Mikroplastik im Meer Flohkrebse schreddern unseren Wohlstandsmüll

Millionen Mikroplastik-Teilchen aus einer einzigen Tüte: Forscher haben die Rolle von Flohkrebsen bei der Zerkleinerung von Plastikmüll untersucht. Quelle: dpa

Kleine Krebse sorgen dafür, dass Plastikmüll im Meer in winzige Teilchen zerlegt wird. Wie effektiv die Tiere bei der Produktion der problematischen Mikroplastik-Stücke sind, haben Forscher jetzt herausgefunden.

Plastikmüll ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit: Riesige Mengen des kaum verrottenden Wohlstandmülls schwimmen mittlerweile in unseren Gewässern, wo sie für Seevögel, Fische und andere im Wasser lebende Organismen zur Bedrohung werden können. Und über die Nahrung kehrt der Müll auch zum Menschen zurück, wie etwa die Funde von Plastikfasern in Getränken deutlich gemacht haben.

Als besonders problematisch erweisen sich dabei Plastikteilchen, die so winzig sind, dass sie sich auch durch moderne Filtersysteme nicht aus dem Wasser entfernen lassen. Wie sich Plastiktüten und anderer Verpackungsmüll zu solch kleinen Partikeln zersetzen und welche Rolle Meeresorganismen dabei spielen, haben Forscher der Universität Plymouth jetzt untersucht.

Die Wissenschaftler um den Meeresbiologen Richard Thompson gaben größere Stücke Folie aus unterschiedlichen Plastikmaterialien in Behälter mit Kolonien von Flohkrebsen (Orchestia gammarellus). Die kaum zwei Zentimeter großen Tiere bevölkern die Küstengewässer Europas und Afrikas – und sie spielen offenbar eine wichtige Rolle bei der Zerkleinerung des Plastikmülls: Im Versuch machten sie sich mit Appetit über die großen Plastikstücke her – vor allem, wenn diese mit nahrhaften Algenteppichen überwuchert waren.

Das Endprodukt dieser Müllzerkleinerung fand sich im Kot der Krebse wieder: Mikroplastik-Teilchen von kaum einem halben Millimeter Größe. Bis zu acht solcher Partikel produzierte ein Krebs pro Tag – unabhängig davon, welcher Kunststoff ihm vorgesetzt wurde. Eine einzelne Plastiktüte, so die Berechnung der Forscher, kann so von den Tieren in bis zu 1,75 Millionen der besonders problematischen Kleinteile zerlegt werden.

„Pro Jahr werden geschätzt 120 Millionen Tonnen von Einweg-Plastikobjekten wie etwa Tüten produziert“, so Richard Thompson. „Sie stellen als solche schon eine Gefahr für marine Lebewesen dar, doch unsere Studie hat gezeigt, wie manche Arten für eine Verbreitung dieses Mülls sorgen. Plastikmüll im Meer wird damit zu einer potenziell noch größeren und dauerhafteren Umweltgefahr.“

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