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Medien Bertelsmann rüstet sich gegen die Coronakrise – Beschäftigte in Kurzarbeit

Der Medienkonzern Bertelsmann erlebt eine steigende Nachfrage nach Inhalten und trotzdem sinkende Werbeerlöse. Nun wappnet sich der Medienriese.

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Der Medienriese Bertelsmann sieht sich mit einem Rekordgewinn im Rücken gewappnet, um die Folgen der Coronavirus-Krise abzufedern. „Bertelsmann ist gut gerüstet“, sagte Konzernchef Thomas Rabe am Dienstag. Mit der breiten Aufstellung der Geschäfte „sind wir weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen und können weiter in unsere Zukunft investieren, ohne an die Substanz zu gehen.“

Im ersten Quartal sei das Geschäft weitgehend stabil gelaufen, im zweiten Quartal dürfte es allerdings „schwieriger“ werden, kündigte Rabe an. Weitergehende Prognosen seien derzeit nicht seriös. Es dürften bereits einige Hundert der weltweit rund 126.000 Beschäftigten in Kurzarbeit sein. Vor allem in einigen Bereichen des Dienstleistungsgeschäfts prüfe man dieses Instrument.

Der Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern will die Folgen der Epidemie mit verschiedenen Maßnahmen abfedern. Hier gehe es etwa um Liquiditätssteuerung, sagte Rabe und betonte: „Wir sind ertragsstark, verfügen über eine hohe Liquidität, eine komfortable Eigenkapitalquote.“ Der Betriebsgewinn (operating Ebitda) kletterte 2019 auf 2,9 (Vorjahr: 2,6) Milliarden Euro, der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 18 Milliarden Euro.

Rabe rechnet mit Gegenwind im Werbegeschäft. So könnten einigen Kampagnen von Kunden aufgeschoben werden, da Produkte womöglich wegen geschlossener Läden nur schwer zugänglich seien.

Bertelsmanns europäische TV-Tochter RTL Group hatte jüngst bereits angekündigt, man registriere erste Stornierungen für Werbebuchungen und Auswirkungen auf Produktionen. Bertelsmann stellt nach Rabes Worten aber auch positive Effekte seit Beginn der Krise fest: So seien die Einschaltquoten bei der RTL Group gestiegen. Beim Verlag Penguin Random House gebe es mehr Nachfrage vor allem bei E-Books und Audiobüchern. Zudem profitiere die Musik-Tochter BMG von mehr Streaming und die Bildungssparte spüre eine höhere Nachfrage nach Online-Lern-Angeboten.

„Strategie bleibt unverändert – Corona hin oder her“

Allen Medien komme in dieser außergewöhnlichen Situation gesellschaftliche und systemrelevante Bedeutung zu, sagte Rabe. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland, die es gerade jetzt aufrechtzuerhalten und zu unterstützen gilt.“ Man informiere seriös und unterhalte Millionen von Menschen.

Bertelsmann will trotz der Epidemie seine langfristigen Ziele im Auge behalten. „Die Strategie von Bertelsmann bleibt unverändert - Corona hin oder her.“ Dieses Jahr will der Konzern weiter massiv in die eigene Technologiekompetenz investieren - vor allem in die Bereiche Cloud, Daten und künstliche Intelligenz.

„Darüber hinaus werden wir die Themen Kooperationen und Allianzen weiter vorantreiben, sowohl intern als auch mit externen Partnern“, sagte Rabe. So sollen die Bertelsmann Content Alliance im Inhaltebereich in Deutschland und die Ad Alliance in der Werbevermarktung ausgebaut werden. „So werden wir die Bertelsmann Content Alliance auf die Märkte Frankreich, Großbritannien und später USA ausdehnen.“

Der Anteil des Digitalgeschäfts am Umsatz kletterte 2019 erstmals über die Marke von 50 Prozent. Der Beitrag wachsstumsstarker Geschäfte erreichte 36 Prozent und soll in den kommenden Jahren auf 40 Prozent steigen.

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