Deutschland und Großbritannien London ist noch nicht verloren

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Kanzlerin Merkel vergleicht das Brexit-willige Großbritannien mit Putins Russland und Trumps USA. Das ist unverschämt – und unklug.

Angela-Merkel Quelle: REUTERS

Ein Bierzelt ist kein Ort für Nuancen. Als Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag vor beschwingtem Truderinger Publikum über Weltpolitik räsonierte, blieb hierzulande nur ihr Satz hängen, dass Deutschland auf die USA unter Donald Trump wohl nicht mehr voll bauen könne.

Doch bei genauem Nachlesen verlieh Merkel ihrem weit tieferen Misstrauen öffentlich Ausdruck. Sie schloss auch das EU-abwanderungswillige Großbritannien (nebst Russland) in der Aufzählung jener Nationen ein, von denen sich die Bundesrepublik wohl emanzipieren müsse.

Aufgefallen ist das aber natürlich den Briten – und, wenig überraschend, keineswegs positiv. Offenbar sei Merkel entschlossen, den Tod der westlichen Allianz einzuleiten, schäumte etwa ein Kommentator der „Financial Times“.

Die Reaktion mag übertrieben sein, eine Trump-verdächtige Überdrehung in überhitzten Zeiten. Doch die Kritik zielt auf einen wahren Kern: Gerade weil die Weltlage so unübersichtlich geworden ist, sollte die sonst so nüchterne Kanzlerin selbst im bayrischen Bierzelt auf Nuancen achten.

 
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