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Managementkurse und Franziskus Papst schickt den Klerus zur Finanznachhilfe

Nach einigen Skandalen krempelt Papst Franziskus den Vatikan um. Nun soll der Klerus in Managementkursen den besseren Umgang mit dem Kirchengeld lernen. Das Interesse unter den Geistlichen ist groß.

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Das Oberhaupt der katholischen Kirche geht ungewöhnliche Wege. Quelle: dpa

Papst Franziskus krempelt den Vatikan auch in administrativen Belangen um. Neuerdings gibt es für den Klerus einen Kurs zum Thema Finanzmanagement - und dieser stößt auf eine rege Nachfrage unter den Geistlichen. So packte auch Pater Massimo Cavallo die Gelegenheit beim Schopfe und drückt nun wieder die Schulbank, nachdem er sich als Manager eines katholischen Studentenwohnheims in Rom mit Wartungsarbeiten, Lieferanten und Steuern abgemüht hatte.

Der 34-Jährige ist einer der 26 Teilnehmer an einem pastoralen Managementkurs an der päpstlichen Lateranuniversität, der am 16. Februar begonnen hat. Das Angebot richtet sich an all jene, die sich um Finanz- und Personalangelegenheiten in Pfarren, Diözesen und anderen Organisationen unter dem Dach der Katholischen Kirche kümmern. In dem auf 15 Monate angelegten Seminar werden Themen wie strategische Kommunikation, Ethik im Wirtschaftsleben und kreative Verfahren zur Problemlösung behandelt.

„Es ist nicht leicht, über die Runden zu kommen”, sagt Cavallo im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg News.

Der Kurs geht Hand in Hand mit Anstrengungen des Heiligen Stuhls zur Schließung einer Haushaltslücke. Papst Franziskus versucht nicht nur die Effizienz zu steigern sondern auch die Finanzen in Ordnung zu bringen - nach Skandalen, in die die Vatikanbank und die Verwaltung der Güter des Apostolischen Stuhls (APSA), die sich um Immobilien und Finanzanlagen des kleinsten Staates der Welt kümmert, verstrickt waren.

„Wir Geistlichen, Priester, tappen wegen unserer Gutgläubigkeit, mangelnder Vorbereitung und Ignoranz in Fallen”, erklärt Rektor Monsignor Enrico dal Covolo im Interview in der siebenstöckigen Bibliothek der päpstlichen Universität, die mehr als 500.000 Bücher und Dokumente umfasst. In den meisten Fällen, sagt er, „ist die mangelnde Transparenz nicht auf vorsätzlichen Betrug zurückzuführen”.

Papst Franziskus hat mit einer umfassenden Neugestaltung des Finanzsystems des Heiligen Stuhls begonnen und die Aufsicht verschärft. Das Kirchenoberhaupt der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken setzte eine Sonderkommission ein, die die Aktivitäten der Vatikanbank unter die Lupe nehmen und die Einhaltung internationaler Vorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche gewährleisten soll.

Auch ein Sekretariat für Wirtschaftsfragen wurde eingerichtet, um das Management verschiedener Vatikan- Büros zu vereinheitlichen, die seit Jahrhunderten unabhängig voneinander und mit wenig Aufsicht geführt wurden.


Auslöser Tebartz-van-Elst?

Im März 2014 setzte der Papst Tebartz van Elst als Bischof der Limburger Diözese ab, nachdem sein 31 Millionen Euro teurer Wohngebäudekomplex unter den Gläubigen für Unmut gesorgt hatte. Kurz darauf entschuldigte sich der Erzbischof von Atlanta für den Bau einer Villa für 1,9 Millionen Euro als seine neue Residenz, wofür Spendengelder benutzt wurden, die für religiöse und gemeinnützige Zwecke vorgesehen waren.

Solche Skandale kratzen am Image einer Kirche, die Papst Franziskus zufolge „arm für die Armen” sein sollte. „Das Evangelium lehrt uns, dass wir unsere Herzen nicht dem Reichtum verschreiben sollen”, erklärt auch dal Covolo. „Wir sollten damit auf angemessene Weise umgehen.”

Der Heilige Stuhl versucht sein Haus auch angesichts einer Haushaltslücke wieder in Ordnung zu bringen. Er wies für 2013 ein Defizit von mehr als 24 Millionen Euro aus; neuere Daten stehen nicht zur Verfügung. Italien selbst kämpft damit, die längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich zu lassen. Die italienische Wirtschaft wies vom zweiten Quartal 2011 bis Ende des vergangenen Jahres kein Wachstum mehr auf.

All dies hat Studenten in die neuen Seminare gelockt. Nach Aussage von Professor Giulio Carpi, dem Leiter des pastoralen Managementkurses, war die erste Klasse überbucht. Interesse habe es unter Geistlichen und anderen Laienmitarbeitern aus Ländern, darunter Italien, Österreich, Slowenien und Indien gegeben.

„Wir haben schon einen anderen Kurs für den Herbst geplant, der noch nicht ausgeschrieben ist, und schon 12 Leute haben sich dafür angemeldet”, sagt Carpi. Pater Cavallo zufolge helfen die Managementgrundsätze ihm dabei, besser mit dem heutzutage schwierigen Wirtschaftsklima umzugehen.

„In den letzten paar Jahren hat sich das Umfeld verändert”, sagt er. „Unter diesen Gesichtspunkten angemessen vorbereitet zu sein, ist nicht nur dringend, sondern notwendig.”

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