Mifid II Von Startschwierigkeiten und Datenlücken

Vor wenigen Tagen sind neue Regulierungen im Finanzsektor in Kraft getreten. Der Start verlief glatter als erwartet. Nur Anleger haben stellenweise die Probleme der Umstellung zu spüren bekommen.

Nach der Einführung der neuen Regeln zieht er eine positive Bilanz. Es habe allenfalls kleinere Probleme gegeben. Quelle: Bloomberg

LondonWer an diesem Donnerstag eine bestimmte Daimler-Aktienanleihe online kaufen wollte, bekam schon mal die Fehlermeldung „Missing download document privilege“. Bei anderen Produkten erhielt der Interessent auch den Ratschlag: „Bitte wenden Sie sich an Ihren Bankberater.“ Beides Hinweise auf Startschwierigkeiten von zwei EU-Regelwerken: Der Finanzmarktrichtlinie Mifid II und der so genannten Priips-Verordnung, die seit wenigen Tagen gelten. Die Vorschriften verfolgen vor allem ein Ziel: Sie wollen dem Anleger mehr Transparenz ermöglichen.

Anbieter von Anlageprodukten müssen deutlich mehr Informationen zur Verfügung stellen als bisher. Andernfalls können Bankberater diese Produkte nicht mehr verkaufen. Für etwa ein Drittel des Marktes lägen die Informationen, die auf Grund der Mifid-II-Vorgaben notwendig seien, noch nicht vor. „Vor zwei Tagen waren wir bei 50 Prozent des Marktes, wir machen also schnelle Fortschritte“, sagt Torsten Ulrich, Chef der WM Datenservice. „Da haben wir schon eine gute Abdeckung“. Seine Firma gehört zu den führenden Portalen, wenn es um das Sammeln und Aufbereiten der Daten geht. Viele Banken greifen auf den Datenpool des Unternehmens zu. Bei anderen Anlageprodukten, Zertifikaten und Optionsscheinen, lägen die nötigen Informationen nur in Einzelfällen noch nicht vor. Sie „müssen daher manuell nachbearbeitet werden“, erklärt Ulrich.

Mifid II ist das wohl am weitesten reichende Regulierungsprojekt, das die Finanzbranche in den vergangenen zehn Jahren umsetzen musste. Die Vorgaben betreffen Banken, Broker und Vermögensverwalter, Börsenbetreiber und Pensionsfonds und reichen tief in ihre Geschäfte hinein. Nach der Einführung hat Steven Maijoor, Chef der EU-Finanzmarktaufsicht Esma, eine positive Bilanz gezogen: Es habe allenfalls kleinere Probleme gegeben.

Ähnliche Töne kommen von Jörg Kukies, Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland: „Angesichts der Größe des Projekts verlief der Start reibungslos. Man muss allerdings berücksichtigen“, schränkt Kukies ein, „dass es an den Märkten zum Jahresanfang noch relativ ruhig zugeht. Der große Bewährungstest, ob die Vorbereitungen auf Mifid II ausgereicht haben, kommt noch in den nächsten Wochen.“

Dass es stellenweise noch hapert, haben daher bisher in erster Linie Anleger gemerkt, die bestimmte Produkte wegen fehlender Daten nicht kaufen konnten. Nach Schätzungen von Torsten Ulrich von WM Datenservice müssen vor allem Fondsanbieter noch nachliefern.

Geht es um die Daten und Informationen, die die Priips-Verordnung verlangt, fehlen diese laut Ulrich noch bei etwa zehn Prozent der Zertifikate und Optionsscheine. Für Fondsanbieter gilt in dem Fall eine Sonderregelung: Sie sind von den Priips-Vorgaben bis Ende 2019 ausgenommen.

Teilweise haben auch rein technische Probleme das Abrufen der neuen Produktinformationen erschwert. Doch diese seien inzwischen behoben, hieß es etwa bei der DZ Bank. Entwarnung kam auch von einer anderen Großbank: „Es sind bei uns allenfalls die nicht so stark nachgefragten Produkte, bei denen die Daten noch nicht vollständig sind“, hieß es, insgesamt seien weniger als ein Prozent der Produkte, die man im Angebot habe, davon betroffen. Man rechne aber damit, dass sich dies innerhalb der nächsten Tage ändern werde.

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