Autobahngesellschaft Angst vor dem Kontrollverlust

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Die Regierung will Autobahnen bald privat bauen und betreiben lassen. Der Bundesrechnungshof protestiert – und fürchtet einen Schattenhaushalt.

Vor dunklen Regenwolken ist an der Stadtautobahn in Rostock ein Schild zu Mautpflicht für die Passage des Warnowtunnels zu sehen. Quelle: dpa

Olaf Wiechmann ist zufrieden mit dem Tag. Die Quelle der Zufriedenheit sieht der Geschäftsführer der Warnowquerung durch die Panoramascheibe seines Büros: fünf Mauthäuschen, die den Autofahrern den Weg versperren. Hier werden 3,20 Euro fällig, will man durch den 790 Meter langen Straßentunnel fahren, der die Rostocker Stadtteile Krummendorf und Schmarl unter dem Warnow-Fluss verbindet. Es herrscht reger Verkehr, genauso wie am Vortag, als Wiechmann bereits 13.000 Durchfahrten registrierte. „Das sind einfach Krachertage.“

Im 1000 Kilometer entfernten Paris hört man solche Zahlen gern. Der französische Baukonzern Bouygues hat dort seine Zentrale. Er ist mit 30 Prozent an der Warnowquerung beteiligt, der Rest gehört einer australischen Bank. 2016 fuhren im Schnitt pro Tag nur 11.500 Kraftfahrzeuge durch den Tunnel. Es geht also aufwärts, einerseits. Andererseits: Als die Franzosen 2003 den Tunnel bauten, ging man von 25.000 Durchfahrten aus. Für den Konzern ist der Tunnel bis heute ein Verlustgeschäft.

 
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