Mischkonzern Freudenberg Wie Vileda den Wischmopp für Männer attraktiv macht

Der Mischkonzern Freudenberg setzt auch bei Vileda-Produkten auf Technologie. Das Familienunternehmen investiert daher stark in die Forschung.

Freudenberg: Wie Vileda den Wischmopp für Männer attraktiv macht Quelle: Imago

WeinheimHaushaltsarbeiten klingen eher nach Last als nach Lust. Doch Tilman Krauch, Technologievorstand des Familienunternehmens Freudenberg, zu dem unter anderem die Marke Vileda gehört, will das nicht einmal im Ansatz stehen lassen. „In den Werkzeugen zum Saubermachen steckt immer mehr Technologie, die diese immer effizienter machen“, sagte er und nennt Beispiele.

So gebe es mittlerweile Reinigungswerkzeuge, die mit Hilfe von Sensoren melden, wie oft und wann sie benutzt wurden oder auch benutzt werden sollten. Selbst ein simples Wischtuch sei mit seiner völlig neuen Oberfläche heute viel effizienter. „Deshalb greift heute immer häufiger der Mann zum Wischmopp, weil es Spaß macht.“

Freudenberg zählt mit rund 48.000 Mitarbeitern zu den größten Familienunternehmen Deutschlands. Was vor mehr als 150 Jahren als Gerberei begann, ist heute ein breit aufgestelltes Unternehmen. Die Firma stellt Haushaltsgeräte her, ist aber auch Zulieferer für die Autoindustrie, die Medizintechnik oder die Öl- und Gasindustrie. „Die wichtigste Säule unseres Unternehmenserfolgs ist Innovation, denn das Tempo für technologische Veränderungen nimmt permanent zu“, sagt Mohsen Sohi, der Unternehmenschef.

Vier Prozent will das Unternehmen jährlich in Forschung und Entwicklung investieren. Im vergangenen Jahr waren es sogar 4,6 Prozent. „Das Ergebnis: Ein Drittel des Umsatzes haben wir mit Produkten erreicht, die jünger als vier Jahre sind“, sieht sich der Freudenberg-Chef in seiner Strategie bestätigt. Dazu zählt längst nicht nur der intelligente Putzschwamm. Auch Dichtringe etwa für die Autoindustrie können dank Sensoren mittlerweile „denken“. Neue Schmierstoffe auf Wasserbasis sorgen wiederum für einen umweltschonenderen Einsatz – auch das eine Innovation.

Das rechnet sich, wie die aktuellen Zahlen zeigen, die das Weinheimer Unternehmen am Dienstag vorstellte. Der Umsatz legte 2017 organisch und auch durch Zukäufe um 18,3 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro zu. Das Betriebsergebnis stieg um 135 Millionen auf 905 Millionen Euro. Die Umsatzrendite betrug 9,7 Prozent, für einen Mischkonzern ein respektabler Wert.

Die Gruppe gilt als vorbildlich in puncto Struktur eines Familienunternehmens. Ein Vertrag regelt die Rechte der mittlerweile 320 Eigentümer. Schon seit vielen Jahren stehen angestellte Manager an der Spitze. Mohsen Sohi, Amerikaner mit iranischen Wurzeln, ist der erste Ausländer auf dem Posten des Vorstandschefs. Er ist Ingenieur für Maschinenbau, Luft- und Raumtechnik.

2003 war Sohi, der kurz vor der Machtübernahme von Ajatollah Chomeini aus Teheran in die USA floh, zu Freudenberg gewechselt, nach Manageraufgaben bei so bekannten US-Konzernen wie Allied Signal, Honeywell und NCR. Seit 2012 steht er an der Spitze der Gruppe. Er verfügt über breite Kapitalmarkterfahrung, etwa für den Fall, dass sich Freudenberg über Anleihen frisches Kapital besorgen muss, etwa für größere Zukäufe, die das Unternehmen durchaus im Blick hat.

Die Interessen der Familie werden über den Gesellschafterausschuss vertreten. Dafür, dass unter den rund 320 Gesellschaftern keine Streitigkeiten ausbrechen, die den Bestand des Mischkonzerns gefährden könnten, sorgt ein detaillierter Gesellschaftervertrag. Der aktuelle hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2045.

Der Gesellschafterausschuss ist zugleich Aufsichtsrat des Unternehmens. In ihm sitzen sieben Mitglieder der Freudenberg-Familie und fünf externe Manager. Vorsitzender war bis Mitte 2014 Wolfram Freudenberg, seitdem führt Martin Wentzler das Gremium. Beide sind Urenkel des Firmengründers Carl Johann Freudenberg.

Das alles verschaffen Sohi und seinem Team einen freien Rücken für die Umsetzung der eigenen Pläne. So hatte Sohi dem Unternehmen zwischen 2014 und 2017 eine erste dreijährige Strategiephase verpasst, die stark auf Themen wie Innovationen, Talent- und Portfolio-Management ausgerichtet war. „Im Strategiezeitraum haben wir das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 817 Millionen auf 1,275 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht einem Zuwachs von rund 50 Prozent“, sagte Sohi nicht ohne hörbaren Stolz.

Daran will der Freudenberg-Chef anknüpfen. Zwar sieht er im laufenden Jahr durchaus Risiken. Dazu zählt er etwa die geopolitische Lage in Teilen Osteuropas, dem Mittleren Osten und in Südamerika. Auch müsse man sich auf ein geringeres Wachstum in China einrichten und steigende Rohstoffpreise.

Deshalb prognostiziert Sohi für 2017 auch nur einen moderaten organischen Umsatzanstieg von bis zu 1,3 Prozent. Der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China sei dagegen noch nicht spürbar. Dennoch sei Freudenberg für die Herausforderungen gerüstet: „Wir sind auf einem guten Weg, eines der innovativsten und effizientesten Technologieunternehmen zu sein.“

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