Lebensart
Eine Visitenkarte Quelle: imago

Minibühne für das Ego

Im Zeitalter der digitalen Netzwerke braucht es keine Visitenkarten mehr. Und doch haben sie ihre Bedeutung nicht verloren.

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Seit es Menschen gibt, vergewissern sie sich ihrer wechselseitigen Anerkennung durch Geben und Nehmen. Zum Beispiel die Bewohner der Pazifikinseln Melanesiens: Beim Kula-Tausch ließen die Häuptlinge Halsketten zirkulieren, deren Weitergabe freundschaftliche Gefühle hervorrufen sollte.

Was damals Ketten, sind heute Visitenkarten. Wer sie beim geschäftlichen Erstkontakt tauscht, zeigt damit die Ernsthaftigkeit seiner Absichten. Außerdem vermitteln die Kärtchen sogleich wichtige Informationen zu Position und Rang, ohne dass sich jemand umständlich erklären muss. Das lässt sich als Machtdemonstration nutzen.

Vor allem aber sind Visitenkarten eine Miniaturbühne der Persönlichkeit. Man kann leise auftreten wie der Architekt Hadi Teherani, auf dessen dunkelgrauer Karte in feinen weißen Lettern nur der Name steht. Oder laut, wie der chinesische Recyclingunternehmer Chen Guangbiao: Auf seinen selbst entworfenen Visitenkarten wirbt er mit dem Titel „berühmtester Wohltäter Chinas“.

 
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