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Boeing-Aktie Sind 30 Milliarden Dollar Kursverlust genug?

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Börse: Boeing-Aktie nach Kursverlust wieder kaufen? Quelle: dpa

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine über Äthiopien brach der Kurs der Boeing-Aktie zusammen. Jetzt laufen Hochrechnungen, wann die Aktie für Anleger wieder interessant werden könnte.

Als am 29. Oktober vergangenen Jahres eine Boeing 737 vor Indonesien abstürzte, gab es an der Börse praktisch keine Kursreaktion. Dass es dagegen jetzt zu so heftigen Kursverlusten kommt, liegt an der Befürchtung, der nun zweite Absturz mache technische Defizite des Typs 737 offensichtlich und die könnten sich erheblich auf den Geschäftserfolg von Boeing auswirken.

Nachdem in zahlreichen Ländern der Flugverkehr mit diesen Maschinen erst einmal eingestellt wird, sind diese Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen. Die 737 ist Boeings bestverkaufte Maschine. Im vergangenen Jahr konnte Boeing 580 Maschinen ausliefern, langfristig liegen für mehr als 5000 dieser Passagierflieger Aufträge vor.

Bisher erzielte Boeing mit der 737 hohe, einstellige Wachstumsraten. Wahrscheinlich hätten die Amerikaner in diesem Jahr mehr als 600 Maschinen vom Typ 737 verkauft. Das wären bei einem theoretischen Listenpreis von rund 100 Millionen Dollar zunächst 60 Milliarden Dollar Umsatz. Da große Abnehmer in der Realität aber deutlich weniger zahlen, kann man den bisher angepeilten Jahresumsatz mit dem Typ 737 im Bereich 25 bis 30 Milliarden Dollar ansetzen; grob gesagt, ein Viertel des gesamten Geschäftsvolumens.

Zu welchen Abbestellungen, Umrüstungskosten oder Schadensersatzforderungen es nun kommen wird, ist offen. Wenn nur ein Zehntel der Bestellungen storniert werden, dürfte von dem für dieses Jahr erwarteten Umsatzanstieg kaum etwas übrigbleiben. Größere Schadensersatzforderungen sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Beim Nettogewinn erwarteten Analysten für 2019 bisher einen Anstieg von gut einem Zehntel auf 12 Milliarden Dollar. Nun wird in den Banken heftig diskutiert, inwieweit diese Prognosen reduziert werden müssen. Die jüngsten Revisionen sind noch sehr vage, in den nächsten Wochen werden genauere Prognosen folgen.

Eine konkrete Gewinnerwartung lässt sich aus der Reaktion der Börse ableiten. Boeing-Aktien wurden bisher mit dem 18fachen der in diesem Jahr erwarteten Gewinne gehandelt. Das heißt: Seit dem Flugzeugunglück über Äthiopien hat die Aktie 30 Milliarden Dollar Börsenwert verloren hat. Teilt man das durch die 18fache Bewertung, liegt darin die Erwartung, dass der Nettogewinn um 1,7 Milliarden Dollar geringer ausfällt.

Mit dem bisherigen Kursabschlag an der Börse wird ein Gewinnniveau vorweggenommen, das etwa auf Höhe der Zahlen von 2018 liegt. Geschäftlich wäre das für Boeing ein Dämpfer, aber noch kein Drama. Im vergangenen Jahr pendelte die Aktie um einen Mittelwert von 350 Dollar. Bei aktuellen Kursen um 370 Dollar ist Boeing derzeit keineswegs besonders günstig, birgt also durchaus noch weitere Risiken.

Das Wachstum der zivilen Luftfahrt und die hohe Dynamik, die bei Boeing das Rüstungsgeschäft hat, machen das Unternehmen durchaus zu einem Gewinner langfristiger Trends. Dennoch sprechen die hohe Unsicherheit der kurz- bis mittelfristigen Prognosen und der bisher keineswegs übertriebene Kursrückgang dafür, dass die Aktie erst einmal unter Druck bleibt.

Die Erfahrung zeigt, dass Aktien, die im Zentrum schwerer Katastrophen stehen, über mehrere Monate unterdurchschnittlich laufen. Erst wenn die reale Finanzbelastung für Boeing absehbar ist und dazu die Bewertung der Aktie günstig geworden ist, kommt sie für vorsichtige Anleger wieder infrage. Ein Anhaltspunkt dafür gibt das Kurstief von Ende 2018, das bei 300 Dollar lag.

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