Chancengleichheit Gleiche Chancen, nicht gleiches Gehalt

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Wir brauchen in Deutschland mehr Chancengleichheit. Die Ungleichheit aber wird das nicht einebnen.

Loh- und Gehaltsabrechnungen. Quelle: dpa

Auch wenn die empirische Basis für die These, die Mittelschicht sei geschrumpft, beim DIW erodiert, wird man nicht behaupten können, alles sei gut. Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre drängt die Frage auf, warum angesichts dessen die Mitte nicht stärker geworden ist. Wohlfeil erscheint der Hinweis, dass es an Chancengerechtigkeit – gedeutet als Chancengleichheit – mangele. Deshalb müsse durch das Steuer- und Transfersystem umverteilt werden. Was eingängig klingt, hat einen Haken: Die Erwartung, Chancengleichheit führe zu einer höheren Gleichverteilung der Markteinkommen, ist nicht gut begründet. Denn grundsätzlich – so der Philosoph Hermann Lübbe – ist zu beachten, dass Chancengleichheit individuelle Unterschiede freisetzt und somit egalisierte Beteiligungsgelegenheiten erst recht ökonomische, soziale und kulturelle Differenzierungen verursachen. Wer Chancengleichheit als Gerechtigkeitsideal anpreist, darf nicht der Illusion unterliegen, so die Verteilung der Einkommen zu nivellieren.
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