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Nach Bilanzskandal Deutsche Ermittler prüfen bei Wirecard auch Geldwäscheverdacht

Die Staatsanwaltschaft München geht mehreren aktuellen Anzeigen nach. Indes räumt Bayerns Innenminister Lücken in der Geldwäscheaufsicht ein.

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„Wir ermitteln wegen Geldwäscheverdachts gegen Verantwortliche des Unternehmens und gegen Unbekannt“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München am Donnerstag. Quelle: Reuters

Im Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard geht die Staatsanwaltschaft München auch dem Verdacht der Geldwäsche nach. „Wir ermitteln wegen Geldwäscheverdachts gegen Verantwortliche des Unternehmens und gegen Unbekannt“, sagte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft prüfe eine Reihe entsprechender Anzeigen aus dem laufenden und aus dem vergangenen Jahr. Eine Wirecard-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

Wirecard war nach Aufdeckung eines Bilanzlochs von 1,9 Milliarden Euro im Juni zusammengebrochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen Betrugs, Bilanzfälschung und Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen Vorstandschef Markus Braun und weitere Manager. Wegen des Verdachts verschiedener Finanzstraftaten im Umfeld von Wirecard ermitteln Behörden weltweit, unter anderem in den USA, in Singapur und auf den Philippinen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass US-Behörden einer möglichen Verwicklung Wirecards in einen 100 Millionen Dollar schweren Fall von Bankbetrug mit Marihuana-Handel nachgehen. Demnach sollen zwei Geschäftsleute zusammen mit Zahlungsabwicklern US-Banken über die Herkunft der Gelder getäuscht haben, um unbemerkt gegen Handelsverbote verstoßen zu können. Zwei Insider bestätigten einen entsprechenden Bericht des „Wall Street Journal“.

Indes räumte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Donnerstag Lücken in der Geldwäscheaufsicht ein. „Aufgrund der Struktur der Wirecard-Gruppe und den Regelungen im Geldwäschegesetz besteht keine Gruppenaufsicht über sämtliche Tochterunternehmen der Wirecard AG“, erklärte er auf Anfrage der SPD-Opposition im Landtag.

Zuletzt hatten sich die bundesweite Finanzaufsicht Bafin und Bayern gegenseitig die Verantwortung für die Geldwäsche-Aufsicht bei dem Online-Zahlungsabwickler zugewiesen. Trotz jahrelanger Geldwäsche-Vorwürfe von verschiedenen Seiten sprachen Bund und Land erst im Februar dieses Jahres über mögliche Kontrollen bei Wirecard. Dies sei seit dem 25. Februar von Bayern und BaFin diskutiert worden, erklärte Herrmann. Erst am 25. Juni, dem Tag der Wirecard-Insolvenz, sei auch das Bundesfinanzministerium in die Gespräche eingeschaltet worden.

Hermann bekräftigte frühere Aussagen der Bezirksregierung von Niederbayern, die Landesbehörde sei deswegen nicht zuständig, weil Wirecard nicht als Finanzunternehmen gelte. Die Bezirksregierung hatte Wirecard als IT-Unternehmen eingestuft.

In der Vergangenheit wurden gegen Wirecard immer wieder Vorwürfe laut, die auch den Aktienkurs massiv bewegten. In Deutschland sahen Finanzaufsicht Bafin und Staatsanwaltschaft lange Zeit nur Anhaltspunkte für Marktmanipulation durch Außenstehende. Das Amtsgericht München urteilte dann allerdings in zwei Fällen, dass es dafür keine ausreichenden Beweise gebe. Ein Ermittlungsverfahren gegen Investoren und Journalisten wegen des Verdachts der Marktmanipulation dauert nach Angaben der Staatsanwaltschaft München noch an.

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