Hohes Ross
Eigenlob stinkt nicht. Quelle: imago

Von der Kunst, dem Applaus zu applaudieren

Ohne die Fähigkeit zur Selbstbeglückwünschung ist man in Politik und Wirtschaft nicht anschlussfähig. In der Digitalbranche ist das aus dem Ruder gelaufen. Hier ist man vor lauter „Likes“ und Herzchen ganz besoffen.

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Chinas Präsident Xi Jinping hat weiß Gott-Mao ein Ergebnis eingefahren, zu dem er sich beglückwünschen darf. 2958 sogenannte Abgeordnete des Nationalen Volkskongresses haben beschlossen, dass er bis an sein Lebensende Staat, Nation und Volk führen darf – allein zwei Delegierte stimmten dagegen. Mimisch nahm Xi das Votum fast ungerührt, mit quasikaiserlicher Huld auf, während er gestisch ganz im traditionellen Stil des Kaderkommunismus re(a)gierte:

Er gewährte den Sendboten aus der Provinz die Gnade seines Gunsterweises, indem er dem Applaus applaudierte – indem er die Emissäre, sie und sich selbst mit Beifall bedenkend, für ihre Entscheidung belobigte.

Es heißt oft, der Kommunismus sei seit dem Fall der Mauer erledigt. Aber das stimmt natürlich nicht.

 
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