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Nach Absturz der Rakete „Vega“ Steigende Prämien für Raumfahrtversicherungen erwartet

Der Großschaden durch den Absturz der Rakete „Vega“ wird nach Einschätzung von Experten dazu führen, dass die Prämien steigen werden.

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Die Raumfahrt ist für die Versicherer ein Verlustgeschäft. Quelle: dpa

London, Frankfurt Die Raumfahrt ist für die Versicherer ein Verlustgeschäft – das war schon vor dem jüngsten Absturz der „Vega“-Rakete mit einem Militärsatelliten der Vereinigten Arabischen Emirate an Bord so. Mit rund 400 Millionen Dollar ist der Schaden der höchste, der je für einen Unfall in der Raumfahrt fällig wurde. Das könnte zu einem Umdenken in der Branche führen, in der die harte Konkurrenz seit Jahren die Preise drückt. „Raumfahrt-Versicherer haben innerhalb eines Jahres zwei Großschäden zu verkraften gehabt, die die Prämieneinnahmen des ganzen Jahres übersteigen“, sagt Nick Brown, der Chef von Global Aerospace. Hinter dem Raumfahrt-Konsortium stehen Munich Re und Berkshire Hathaway.

Bei Vega war die Munich Re nicht über Global Aerospace, sondern mit anderen Versicherern aktiv. Finanzvorstand Christoph Jurecka schätzt den Schaden durch den Absturz allein für den weltgrößten Rückversicherer auf rund 40 Millionen Euro, wie er am Mittwoch sagte.

„Die Versicherungsprämien sowohl für Raketenstarts als auch für Schäden im Orbit waren auf einem Rekordtief (...) und müssen signifikant steigen“, fordert Brown. Bereits im Januar hatten die Versicherer 183 Millionen Dollar ausgezahlt, nachdem der kommerzielle Erdbeobachtungs-Satellit „WorldView-4“ von Maxar Technologies im All kaputtgegangen war. 2018 hatten sie nach Daten der Analysefirma Seradata rund 600 Millionen Dollar an Schäden beglichen – bei 450 Millionen Dollar Prämien. In den vergangenen 15 Jahren seien die Prämien um 75 Prozent gesunken, allein in den vergangenen zwei bis drei Jahren um die Hälfte, heißt es in der Branche.

„Die Raten könnten sich nach dem Absturz (von Vega) und den schlechten Ergebnissen des vergangenen Jahres verdoppeln“, meint ein Versicherer. Die italienische Avio Aero, die hinter der Europa-Rakete steht, zählte im vergangenen Jahr weltweit 114 Raketenstarts. Eine Versicherungspflicht gibt es nicht. Nach Angaben des spanischen Versicherers Mapfre gab es 2017 nur für 60 Prozent aller gestarteten Raketen überhaupt Policen.

Doch Seradata-Experte David Todd zweifelt daran, dass die Preise wirklich stark steigen werden. Das hänge davon ab, ob sich große Versicherer aus diesem speziellen Markt zurückziehen. Swiss-Re-Vorstand Andreas Berger sagte vor kurzem, die Schweizer Nummer zwei auf dem Weltmarkt werde ihr Engagement in der Raumfahrt zurückfahren. Zu den Größen dort zählen neben dem Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's die amerikanische AIG, die französische Axa, die Allianz und die Münchener Rück.

Doch auf längere Sicht könnte das Raumfahrt-Geschäft für die Versicherer noch wachsen, wenn der Weltraum-Tourismus in Fahrt kommt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will schon im nächsten Jahr Privatkunden für jeweils einen Monat auf die internationale Raumstation ISS mitnehmen, für etwa 35.000 Dollar – pro Nacht. Auch der britische Milliardär Richard Branson mit seiner Virgin Galactic und Amazon-Gründer Jeff Bezos mit Blue Origin planen Weltraum-Ausflüge. „Der Weltraum-Tourismus stellt eine ganz neue Art von Risiko für die Versicherer dar“, sagt Global-Aerospace-Chef Brown.

Mehr: Das Wettrennen um vermögende Raumfahrttouristen läuft. Regierungen entdecken das All strategisch wieder. Es könnte mehr sein als eine Spinnerei.

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