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Märkte Zu viel Euphorie? BIZ warnt vor überhöhten Kursen an den Börsen

Die Zentralbank der Notenbanken erkennt ein Missverhältnis zwischen den Kursen an den Aktienmärkten und dem Wirtschaftsausblick. Das sei gefährlich, warnt die BIZ.

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Gefahren sieht die BIZ bei der Verschuldung von Unternehmen. Quelle: dpa

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt angesichts der Börsenhoffnungen auf einen baldigen Einsatz von Corona-Impfstoffen vor Übertreibungen an den Finanzmärkten. Die Märkte bewegten sich aufgrund der Impfstoff-Euphorie zwar in die richtige Richtung, sagte der Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, Claudio Borio, zur Veröffentlichung ihres jüngsten Quartalsberichts. „Die Bewertungen liegen jedoch wieder über oder nahe den vor der Pandemie verzeichneten Niveaus, als überzogene Bewertungen bereits ein Thema waren,“ warnte er. Es bestehe ein Missverhältnis zwischen den Kursen riskanter Wertpapiere und dem Wirtschaftsausblick.

Notenbanken haben aus Sicht der BIZ mit ihrer konjunkturstützenden Geldpolitik weltweit die Renditen der Staatsanleihen niedrig gehalten. Titel im Volumen von 17,5 Billionen Dollar wiesen nach BIZ-Berechnungen sogar inzwischen negative Renditen aus. Auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten seien Investoren dadurch gedrängt worden, auf riskantere Wertpapiere zu setzen.

Gefahren sieht die Notenbank der Notenbanken vor dem Hintergrund der Coronakrise bei der Verschuldung von Unternehmen in den Industrienationen. Firmen haben laut BIZ im laufenden Jahr angesichts des sehr günstigen Zinsumfelds Anleihen im Rekordtempo emittiert – vor allem Titel mit langen Laufzeiten. Bei Hochzinsanleihen habe sich die Ausgabe von Papieren mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren binnen Jahresfrist sogar mehr als verdoppelt. Die Auszahlung von Dividenden sei dagegen prozentual zweistellig gesunken.

Solche Strategien könnten Unternehmen aber nur teilweise schützen, hieß es im Quartalsbericht. Mit einer Erhöhung der Barmittel könnten zwar Liquiditätsrisiken abgefedert werden, aber dies helfe wenig, um die Lasten eines höheren Schuldendienstes zu verringern. Und dies sei ein Schlüsselfaktor für Solvenzprobleme. Firmen würden so anfälliger, wenn die Nachfrage schwächelt oder sie mit finanziellen Schocksituationen zurecht kommen müssten. Die Renditenaufschläge von Unternehmensanleihen seien weiter gesunken und hätten fast das vor der Pandemie verzeichnete Niveau erreicht. Banken hätten aber ihre Standards für die Vergabe von Krediten verschärft.

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