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Nach Referendum Spaniens Bankaktien verlieren deutlich

Nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum bemüht sich Spaniens Regierung um Normalität. Während der Wirtschaftsminister versucht, die Bankkunden des Landes zu beruhigen, suchen Börsianer in Spanien das Weite.

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Der spanische Wirtschaftsminister richtet sich an Bankkunden und Unternehmen. Quelle: AP

Madrid/Frankfurt Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos versucht nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, Bankkunden und Unternehmen zu beruhigen. „Katalanische Banken sind spanische Banken, und europäische Banken sind stabil, und ihre Kunden haben nichts zu befürchten“, sagte Guindos am Mittwoch in Madrid. Die Worte von König Felipe zu der Lage seien „korrekt und sehr deutlich“ gewesen, fügte er hinzu. Der König hatte die katalanische Regionalregierung am Dienstagabend in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache kritisiert. Führende Vertreter hätten demokratische Prinzipien zerschlagen und die katalanische Gesellschaft gespalten.

Die Katalanen hatten am Sonntag ein Referendum über die Loslösung von Spanien abgehalten, das zuvor von der Zentralregierung und dem Verfassungsgericht für illegal erklärt worden war. Dabei stimmten nach Angaben der Regionalregierung 90 Prozent der Wähler für eine Abspaltung. Die Ausrufung der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien ist nach den Worten des Chefs der Regionalregierung, Carles Puigdemont, eine Frage von Tagen. Seine Regierung werde Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche handeln, wenn alle Stimmen ausgezählt seien, sagte Puigdemont am Dienstag der BBC.

Die Nervosität der spanischen Anleger wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen derweil bleibt hoch. Vor allem Bankaktien rauschten am Mittwoch in die Tiefe. Der Leitindex der Madrider Börse verlor 2,2 Prozent auf 10.028 Punkte. Das war der tiefste Stand seit fast sieben Monaten. „Noch lässt sich nicht einmal erahnen, wie es weitergeht“, sagte der Anlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan. „Spanische Aktien würde ich vorerst meiden.“ In den drei Tagen seit dem Referendum in Katalonien verlor der Auswahlindex rund drei Prozent.

Besonders unter Druck standen die Titel der Geldhäuser Banco de Sabadell und Caixabank, die in Barcelona ihren Hauptsitz haben. Börsianer befürchten Geschäftseinbußen wegen der sich zuspitzenden politischen Krise. Sabadell-Aktien gaben fünf Prozent auf 1,60 Euro nach, Caixabank-Titel rutschten um vier Prozent auf 3,95 Euro ab. Die Aktien der Konkurrenten BBVA, Bankinter, Bankia und Santander verloren je rund drei Prozent.

„Spanien vor dem Zerfall“ schrieb Analyst Hendrik Lodde von der DZ Bank in einem Kurzkommentar. Die Handelswoche stehe im Zeichen des Referendums und seinen Folgen. Anleiheexperte Dirk Gojny von der National-Bank in Essen rechnet damit, dass der Verkaufsdruck spanischer Anleihen bestehen bleibt. „Letztlich schadet das Verhalten der Region damit ganz Spanien, das sich derzeit zu schlechteren Konditionen refinanzieren könnte.“ Die Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen weitete sich auf 1,793 Prozent aus und war so hoch wie seit über sechs Monaten nicht mehr.

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