Rückkehr der Visitenkarte Traditionelles Netzwerken erlebt eine Renaissance

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Smalltalk und Netzwerken ist nicht jedermanns Sache. Trotzdem gut zu wissen: die Visitenkarte erlebt gerade eine Renaissance. Der Kartentausch stellt eine andere Verbindlichkeit her als eine Kontaktanfrage bei Facebook.

Der Visitenkarten-Knigge
Die Geschichte der heutigen Visitenkarte führt zurück ins 15. Jahrhundert: Schon damals wurden kleine Kärtchen mit geschriebenen Informationen in verschiedensten Formaten überreicht – mal dienten sie für offizielle Ankündigungen, mal waren sie Überbringer von formellen Botschaften. In Japan wurde die örtliche Bevölkerung mit den kleinen Karten (
Im 17. Jahrhundert etablierte sich im industriell wachsenden London die sogenannte Gewerbekarte. Diese wurde als Vorläufer der heutigen Visitenkarte an Klienten und potentielle Kunden der örtlichen Geschäfte verteilt und diente teilweise auch als Werbemittel, Wegweiser, Rechnung oder Todesanzeige. Quelle: REUTERS
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Viele der früheren Werte haben bis heute Bestand – und doch haben sich auch regionale Unterschiede herauskristallisiert. So ist es in Asien üblich, eine Visitenkarte mit beiden Händen und einer Verbeugung entgegenzunehmen und sie genau zu studieren. Danach sollte sie achtsam zur Seite gelegt werden. Quelle: REUTERS
In Japan und China gilt es außerdem als besonders grober Fauxpas, die Visitenkarte direkt in die Hosen- oder Gesäßtasche zu stecken. Wenn Japaner regelmäßigen Kontakt mit Ausländern pflegen, verwenden sie in der Regel eine zweisprachige Karte, auf der eine englische Übersetzung zu finden ist. Quelle: Fotolia
Auch in Amerika gehen die Uhren anders: Wer beruflich in den USA tätig ist, muss aufpassen, wann er welche Visitenkarte vorzeigt. Wenn der Mitarbeiter Angestellter eines US-Unternehmens ist, sollte er sich nicht mit der deutschen Visitenkarte vorstellen. Der Gesprächspartner hat sonst den Eindruck, er wäre unmittelbar mit der deutschen Niederlassung in Kontakt getreten und das deutsche Unternehmen sei folglich für alle Folgen des Gesprächs verantwortlich. Quelle: Fotolia
Um bei Geschäftspartnern oder im Bewerbungsgespräch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, sollte die Visitenkarte außergewöhnlich gestaltet sein. Eine individuelle Karte lässt sich zugleich als Taschenportfolio nutzen und präsentiert neuen Kontakten somit verschiedene Aspekte des eigenen Portfolios oder der Produktpalette.

Netzwerke, die formellen und informellen, gibt es seit Jahrtausenden: als Geheimbünde oder Bruderschaften, als Old-Boys-Connection, als Rotary- oder Lions-Club. Alumni oder Verbindung heißen sie im universitären Umfeld. Die Wirtschaftsjunioren sind die Kaderschmiede der Industrie- und Handelskammern, etliche IHK-Präsidenten verdienten sich in der kammernahen Organisation ihre Sporen.

Ihnen gegenüber stehen informelle Netzwerke. Sie spinnen sich Menschen in ihrem Alltag, innerhalb einer Firma, des Wohnorts oder einer Branche. An deren Einfluss und Bedeutung haben auch soziale Netzwerke nichts verändert. Im Gegenteil.

Alle Verflechtungen eint, dass sich ihre Protagonisten einen Nutzen aus dem Mitmachen versprechen. Doch der kann mitunter etwas länger auf sich warten lassen – zuerst kommt das Investment.

Es geht um Geben und Nehmen

 
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