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Nach Lira-Absturz Türkischer Finanzminister stellt sich Investoren

Eine von Berat Albayrak angesetzte Telefonkonferenz stößt auf großes Interesse. Die Teilnehmer dürfen aber voraussichtlich keine Fragen stellen.

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Lira erholt sich: Investoren gespannt auf türkische Konferenz Quelle: Reuters

Istanbul/Ankara Die vom türkischen Finanzminister Berat Albayrak angesichts der Währungskrise angesetzte Investorenkonferenz stößt auf großes Interesse. Etwa 3000 Investoren und Ökonomen haben sich für die Telefonschalte mit dem Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan angemeldet, erklärten Mitarbeiter seines Ministeriums am Donnerstag.

Die Konferenz soll um 15 Uhr beginnen. Albayrak will um Vertrauen in den Standort Türkei werben, der durch den Kursrutsch der Lira unter Druck steht. Seit Jahresbeginn hat die Währung etwa 40 Prozent zum Dollar an Wert verloren und fiel zu Wochenbeginn auf das Rekordtief von 7,24.

Albayrak wird voraussichtlich keine Fragen zulassen. Investoren werden aber genau hinhören, ob der erst im Juli ernannte Finanzminister unabhängig von seinem Schwiegervater entscheiden kann. „Was gegen ihn spricht ist, dass er Erdogans Schwiegersohn ist“, sagte Paul McNamara, Investment Director bei GAM London Limited.

„Selbst wenn er der beste Mann für den Job war, sieht das nach Dritter Welt aus.“ Albayrak, der mit Erdogans Tochter Esra verheiratet ist, studierte Bank- und Finanzwesen in den Vereinigten Staaten und arbeitete für den türkischen Mischkonzern Calik Holding. Dieser steht Erdogans Partei AKP nahe.

Die Lira erholte sich bereits vor der Konferenz und wertete um 2,5 Prozent auf 5,81 zum Dollar auf. Unterstützung lieferte Marktteilnehmern zufolge die milliardenschweren Finanzspritze aus Katar. Das Emirat hat dem Land 15 Milliarden Dollar an Direktinvestitionen zugesichert. Informationen aus türkischen Regierungskreisen zufolge soll das Geld in die Finanzmärkte fließen und an Banken gehen.

Ausgelöst wurde die Währungskrise durch die Sorge von Investoren über den wachsenden Einfluss von Präsident Erdogan auf die Wirtschaft und seine Forderungen nach niedrigeren Zinsen trotz hoher Inflation. Dazu kommt, dass die Türkei mit dem Nato-Partner USA politisch über Kreuz liegt, was sich auf die Wirtschaftsbeziehungen auswirkt.

Die USA wollen auch im Falle eine Freilassung ihres Staatsbürgers Andrew Brunson an höheren Zöllen für Stahl aus der Türkei festhalten. Es gebe keine Pläne, dies zu ändern, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders. Allerdings könnten die Sanktionen gegen zwei türkische Minister zurückgenommen werden, sollte der unter Hausarrest stehende US-Pastor frei kommen.

Ermittler werfen Brunson Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steckt.

Die Bundesregierung sichert einem Zeitungsbericht zufolge trotz fortbestehender Belastungen im deutsch-türkischen Verhältnis Exportgeschäfte deutscher Firmen in der Türkei weiter in hohem Maße ab. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine kleine parlamentarische Anfrage der Linkspartei hervor, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete.

„In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 hat die Bundesregierung Lieferungen und Leistungen in die Türkei in Höhe von 831,7 Millionen Euro mit Exportgarantien abgesichert“, zitierte die Zeitung aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums. Über intensive Einzelfallprüfungen werde dem Risiko ausreichend Rechnung getragen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nach eigenen Angaben weiter keine Anzeichen dafür, dass die Türkei in ihrer aktuellen Krise den Fonds um finanzielle Unterstützung bitten will. Eine Sprecherin sagte, der IWF beobachte die Lage in der Türkei genau. Man habe das Land aufgefordert, gegen seine wirtschaftlichen Ungleichgewichte vorzugehen.

Die türkischen Aufsichtsbehörden hatten wegen der Krise Devisen-Tauschgeschäfte ihrer Banken mit ausländischen Investoren weiter eingeschränkt. Die Zentralbank hatte zu Wochenbeginn angekündigt, alle nötigen Schritte zu unternehmen, um die Liquiditätsversorgung der heimischen Geldhäuser zu gewährleisten.

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