigen politischen Schritte in die Wege zu leiten ist in einer politisierten und von Medien gesättigten Welt deutlich schwieriger geworden“, so Dimon. „Oft missbraucht die Politik Fakten, um eine Position zu rechtfertigen.“

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